Auf Spurensuche mit Kommissar Berghammer

Ein Museum für den "Bullen von Tölz"

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Otti Fischer sitzt im Bulle von Tölz Museum seinem Alter Ego Benno Berghammer gegenüber - am Original-Schreibtisch des Kommissars.

Bad Tölz - Vor über fünf Jahren lief die letzte Folge des "Bullen von Tölz" mit Otti Fischer als Kommissar Berghammer und Ruth Drexel als dessen resolute Mutter. Jetzt lebt der Kult in Bad Tölz wieder auf.

„Ich bin gerührt“, sagte Otti Fischer gestern Abend bei der Eröffnung des Bullen-Museums. „Das alles hier ist sehr gelungen. Der Heimatfilm ist in der Gegenwart angekommen, und dank dieses Museums beleibt er der Gegenwart auch erhalten.“

Kult: Kommissar Benno Berghammer (Ottfried Fischer) und seine Mama (Ruth Drexel).

Als am 14. Januar 1996 die erste Folge (Das Amigo-Komplott) gesendet wurde, ahnte niemand, dass diese Serie so ein Erfolg werden würde. 13 Jahre, 69 Folgen, 184 Schauspieler. Teilweise, so heißt es, habe man sich fast darum geprügelt, an der Seite von Fischer und Drexel spielen zu dürfen. Von Mathieu Carrière bis Helmut Zierl, von Lisa Fitz über Ilse Neubauer bis zu Barbara Rudnik und Gisela Schneeberger – auch Nebenrollen waren hochkarätig besetzt. Die Einschaltquoten des Bullen hängten die Tagesschau und sogar ein Pokalspiel des FC Bayern ab.

Der Werbeeffekt für die Stadt Bad Tölz und das sie umgebende Alpenvorland ist unbezahlbar. Bis heute kommen Touristen, die etwas über den Bullen wissen wollen, in die Kurstadt. Erste Anlaufstelle wird nun das privat geschaffene Museum sein, in dem Peter Syr, Peter Seidl und Christoph Zach auf 120 Quadratmetern Geschichte und Geschichten zusammengestellt haben.

Ottfried Fischer ließ es sich nicht nehmen, selbst die Fortschritte im Museum zu begutachten.

Museumsgestalter Peter Syr kennt Ottfried Fischer seit vielen Jahren persönlich. Der Schauspieler hat sich inhaltlich und konzeptionell eingebracht. Wer die Räume im Seidl-Haus nahe der historischen Marktstraße betritt, fühlt sich unweigerlich an einen Drehort versetzt: Manuskripte liegen aus, Regiestühle stehen herum, Szenenbilder hängen an den Wänden. Wer möchte, kann in den Drehbüchern blättern und mitverfolgen, wie Otti Fischer manchem Dialog den letzten Schliff gegeben hat.

In einem Multimedia-Bereich laufen auf mehreren Monitoren wechselweise die skurrilsten und prägnantesten Szenen ab. Auf großen Infotafeln werden sämtliche Drehorte in Bad Tölz und Umgebung beschrieben. Einen großen Platz nimmt natürlich die Pension Resi ein. In Wirklichkeit steht das Hollerhaus, das eine Galerie beherbergt, in Irschenhausen, gut 30 Kilometer von Bad Tölz entfernt. Die Ausstellungsmacher planen im kommenden Jahr eine Kooperation, damit die Filmfans überall auf den Spuren des Bullen wandeln können.

Die echte Polizeistation werden sie aber nur in Tölz erleben: Hier kann sich jeder – und das ist der Clou im neuen Museum – von Benno Berghammer verhören (und fotografieren) lassen. Und natürlich haben die Macher mit Hilfe des Archivs des Tölzer Kuriers auch viele Anekdoten zusammengetragen: Als sich beispielsweise die Bürger eines kleinen Dörfchens im Isarwinkel wehrten, weil sie ihrer Meinung nach zu hinterwäldlerisch dargestellt wurden. Und natürlich hängt im Museum auch der legendäre Brief eines Urlauberpaares, das aus Sorge vor der steigenden Kriminalität in Bad Tölz dorthin nicht mehr in Urlaub fahren wollte.

Es wurde auch ein Platzerl für den echten Bullen reserviert: Karl Drexl war jahrzehntelang der Schandi in Tölz, respektiert und angesehen. Mit Ottfried Fischer ist er gut befreundet.

Informationen zu dem Museum

Das Bulle von Tölz-Museum liegt am Kapellengasteig 3 (nahe der historischen Marktstraße). Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertage von 11 bis 18 Uhr. Eintritt: 7,50 Euro Erwachsene, 6 Euro ermäßigt, Kinder bis 15 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen frei.

Christiane Mühlbauer

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