Absturz bei Bergtour im Höllental

"Mister 1000 Volt" stirbt am Kleinen Waxenstein

Bio-Informatik war sein Beruf, Klettern seine Leidenschaft: Jacek P. (36) stürzte am Waxenstein ab.

Garmisch-Partenkirchen - Bergunfall im Höllental: Ein Münchner Bio-Informatiker (36) ist am Sonntag am Kleinen Waxenstein abgestürzt und gestorben.

Seine Kletterkameraden vom Alpenverein München haben sein Porträt mit „Der angstfreie Jacek“ überschrieben. Der 36-Jährige liebte das Klettern, das Mountainbiken, Trekking und Skitouren. Am Sonntag ist er bei einer Tour am Kleinen Waxenstein im Wettersteingebirge abgestürzt. Die Bergwacht konnte ihn nur noch tot bergen.

Der Bio-Informatiker, der sich beruflich mit dem Vergleich von DNA-Sätzen am neuen Supercomputer im Haunerschen Kinderspital beschäftigte, war am Sonntag mit einem Spezl vom Alpenverein zu einer Tour im Höllental aufgebrochen. Jacek P. und der 39-Jährige aus Germering wollten bei besten Bedingungen vom Parkplatz in Hammersbach aus den Großen Waxenstein (2277 Meter) in Richtung Zwölferkopf überschreiten und anschließend noch den Kleinen Waxenstein (2136 Meter) überqueren. Dem 39-Jährigen erschien die Tour jedoch zu gefährlich: er brach ab, kehrte am Großen Waxenstein um und stieg zum Parkplatz ab.

Als Jacek P. dort aber nicht zur verabredeten Zeit erschien, alarmierte der Kamerad die Rettungsleitstelle. Die Bergwacht Grainau machte sich sofort auf und entdeckte gegen 20 Uhr den leblosen Münchner im Bereich des Kleinen Waxensteins in einer steilen Rinne unterhalb des sogenannten Westbands. In der Neumondnacht konnte Jacek P. aber nicht geborgen werden, das Risiko war zu groß. Wegen des Dauerregens am Montagvormittag konnte der Polizeihubschrauber erst nachmittags starten; die Bergwacht barg dann die Leiche in einer zweistündigen, nicht ungefährlichen Aktion.

Nach Angaben der Polizei dürfte der Wissenschaftler an der „anspruchsvollen alpinen Kletterstelle“ rund 150 Meter in die Tiefe gestürzt sein. Ob es ein Fehltritt war, ob der Münchner ausrutschte oder ob ein Stein ausbrach, kann nicht mehr geklärt werden. Zeugen des Absturzes gibt es nicht.

Seine Kollegen vom Gene Center der Uniklinik, wo Jacek P. seit April 2011 arbeitete, trauern „um einen Menschen mit extrem viel Fachwissen“, der ein sehr erfahrener Bergsteiger gewesen sei. Seine Kletterfreunde vom Alpenverein, die ihn als den „polnischen Mister 1000 Volt!“ bezeichnen, werden nie wieder über seine „unglaublichen Fremdwörter auf deutsch“ lachen können. Sie alle trauern.

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