Adel vor Gericht

Stunk im Königreich Bayern: Wittelsbacher Prinz kämpft um sein Wappen

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Luitpold Prinz von Bayern mit einem Bierkrug der Brauerei Kaltenberg, auf dem das Wappen der Wittelsbacher prangt. Er kämpft gegen die nicht genehmigte Nachahmung des Wappens. 

Eine Baseball-Cap oder ein Poloshirt mit einem königlichen Wappen auf Brust oder Stirn sind eine schöne Erinnerung an Bayern. Touristen konnten sich diese Kleidungsstücke in den Museumsshops der Schlösser kaufen. Doch damit ist jetzt Schluss.

München – Museumsshops wirken auf Besucher wie Magneten. Hier gibt es schöne Farbdrucke, bunte Tassen, Radiergummis mit Komponisten-Köpfen und manchmal auch T-Shirts oder Käppis mit lässigen Aufdrucken. In Bayern betreibt die Firma Kulturgut AG in Zusammenarbeit mit der Schlösserverwaltung das bunte Angebot der Mitbringsel-Branche. Luitpold Prinz von Bayern, Urenkel des letzten Bayerischen Königs, Ludwig III., ist die Firma schon seit Längerem ein Dorn im Auge. Einmal schon ist er gegen sie vorgegangen, weil sie billiges Porzellan aus China mit eigens interpretierten Emblemen der Nymphenburger Manufaktur verkaufte. Der Prinz empfand die Familienrechte verletzt.

Wappen-Plagiat sieht Original zum Verwechseln ähnlich

Am Dienstag nun, vor dem Landgericht München I, war es wieder einmal so weit. Streitpunkt: das Wappen der Wittelsbacher. Die Kulturgut AG hatte das königliche Wappen in etwas abgeänderter Form auf langärmelige Poloshirts in vornehm royal-blauer Farbe nähen lassen. Gleichfarbige Baseball-Caps zierte das nachempfundene Familienwappen mit goldener Heldenkranz-Umrandung auf der Stirnseite. Ein Laie hätte es auf den ersten Blick nicht vom tatsächlichen Wappen der Wittelsbacher mit den beiden markanten Löwen zu beiden Seiten und der aufgesetzten Krone unterscheiden können. Der Prinz, der die König-Ludwig-Brauerei Kaltenberg (Kreis Landsberg am Lech) führt, erhob Klage wegen Unterlassung. Der Adelige aus dem Hause Wittelsbach wirft der Kulturgut AG vor, das königliche Wappen unerlaubt nachgeahmt zu haben. Prinz Luitpolds Familie, die nie offiziell den Verzicht auf den bayerischen Thron erklärt hat, hält die Rechte am Wappen des Königreichs Bayern, das 1918 in den Freistaat Bayern überging. Der Streitwert liegt bei 100.000 Euro.

Souvenirs mit königlichem Wappen seien aktuell kaum noch gefragt

Die Vorsitzende Richterin machte den Parteien rasch klar, dass für die Kammer eine Namensverletzung in Betracht komme. Auch die Wiederholungsgefahr hielt das Gericht für gegeben, unabhängig von der Tatsache, dass nahezu alle Poloshirts und Baseball-Caps aufgebraucht seien. Die Richterin schlug deshalb im Rahmen eines Vergleichs eine strafbewehrte Unterlassung vor.

Das nachgemachte Wappen der Kulturgut AG.

Kulturgut-Chef Harald Brunnhuber verteidigte den Wappen-Look noch mit dem Hinweis, dass sich seine Firma an einem Baldachin-Motiv auf Schloss Linderhof orientiert habe, das in Form einer Nadelstich-Malerei bei den Gästen sehr viel Anklang finde. Weil es sich bei dem Wappen um das Wappen des Königreichs Bayern handele, dessen Rechtsnachfolger der Freistaat Bayern sei, habe er sich im Recht gesehen.

Auf den Vergleich wollte er sich einlassen, bat aber noch um eine dreiwöchige Frist, in der er sicherstellen kann, dass alle übrig gebliebenen Shirts und Caps aus dem Verkehr gezogen sind. Die Wappen-Design-Artikel befinden sich allerdings seit Jahren nicht mehr im Sortiment oder sind Auslaufmodelle – angeblich wegen viel zu geringer Nachfrage.

Prinz Luitpold lässt nach Wappen-Plagiaten fahnden

Luitpold Prinz von Bayern erschien am dienstag nicht im Gericht. Er ließ zwei Anwältinnen seine Angelegenheiten regeln. Insgesamt beschäftigt er viele aufmerksame Köpfe mit der Markenfrage. Sie vergleichen Woche für Woche alle Anmeldungen auf Ähnlichkeit mit dem Wittelsbacher Wappen.

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Die Bayern sind noch immer mächtig stolz auf ihren früher herrschenden Adel: Zum 133. Todestag von König Ludwig II. kamen wieder viele zur Gedenkmesse an die Votivkapelle in Berg.

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