Bestialischer Mord an Pflegerin

Das ist der Killer aus dem Krankenhaus

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Felix W. räumte am Donnerstag vor Gericht die Tat ein.

Karlsfeld - Seit Donnerstag steht Felix W. wegen Mordes vor Gericht. Er hat die Kinderpflegerin Michaela H. getötet. Auf Reue warten die Angehörigen bisher vergebens.

Die Gehörlosen der Bad Grönenbacher Helios-Klinik feierten am Abend noch eine Abschiedsparty – am Morgen lag eine von ihnen tot in ihrem Zimmer. Ermordet, missbraucht, geschändet! Vor dem Landgericht Memmingen hat am Donnerstag der Prozess gegen Felix W. (19) begonnen. Der Schüler gestand, Kinderpflegerin Michaela H. (39) erwürgt und erstochen zu haben, weil sie keinen Sex mit ihm wollte. Doch an die Details der Tatnacht wollte er sich nicht erinnern.

Staatsanwältin Diana Fritzsche half seiner Erinnerung auf die Sprünge: Bei der Party startete Felix W. am 26. März 2012 gegen 20 Uhr seine Annäherungsversuche. Als Michaela H. um 23.23 Uhr auf ihr Zimmer ging, folgte ihr Felix W: „Ich gab vor, auf die Toilette zu wollen.“ Danach verschloss er laut Anklage die Tür, forderte die Frau aus Karlsfeld auf, sich auszuziehen. Die 45 Kilo leichte Frau folgte verängstigt, versuchte dann aber, W. von ihrem Bett zu schieben.

Als sie um Hilfe zu schreien begann, packte W. ihren Hals. „Und dann hab ich zugedrückt“, sagte W. in seinem Geständnis. Sie habe nicht mehr Nein sagen sollen – laut Staatsanwältin fürchtete er aber die Entdeckung seines Übergriffs. Er zog den leblosen Körper vom Bett auf den Boden, warf sich dreimal mit voller Wucht auf ihn. Dann stach er mit einem Fieberthermometer und einer Nagelschere auf sein Opfer ein. Mindestens neun Stiche trafen die Brust, drangen in Herz und Lunge ein.

Weil Michaela H.’s Augen ihn noch immer anstarrten, sprühte er ihr Desinfektionsmittel in die Augen. Dann ging er rauchen, kehrte ins Zimmer 508 zurück – und schändete den Leichnam. Am nächsten Morgen packte Felix W. seine Koffer. Erst zehn Tage später führten Zeugenaussagen und DNA-Spuren die Kripo auf die Spur zu Felix W. nach Schwäbisch Gmünd. In seiner Gitarrentasche fanden die Ermittler auch die Schließkarte für Michaela H.’s Zimmer.

Unglaublich: Trotz eindeutiger Beweise versuchte der Täter in seiner ersten Vernehmung noch, sein Opfer zu verunglimpfen. Kriminalhauptkommissar Gerhard H. (55): „Er behauptete, sie habe ihn mit den Worten ‚Ich will Spaß haben‘ auf ihr Zimmer gelockt. Dann habe sie ihn entkleidet und, als er keinen hoch bekam, mit den Worten ‚Du Schlappschwanz‘, beleidigt.“

Am Donnerstag nahm Felix W. diese Behauptungen zurück. Sein Anwalt: „Er schämt sich. Er hat versucht, sie in einem für ihn günstigeren Licht darzustellen.“ Doch auf ein Wort der Reue warteten die Angehörigen des Opfers auch am Donnerstag  vergebens. Stattdessen schilderte Felix W. seine schwere Kindheit, die er angeblich in einem Verschlag mit einem Hund verbringen musste. Durch einen Tumor im Kopf habe er neunmal operiert werden müssen. In U-Haft sei er verprügelt worden, habe einen Suizid versucht.

Wie das alles aber zu einem Facebook-Eintrag am Morgen nach dem Mord passen soll, das muss geklärt werden. „Bin saugeil drauf“, schrieb er da.

Gewalt an Krankenhäusern:

März 2011: Mit einem Messer geht ein 65-Jähriger im Weilheimer Klinikum auf eine Ärztin los und verletzt die zweifache Mutter tödlich. Sieben Monate nach der Tat begeht der Täter Selbstmord.

August 2006: In einem Darmstädter Krankenhaus erschlägt der Küchenleiter seine Chefin mit einem Hammer. Grund für den Angriff waren länger andauernde Streitigkeiten zwischen dem 37-Jährigen und seiner 26 Jahre alten Vorgesetzten.

Juni 2004: In einem Krankenhaus in Frankfurt am Main wird eine Putzfrau in der Operationsabteilung erstochen. Der Ehemann hatte der 36-Jährigen an ihrer Arbeitsstelle aufgelauert und sie mit mehreren Messerstichen in den Hals getötet.

April 2000: Im Krankenhaus in Meschede im Sauerland tötet ein 25 Jahre alter Mann seine Ex-Freundin.

Mai 1999: Aus Ärger über das Ergebnis einer Nasen-OP erschießt ein junger Mann den HNO-Chefarzt des Klinikums Ludwigshafen.

aw/mc

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