Stieß sie ihr Freund in die Tiefe?

Mordversuch im Heustadl - Prozessbeginn

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Mordversuch oder Unfall? Der Stadel, in dem die Frau annähernd fünf Meter abstürzte.

Deggendorf - Bei einem fünf Meter tiefen Sturz im Heustadel wird eine Frau lebensgefährlich verletzt. Alles sieht nach einem Unfall aus, doch die 32-Jährige behauptet, ihr Lebensgefährte habe sie gestoßen.

Auf diesem Bauernhof ereignete sich der Vorfall.

Es ist eine Geschichte wie aus einem düsteren Heimatkrimi. Eine Frau stürzt im Heustadel fast fünf Meter in die Tiefe. Sie bleibt mit Brüchen und einem Schädel-Hirn-Trauma lebensgefährlich verletzt auf dem Betonboden liegen. Zunächst sieht es nach einem typischen Unfall auf dem Bauernhof aus. Aber als die Frau ihr Bewusstsein wieder erlangt, stöhnt sie sinngemäß: „Ich wurde gestoßen. Es war mein Freund, mein Lebensgefährte.“ Er soll sie sogar mit einem Holz auf den Kopf geschlagen haben. Einen Tag nach dem Sturz wird der Landwirt Rainer S. (32) festgenommen. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn wegen versuchten Mordes an. Deswegen muss er sich derzeit vor dem Landgericht Deggendorf verantworten. Das tagte gestern in der Sache außer Haus – im Stadel, wo alles begann und wo der Bauer sogar sein mutmaßliches Opfer spielte.

Was passierte wirklich am 17. Juni 2013 im Dorf Achslach (Kreis Regen)? Fest steht, dass Rainer S. und seine Lebensgefährtin Jessica (32), die wegen der Liebe aus Hamburg in den Bayerwald gezogen war, am Morgen im Stall mit darüber liegendem Heustadel Futter herrichteten. Dabei musste ein auf einem Holzbock abgestütztes Gebläserohr zur Seite geräumt werden. Während der Arbeit, so schildert es der angeklagte Bauer, soll Jessica gestrauchelt und gefallen sein. „Ich hab’ sofort die Rettung alarmiert und mich zusammen mit dem Vater um die Jessica gekümmert.“ Die 32-jährige Mutter von vier Kindern (zwei hat sie mit Rainer S.) bleibt jedoch bei ihrer Version. „Es hat ja immer wieder Streit gegeben“, sagt sie vor Gericht. Deshalb habe sie sich sogar trennen wollen.

Der mutmaßliche Täter Rainer S. auf dem Betonboden

Rainer S. saß mehr als vier Monate in U-Haft, ehe man ihn auf freien Fuß setzte. Es steht in dem Fall Aussage gegen Aussage, neutrale Zeugen gibt es nicht. Ein wichtiger Anteil in der Urteilsfindung kommt deshalb den Gutachtern zu. Bei der Rekonstruktion des Sturzes zeigten gestern etwa der Notarzt, der Vater des Angeklagten und dieser selbst, wo die verletzte Frau lag. Und wo sich der Holzbock befand, mit dem sie in die Tiefe gestürzt war. Welche Version stimmt? Hat Jessica S. möglicherweise aufgrund ihrer Kopfverletzungen getrübte Erinnerungen? Mindestens drei weitere Verhandlungstage soll es am Landgericht noch geben, ehe hier ein Urteil fällt.

Für Johann S., den Vater des Angeklagten, liegt die Sache – logisch – auf der Hand: „Der Jessica geht es nur ums Geld.“ Er habe die Frau gemocht, weil sie fleißig war und auf dem Hof angepackt hat. Nur mit Geld habe sie nicht umgehen können. „Überall im Dorf hat sie Schulden gehabt.“ Das Urteil ergeht im Oktober, dann zeigt sich, wie der Heimatkrimi ausgeht.

rp

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