"Oh Gott, was hat man mit dir gemacht?"

Mord an Franziska: Er musste den Totenschein ausstellen

+
Dr. Alexander Hatz war unlängst deutschlandweit in den Schlagzeilen.

Ingolstadt - Im Prozess um den Mordfall Franziska schilderte am Montag Notarzt Dr. Alexander Hatz, wie er die Leiche der toten Franziska untersucht hat.

Es ist mucksmäuschenstill im voll besetzten Saal 11 im Landgericht Ingolstadt, als am Montag der Notarzt schildert, wie er am 16. Februar 2014 den toten Körper von Franziska (†12) untersucht hat. Es ist Dr. Alexander Hatz, der kürzlich erst deutschlandweit in die Schlagzeilen geraten ist, weil er bei einem Notarzteinsatz wegen Nötigung eines Autofahrers angezeigt worden war. Nun muss er als Zeuge schildern, was er am Rathei-Weiher entdeckte.

„Eine weibliche Kinderleiche mit Spuren von Gewaltanwendung“ habe er gesehen, als er die Decke zurückschlug, unter der Franziskas toter Körper lag. Sein spontaner Ausruf beim Anblick des geschundenen Mädchens: „Oh Gott, was hat man mit dir gemacht?“ Es sei, sagt der 51-Jährige später im Gespräch mit der tz, das bisher schlimmste Tötungsdelikt, das er erlebt habe. „Wenn ein kleines, unschuldiges Kind umgebracht wurde, zweifelt man schon an der Menschheit.“

Gefunden hatten den leblosen Körper zwei Angler. Die Leiche hätten sie gleich gesehen als sie ans Wasser kamen. „Ich habe erst gedacht, dass es eine Puppe ist“, sagt der eine, ein 59-Jähriger. Er habe sie mit seiner Angel angetippt und dann gemerkt, dass es eine Leiche ist. Sie hätten sofort die 110 gewählt und gewartet, bis Polizei, Notarzt und Wasserrettung eintrafen. Mit respektvollem Abstand zur toten Franziska. „Ich habe die Leiche nicht berührt.“

Das tat dann Kreisbrandmeister Stefan Kreitmeier. Er war der erste Helfer am Tatort. „Ich habe das Mädchen im Wasser liegen gesehen, einen halben Meter vom Ufer entfernt, in Bauchlage.“ Er habe den Körper an Land gezogen und umgedreht, unterstützt vom Notarzt aus Ingolstadt, der inzwischen mit dem Helikopter gelandet war. Der habe die Vitalfunktionen getestet und schon nach 20 Sekunden nur noch den Kopf geschüttelt.

Der Angeklagte.

Dann wird Dr. Alexander Hatz als Letzter in den Zeugenstand gerufen. Wie seine Vorredner schildert er klar und sachlich, was er gesehen und gemacht hat. Die Verletzungen an Franziskas Körper habe er nicht als Unfallfolgen eingeschätzt, „ich habe es als Tötung eingeordnet“. Seine Untersuchungen ergaben Strangulationsmerkmale am Hals, Einblutungen in den Augen, Leichenflecken am Rücken, eine Schwellung links am Kopf sowie im linken Gehörgang Blut. Zudem habe er eine massive Schädelbasis-Fraktur bemerkt, als er den Kopf in die Hände genommen habe. „Da muss brutale Gewalteinwendung da sein, damit man das schafft“, sagt Dr. Alexander Hatz. Das Mädchen war vollständig angezogen, die Kleidung sei unversehrt gewesen.

Und wie reagiert der, dem diese grausige Tat vorgeworfen wird? Der Angeklagte Stefan B. (28) sitzt meist zusammengesunken auf seinem Sitz, die Hände reglos vor sich auf dem Tisch. Auch am Montag schwieg er weiter beharrlich. Der Prozess dauert an.

Volker Pfau

Auch interessant

Meistgelesen

Drama um Julia Viellehner: Offenbar Bein-Amputation bei Triathletin
Drama um Julia Viellehner: Offenbar Bein-Amputation bei Triathletin
Bis zu 30 Grad: So heiß wird es ab Christi Himmelfahrt
Bis zu 30 Grad: So heiß wird es ab Christi Himmelfahrt
82-Jähriger rast mit 180 über Bundesstraße – der Grund ist skurril
82-Jähriger rast mit 180 über Bundesstraße – der Grund ist skurril
Tote und Verletzte bei Unfall in Bayern
Tote und Verletzte bei Unfall in Bayern

Kommentare