Mutter droht Tochter (12): "Ich bring dich um"

Geretsried - Eine cholerische Geretsriederin (47) steht vor Gericht, weil sie ihre 12 Jahre alte Tochter auf den Boden geworfen und gedroht haben soll: "Jetzt bring ich dich um."

"Wer sie kennt, weiß, dass sie ein bisschen cholerisch ist", erklärte der Nachbar der Angeklagten vor Gericht. "Sie ist ein lauter Mensch. Wenn irgendwas nicht so läuft, wie sie will, ist sie gleich oben".

Auch am späten Abend des 1. Oktober vergangenen Jahres war die 47-jährige Geretsriederin ausgerastet. Nach einer zunächst nur verbalen Auseinandersetzung soll sie ihre damals 12-jährige Tochter an den Haaren gezogen, auf den Boden geworfen, gewürgt und schließlich gedroht haben: "Jetzt bring ich dich um". Erst als der von den "gellenden Schreien" des Opfers alarmierte Nachbar an der Haustür klingelte, ließ die Mutter von dem Mädchen ab.

In ihrer Aussage vor dem Richter räumte die Angeklagte ein, ihre Tochter an den Schultern gepackt und geschüttelt zu haben. Auch gab sie zu, ihr kurz den Mund zugehalten zu haben, als sie "laut kreischte". Das Würgen wies sie aber ebenso von sich, wie den Vorwurf, ihrem Kind mit Umbringen gedroht zu haben. Als Grund für ihr Verhalten führte die zum Tatzeitpunkt erheblich alkoholisierte Alleinerziehende an, sich in einer "Ausnahmesituation" befunden zu haben.

Die schwierigen Verhältnisse zu Hause wurden vom Sohn der Täterin bestätigt. Angefangen habe es, als die Mutter im vergangenen Jahr erneut geheiratet habe. "Sie wirkte ausgebrannt und ist immer häufiger aggressiv geworden", erklärte der 17-jährige, der vergangenes Jahr Zuflucht im Inselhaus suchte, "als es für mich nicht mehr aushaltbar war". Mittlerweile lebt er auf eigenen Wunsch in einem Internat.

Als die Tochter in den Sommerferien von einem zweiwöchigen Urlaub mit den Großeltern zurückkehrte, sei die Situation immer schwieriger geworden. "Sie aß nichts mehr, was ich gekocht hatte, räumte ihr Zimmer nicht mehr auf und saß auf einer gepackten Tasche", erklärte die Mutter, die glaubt, die Großeltern wollten ihr die Tochter wegnehmen. "Sie war instruiert, die Situation eskalieren zu lassen."

Die Gymnasiastin, die derzeit in einem Kinderheim untergebracht ist, schilderte unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch einmal die schreckliche Tat und die Todesangst, die sie dabei ausgestanden hatte. Dass die Mutter ihr nicht ersparte, vor Gericht erneut alles durchleben zu müssen wirkte sich auf das Strafmaß ebenso negativ aus, wie die Tatsache, dass sie "selbst in der Hauptverhandlung nicht das geringste Wort des Bedauerns und Entschuldigens für ihre Tochter aufbrachte", wie Richter Helmut Berger formulierte.

"Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn der Nachbar nicht den Mut gehabt hätte, einzugreifen", so Berger, der die Angeklagte wegen Misshandlung Schutzbefohlener in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

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