Gesprächsbereit

Erst Absage, jetzt Einladung: CSU und Asylhelfer nähern sich an - das steckt dahinter!

+
Ein Bild des Protests: Vor zwei Jahren hatten die Asylhelfer Joachim Herrmann dieses Bild geschickt, als er ein Gespräch absagte. Nun gibt es einen neuen Termin.

Innenminister Joachim Herrmann hat die bayerischen Asylhelfer zu einem Gespräch eingeladen. Genau zwei Jahre, nachdem er sie hatte abblitzen lassen. Aber die Themen, die den Ehrenamtlichen damals auf dem Herzen lagen, sind noch aktuell.

München – Als sie im Frühjahr 2017 vom Innenminister einen Korb bekamen, reagierten sie mit einem Protestfoto. Mehr als tausend Asylhelfer aus Bayern versammelten sich damals unter der Bavaria. Ein Bild, das für keinen Politiker leicht zu ignorieren wäre. Zu dem Gespräch, um das die Ehrenamtlichen gebeten hatten, kam es trotzdem nicht. Sie wollten Joachim Herrmann (CSU) eine Resolution überreichen, die sie bei einem Asylgipfel in Tutzing im Kreis Starnberg beschlossen hatten. Darin ging es um die Arbeitsverbote, um Abschiebungen und um Integrationsmaßnahmen. Der Minister sagte kurzfristig ab, er habe doch keine Zeit, sein Staatssekretär würde die Helfer empfangen. Für die Asylhelfer war das ein Schlag vor den Kopf.

Doch seit dem Frühjahr 2017 hat sich einiges verändert in Bayern. Zwar nicht die Themen, über die die Ehrenamtlichen mit Herrmann sprechen wollten. „Die brennen uns nach wie vor auf der Seele“, sagt Jost Herrmann aus Schongau, einer der Initiatoren von damals. Doch die Gesprächsbereitschaft habe sich sehr verbessert, betont der Pfarrer.

Das hatte die Staatsregierung in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt. Asylhelferkreise seien wichtige Gesprächspartner, damit die Integration vor Ort gelinge, betonten CSU und Freie Wähler darin. Man wolle sie stärker einbeziehen. Nun, nach genau zwei Jahren, hat Joachim Herrmann sieben Helfer aus allen bayerischen Bezirken doch zu sich eingeladen. Das Gespräch findet Dienstag in einer Woche statt. Auf der Tagesordnung stehen genau die Punkte, die die Helfer auch damals ansprechen wollten. „Wir hoffen nach wie vor auf Zugangsmöglichkeiten für Ehrenamtliche und Verwandte in die Ankerzentren“, sagt Jost Herrmann. Auch die Möglichkeiten für eine schnellere Verlegung in dezentrale Einrichtungen wollen die Helfer ansprechen. Und die Abschiebungen werden ein Thema sein, kündigt der Schongauer an. Nach wie vor haben die Ehrenamtlichen den Eindruck, dass in den Flugzeugen nicht nur Straftäter und Gefährder sitzen, sondern zu einem großen Teil auch gut integrierte Asylbewerber.

Das Thema, das ihnen im Frühjahr 2017 am meisten Sorgen bereitete, waren die gerade verhängten Arbeits- und Ausbildungsverbote für Flüchtlinge aus bestimmten Herkunftsstaaten. Anfang März 2019 hatte die Staatsregierung diese Regelung gelockert. Künftig werden bei der Entscheidung auch Integrationsbemühungen berücksichtigt. Bei der Klärung der Identität werden nun auch andere Dokumente zugelassen. „Das waren genau die Wünsche, die wir immer wieder geäußert haben“, sagt Jost Herrmann.

Er glaubt, dass diese Wendung auch auf den Druck der Flüchtlingshelfer zurückzuführen sei. Denn in den vergangenen Monaten haben die Ehrenamtlichen tatsächlich die Gelegenheit bekommen, ihre Erfahrungen den zuständigen Ressortleitern im Ministerium zu schildern. „Seit der Koalitionsvertrag steht, gab es jeden Monat mindestens ein Gespräch“, berichtet Jost Herrmann. Einige davon hätten sogar über zwei Stunden gedauert. „Wir haben nun das Gefühl, als Gesprächspartner ernst genommen zu werden“, betont er. Es seien viele Argumente ausgetauscht worden. „Einiges hatte die Politik falsch eingeschätzt, in einigen Dingen waren wir falsch informiert“, bilanziert er. Aber es seien in jedem Fall informative Gespräche auf Augenhöhe gewesen. Treffen wie diese waren vor zwei Jahren noch undenkbar. Jost Herrmann hofft darauf, dass es damit weitergehen wird. „Es gibt noch genug Themen, über die es sich zu sprechen lohnen würde.“ Auch nach dem 26. März.

Katrin Woitsch

Lesen Sie auch: Die frustrierenden Erfahrungen der Flüchtlingshelfer - und was sie dagegen tun wollen

Mit seiner Aussage Migranten hätten eine höhere Gewaltbereitschaft sorgte Joachim Herrmann zuletzt für Aufsehen und erntete heftige Kritik.

Auch interessant

Meistgelesen

Einbrecher feiern Party in Haus: Was Besitzerin danach findet, macht sprachlos
Einbrecher feiern Party in Haus: Was Besitzerin danach findet, macht sprachlos
Grünwald: Durchs Konsulats-Klofenster geflohener Häftling in Slowenien gefasst
Grünwald: Durchs Konsulats-Klofenster geflohener Häftling in Slowenien gefasst
Eine Liebe wie im Film - doch einige Hindernisse standen dem Glück von Whitney und Christian im Weg
Eine Liebe wie im Film - doch einige Hindernisse standen dem Glück von Whitney und Christian im Weg
Bär an Grenze gesichtet - Almwirte fordern Abschuss - Experte: Tier könnte längst in Bayern sein
Bär an Grenze gesichtet - Almwirte fordern Abschuss - Experte: Tier könnte längst in Bayern sein

Kommentare