Blechlawine wälzt sich an die Seeufer der Region

Verkehrschaos durch Münchner Tagestouristen: Anwohner verzweifeln

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Blechlawine im Alpen-Idyll: An der Zufahrt zum Chiemseestrand in Übersee ist an schönen Wochenenden alles dicht.

Immer mehr Menschen ziehen in den Großraum München. Bei schönem Wetter ziehen sie aber schnell wieder hinaus aus der Stadt – zumindest für einen Tagesausflug an den See. Die Anwohner in den Ufer-Ortschaften um die Landeshauptstadt bringt das an den Rand der Verzweiflung.

Übersee/Steinebach – Wer echtes Verkehrschaos erleben will, der muss nach Übersee reisen. Nein, nicht in die taxiverstopften Straßenschluchten New Yorks oder zu den smoggeplagten Highways von Los Angeles. Es reicht eine Fahrt an den Chiemsee, an dessen Ufer, gleich neben der A 8, die 5000-Einwohner-Gemeinde Übersee liegt. Sie wird an schönen Sommer-Wochenenden von den Autos der Tagestouristen heimgesucht, die auf der Suche nach einem Platz am Strand sind.

Die Straßenränder bis zur Autobahn und in den Ort hinein sind dann gesäumt von Falschparkern. Mit Autos, deren Kennzeichen zumeist auf Herkunft aus München oder dem Speckgürtel der Landeshauptstadt deuten. Halteverbote und Strafzettel schrecken kaum jemanden. Bußgelder zwischen zehn und 30 Euro – für Münchner Verhältnisse ist das ein guter Deal.

Am Straßenrand der Zufahrt zum Chiemseestrand in Übersee sammeln sich die Falschparker.

„Das ist ein Riesenproblem“, sagt Anton Stefanutti, der seit 30 Jahren für die Grünen im Überseer Gemeinderat sitzt. So richtig schlimm sei das Park-Chaos in den vergangenen drei Jahren geworden, seit Gaststätten und Hotels am See erlaubt worden sei, massiv auszubauen, die Parkplätze aber kaum mehr geworden sind. Mehrmals seien Krankenwagen durch die zugeparkte Uferstraße kaum zum Einsatzort gekommen.

Aussperren könne man die Tagestouristen nicht, sagt Stefanutti. Zähneknirschend setzt der Grüne auf den Plan, Felder entlang der Autobahn in Parkplätze zu verwandeln und einen Shuttle-Service zum Ufer einzurichten. „Wir müssen diesem Druck irgendwie begegnen“, sagt er. Bürgermeister Marc Nitschke (CSU) widerspricht: Dank Parkeinweisern habe sich die Lage entspannt, außerdem beschränke sich der größte Ansturm auf „nur ein paar Tage pro Saison“.

Debatten wie in Übersee führen auch viele andere Orte, nicht nur am Chiemsee. An der Sommer-Blechlawine leidet an den Osterseen (Kreis Weilheim-Schongau) die Gemeinde Iffeldorf sowie die Gemeinden um den Schliersee und den Tegernsee (Kreis Miesbach). Auch der kleine Kronthaler Weiher bei Erding wird in diesem Jahr nach seiner Umgestaltung von Badelustigen aus der gesamten Region überrannt. Die Folge: zugeparkte Rettungswege und eine Stadtverwaltung, die angesichts des Chaos um Lösungen ringt.

Alles dicht: Der kleine Kronthaler Weiher bei Erding wird seit seiner Umgestaltung von Badelustigen überrannt, die sich auch von Parkverboten nicht abschrecken lassen. Ähnlich ergeht es vielen Seeanrainer-Gemeinden.

Die Städter, die daheim auf dem Trockenen sitzen, streben ans Wasser. Und die Gemeinden haben die Wahl: Die Autoflut ertragen oder Flächen durch Parkplätze versiegeln. Falls dafür Platz ist. Abschleppen ist mit großem Aufwand und Ärger verbunden, weshalb die Gemeinden das zurückhaltend praktizieren.

Besonders angespannt ist die Lage in Steinebach am Wörthsee, das im Landkreis Starnberg, nur eine halbe Autostunde von München entfernt, liegt. Peter Hopmann, 62, betreibt in Steinebach eine Segelschule, einen Bootsverleih und eine Pension; profitiert also eigentlich vom Besucherzustrom. Der sei aber in den vergangenen Jahren viel zu sehr angeschwollen, die Kapazitäten des 5000-Seelen-Ortes seien erschöpft.

Einen Platz an der Sonne müssen sich viele Badetouristen bei der Parkplatzsuche erst erkämpfen.

„Die Qualität unseres Angebots und die Lebensqualität der Anwohner leiden“, sagt Hopmann. Während viele Einheimische wegen verstopfter Straßen mit der S-Bahn aus dem Ort flüchten, stehen die überwiegend mit dem Auto ankommenden Tagesgäste erst im Stau, dann suchen sie verzweifelt nach einem Parkplatz, um schließlich in Hopmanns Bootsverleih verärgert in der Schlange stehen zu müssen. Erholung geht anders.

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