Doppelmord im Chiemgau vor 20 Jahren

Kripo bittet um Hinweise: Wie sieht dieser Killer heute aus?

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Das Phantombild von 1997: Der Pistolen-Mörder sieht nun wohl ganz anders aus.

Traunstein/Köln - 20 Jahre nach der Tat wird ein Doppelmörder wieder intensiv gesucht - er hatte im Chiemgau ein Ehepaar getötet. Die Kripo bittet um Hinweise: Wie sieht er heute aus?

Truus und Harry Langendonk.

Der Juni 1997 war heiß. Darum wunderte sich am 8. Juni ein Nürnberger Taxler nicht, als mitten in der Nacht am Hauptbahnhof ein vollgeschwitzter junger Mann einstieg, nicht so gekleidet, wie man es erwartet. „Anzug und Krawatte, da würde es bei mir auch runterlaufen“, dachte sich der Taxler. Zwar stank der Mann heftig nach Schweiß – doch die Tour lohnte sich: Eine Fahrt ins Chiemgau, 350 Kilometer, 500 Mark wert. Es war eine Fahrt mit einem mutmaßlichen Doppelmörder an der Seite. Den Mörder am niederländischen Ehepaar Truus (61) und Harry Langendonk (63), die einen Tag zuvor im Chiemgau erschossen, deren Kehlen zudem durchgeschnitten worden waren.

Truus und Harry Langendonk wurden mit einer Tokarew erschossen.

Der Mann im Anzug wird wieder intensiv gesucht, 20 Jahre nach der Tat. Der Fernsehsender VOX berichtet über den Fall in seiner Sendung an diesem Samstag Mörderjagd – Wie Profiler ermitteln (22.30 Uhr). Dazu schaltet die Kripo Traunstein ein Hinweistelefon (08 61/9 87 34 44). Es geht dabei vorrangig um die Suche nach dem jungen Mann im dunklen Anzug. Wer kennt ihn? Er dürfte natürlich schon lange nicht mehr so aussehen wie auf dem Phantombild oben, er ist aber nicht klein (1,80 bis 185 Meter), dürfte rund 50 Jahre alt sein und Bairisch oder Österreichisch sprechen. Hat er irgendjemandem die Tat gebeichtet?

1997: Kriminalbeamte suchen im ausgebrannten Wohnmobil der Urlauber nach Spuren.

Die Tat – sie belastet eine Familie schwer. Drei Töchter pflegen liebevoll das Grab der Eltern in der holländischen Kleinstadt Delden. Von dort war das Paar im Mai 1997 mit einem Mercedes-Wohnmobil aufgebrochen. Die Langendonks sind sparsame, einfache Leute, aber kontaktfreudig Am 6, Juni treffen sie am Chiemsee ein. Einen Tag später, am Samstag, 7. Juni, essen sie zu Mittag im Wirtshaus zum Schlossberg in Marquartstein (12.30 bis 14 Uhr). Eine halbe Stunde später telefoniert das Paar mit einer der Töchter. Nur Stunden später sind sie tot.

Am frühen Abend, um 18 Uhr, trafen sie in Litzlwalchner Hölzl bei Nußdorf, das liegt zwischen Traunstein und Altenmarkt an der B304, auf ihren Mörder. Zeugen hören Schüsse. Gegen 20 Uhr biegt das Wohnmobil auf die B304 ein. Fünf Stunden später sehen Autofahrer auf einem Waldparkplatz bei Nürnberg-Altenfurt ein Feuer, es ist das Wohnmobil der Langendonks. Nach den Löscharbeiten finden Feuerwehrleute die verbrannten Leichen, achtlos übereinander geworfen. Es stellt sich heraus, dass das Ehepaar erschossen wurde. Die Tatwaffe: eine Tokarew-Pistole, Kaliber 7,62. Passende Hülsen und Pa­tronen werden im Litzlwalchner Hölzl gefunden.

Der Taxigast war vor seiner Fahrt ins Chiemgau zunächst nahe des Brandortes in ein erstes Taxi gestiegen. Er ließ sich zum Hauptbahnhof bringen und stieg um. Als er sich nach der Fahrt um 5.10 Uhr bei Matzing absetzen ließ, nahe des Tatortes, zahlte er den Betrag in Francs und Schillingen. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ist eine Belohnung von 51 000 Euro ausgesetzt.

mc

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