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Kumpels verstecken Unfallmaschine

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Schon wieder hat es am Kesselberg gekracht: Ein Motorradfahrer ist beim Überholen in einen anderen Kradfahrer gerutscht.

Kochel am See - Bei einem Motorradunfall am Dienstag wurden zwei Männer am Kesselberg verletzt. Zwar ist geklärt, wer Schuld hat. Dennoch: Etwas bleibt den Beamten rätselhaft.

Es geschah gegen 19.20 Uhr. Als er mit seiner Suzuki auf einen der Parkplätze am Kesselberg abbiegen wollte, wurde ein Österreicher (20) im wahrsten Sinne des Wortes über den Haufen gefahren. Ein hinter ihm fahrender Eglinger hatte zum Überholen angesetzt, verlor jedoch die Kontrolle über sein Motorrad und rutschte in die Suzuki hinein. Beide Männer stürzten. Der Eglinger wurde schwer verletzt in die Murnauer Unfallklinik gebracht. Leicht verletzt wurde der Österreicher.

Anstatt ihrem verletzten Freund bis zum Eintreffen der Rettungskräfte beizustehen, hatten die Spezl des Eglingers (39) jedoch ganz andere Pläne. Zeugen beobachteten, wie sie versuchten, die Kawasaki rund 200 Meter oberhalb der Unfallstelle im Wald zu verstecken. Ermittelt wird deshalb nicht allein wegen fahrlässiger Körperverletzung, sondern auch wegen Strafvereitelung.

Doch was sollte die Aktion? „Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass da oben viele Deppen unterwegs sind“, sagt der Tölzer Oberkommissar Josef Gerg. Zu verstecken habe der Eglinger sicherlich nichts gehabt. Er hat einen Führerschein für all Motorradklassen. „Da bringt es ihm nichts, die Maschine zu frisieren“. Immer wieder käme es jedoch vor, dass es Motorrafahrern gelingt, die Unfallstelle zu räumen, bevor der Vorfall von der Polizei aufgenommen werden kann. „Deshalb ist die Unfall-Dunkelziffer auf diesem Stück der Bundesstraße auch so hoch“, sagt Gerg.

Offiziell ereigneten sich heuer bislang zwölf Motorradunfälle am Kesselberg. Zwölf Menschen wurden verletzt, einer starb sogar (wir berichteten). „Bei schönem Wetter ist da täglich mit was zu rechnen“, sagt Gerg. Dennoch: dieses Jahr liegt im Schnitt. Nur 2010 gab es wenige Unfälle, sechs an der Zahl: „Und das lag wohl am schlechten Wetter“, sagt der Polizist. 2009 wurden insgesamt 26 Unfälle gezählt.

Wie man den Kesselberg sicherer machen kann? „Es ist unmöglich, die B 11 rund um die Uhr zu überwachen“, sagt Lars Werner, Verkehrs-Experte der Tölzer Polizei. Vielleicht brächten aber bauliche Maßnahmen etwas, wie Kopfsteinpflaster in und vor den gefährlichen Kurven. „Doch das ist eine Sache der Kosten“, so Werner. Die Entscheidung darüber liegt bei Landratsamt und Regierung: Die Polizei „könne nur beraten“.

Steffi Brendebach

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