Fall Franziska

Tatverdächtiger: Bei der Festnahme lächelte er

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Im Prozess um den Mord an Franziska sagten am Montag Polizisten aus. Im Bild: der mutmaßliche Täter.

Ingolstadt - Im Prozess um den Sexualmord an der kleinen Franziska haben am Montag mehrere Polizisten Details der Festnahme geschildert.

Der Angeklagte schweigt. Doch was die Zeugen über ihn sagen, spricht Bände: Stefan B., der mutmaßliche Mörder der kleinen Franziska, soll bei seiner Verhaftung gelächelt haben. „Ich hatte den Eindruck, er fand das lustig“, erzählt ein Polizeibeamter vor Gericht. Ein anderer wird später sagen: „Herr B. war emotionslos. Er weckte den Eindruck, als sei er stolz gewesen.“ An einem Sonntagabend im Februar 2014 hatten sie Stefan B. festgenommen – das zwölfjährige Mädchen aus Möckenlohe war zu diesem Zeitpunkt erst wenige Stunden tot.

Es ist Montagvormittag, kurz nach 9 Uhr – und das Landgericht Ingolstadt hat heute mehrere Polizeibeamte geladen. Sie werden davon berichten, wie sie sich eine Verfolgungsjagd auf der B16 mit Stefan B. lieferten, wie er auf 160 bis 180 Stundenkilometer beschleunigte. Und wie er nach gut 30 Kilometern doch aufgab, mit dem grünen Toyota an den Straßenrand fuhr, stoppte – und mit erhobenen Händen ausstieg.

Stefan B. sitzt stumm auf der Anklagebank

Stefan B., 27, sitzt nur stumm auf der Anklagebank, starrt vor sich hin. Keine Regung, keine Reue. Nicht mal dann, als ein Beamter von der Spurensicherung berichtet, wie er im Kofferraum des grünen Toyota ein weißes T-Shirt entdeckt habe – zusammengeknüllt in einer Ecke. Ein T-Shirt mit Blutspuren. Offenbar Franziskas Blut. Stefan B., der auch heute wieder ganz in Schwarz gekleidet ist, hat schon am zweiten Verhandlungstag ein Geständnis abgelegt, hat es verlesen lassen von seinem Strafverteidiger.

Es ist kurz vor 11 Uhr als der Vorsitzende Richter für einen Augenblick den Sitzungssaal verlässt, um Sekunden später mit zwei Plastiktüten zurückzukehren. In einer steckt ein Gürtel des Angeklagten – offenbar wollte er damit das Mädchen erdrosseln. Aber das gelang ihm nicht, deshalb nahm er einen Holzscheit und schlug auf Franziskas Kopf ein. In der anderen Tüte steckt eine grüne Kapuzenjacke. Sie gehörte Franziska. Die Sachverständigen ziehen sich Handschuhe an, nehmen die Jacke aus der durchsichtigen Verpackung, machen einen Blut-Schnell-Test an den „verfärbten Stellen“. Positiv. Franzi hatte diese Jacke an ihrem letzten Tag an, am 15. Februar 2014, als sie sich mit ihren Freundinnen Lea und Sabrina traf, als die Mädchen an der Skate-Anlage in Nassenfels Videos drehten und Fotos machten. Mehr als zwei Stunden soll sie Stefan B. dort beobachtet haben, vom Auto aus. Als sie sich gegen 17 Uhr auf den Nachhauseweg machten, fuhr auch Stefan B. los, verfolgte Franziska, die allein unterwegs war. Er passte sie ab, zwang sie in den Toyota, den er von innen verriegeln konnte. Das Kind saß in der Falle. Gegen den fast zwei Meter großen Mann, der rund 120 Kilogramm auf die Waage bringt, hatte es keine Chance; offenbar wehrte sich Franziska auch nicht – Stefan B. habe jedenfalls „keine relevanten Verletzungen“ aufgewiesen, keine aktuellen Kratzspuren, sagt am Nachmittag Dr. Hubert Haderthauer aus, der ihn nach der Verhaftung untersuchte. Er ist Landgerichtsarzt – und Ehemann von Christine Haderthauer, einst Staatskanzlei-Chefin unter Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), heute gefallene Landespolitikerin. Die sogenannte Modellauto-Affäre kostete sie Karriere und Ruf. Gegen Hubert Haderthauer läuft ein Zivilverfahren. Es geht um einiges für ihn. Heute jedoch geht es um Franziska.

Hubert Haderthauer sagt nur gute zehn Minuten aus. Er erzählt, dass er Stefan B. „von Kopf bis Fuß“ untersucht habe und dass er „keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische Diagnostik“ feststellen konnte. Nur eine Sache sei ihm aufgefallen: Als er mit dem Angeklagten in einem Aufzug stand, zwei Polizeibeamte seien dabei gewesen, soll Stefan B. gegrinst und den Kopf geschüttelt haben. Die „einzige Regung“ – ein Grinsen.

Barbara Nazarewska

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