Frasgen und Antworten zum Prozess

Mordfall Peggy: Wie schuldig ist Ulvi K. wirklich?

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Ulvi K. wurde im Indizienprozess als Mörder verurteilt.

München - Es dürfte seit 13 Jahren eines der größten Rätsel im Freistaat sein: Was passierte mit Peggy? Am Donnerstag startet die Wiederaufnahme des Prozesses. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was passierte am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg mit der damals neunjährigen Peggy? Als ihr Mörder verurteilt ist der 36-jährige Ulvi K.. Donnerstag beginnt im Landgericht Bayreuth das Wiederaufnahmeverfahren in dem Fall. Die tz beantwortet hierzu Fragen:

Warum wurde Ulvi K. fast auf den Tag genau vor zehn Jahren verurteilt?

Der geistig behinderte Gastwirtssohn wollte einen zuvor begangenen sexuellen Missbrauch vertuschen. Er soll Peggy nachgerannt sein und ihr solange Mund und Nase zugehalten haben, bis sie sich nicht mehr rührte. Doch schon damals gab es Zweifel an der Version, so gab es etwa keine Leiche des Kindes, und kaum einer traute ihm einen dermaßen perfekten Mord zu. Einzig das Geständnis blieb, das aber widerrufen worden war. Trotzdem hieß es: lebenslang wegen Mordes. Derzeit befindet sich Ulvi K. in der Psychiatrie wegen sexuellen Missbrauchs. Im Fall Peggy beteuert er: „Ich bin kein Mörder.“

Wie kam es zum Wiederaufnahmeverfahren?

Seit Langem sucht ein Unterstützerkreis zusammen mit Verteidiger Michael Euler nach Beweisen, die Ulvi K. entlasten. Ein Durchbruch gelang im September 2010, als ein Hauptbelastungszeuge seine Aussage widerrief. Der inzwischen gestorbene Peter H. war mit Ulvi K. in der Psychiatrie gewesen. Im ersten Prozess behauptete er, Ulvi habe ihm dort das Verbrechen gestanden. Dies sei aber eine Lüge gewesen. Zudem tauchte eine unbekannte Tathergangshypothese auf, in denen damalige Ermittler den Tathergang aus ihrer Sicht schriftlich festgehalten hatten – das Geständnis von Ulvi K. war damit nahezu identisch.

Was passiert jetzt?

Im Prozess, der auf neun Verhandlungstage angesetzt ist (Urteil: 2. Juni) geht es nur um die Frage, ob die Tat Ulvi K. nachgewiesen werden kann. Beim Wiederaufnahmeverfahren ist es so, als hätte der erste Prozess nie stattgefunden. Deshalb wird Ulvi K. als Angeklagter fast die gleichen Vorwürfe wie vor zehn Jahren hören.

Wer ist der Richter?

Richter Michael Eckstein (60) leitet seit 2003 die 1. Strafkammer des Landgerichts Bayreuth. Er hat viel Erfahrung mit Mordprozessen: So gestand bei ihm ein Krankenpfleger den Sex-Mord an seiner Nichte. Eckstein gibt sich nicht mit pauschalen Geständnissen durch den Verteidiger zufrieden, er will, dass sich der Angeklagte in allen Details zur Tat bekennt – wenn er denn schuldig ist. Der Familienvater gilt als höchst korrekt.

tz

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