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Mysteriös: Der Wolf ist verschwunden!

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Mitte November 2010 tapste der Wolf in eine Fotofalle bei Thiersee (Tirol). Es ist das einzige Bild des Streuners © Herbert Gartner

Thiersee - Der zwischen Rotwand und Wendelstein streunende Wolf ist verschwunden - offensichtlich schon seit Monaten. Nun gibt es verschiedene Theorien.

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Was haben sie nicht für Pläne gehabt zwecks dem zwischen Rotwand und Wendelstein streunenden Wolf: Schutzhunde und -Hirten für die Schafe, mobile E-Zäune, die der gefährliche Streuner nicht überwinden kann. So sollte die hiesige Almwirtschaft vorm großen Beutegreifer, dem ersten seit über 150 Jahren, geschützt werden. Doch derzeit sieht es eher danach aus, als ob dieser Plan für die Katz ausgeheckt wurde – der Wolf ist weg! Und das offensichtlich schon seit Monaten.

„Es dürfte Ende Januar gewesen sein, als wir am Schwimmbad eine tote Gams gefunden haben“, erinnert sich Helmut Limbrunner, der Bürgermeister von Bayrischzell. Der letzte eindeutige Nachweis ist sogar noch länger her: Er stammt vom 5. Januar. Damals wurde ein totes Rotwildkalb am Wendelstein entdeckt. Im Frühjahr gab es zwei weitere Überbleibsel von möglichen Angriffen – ein Rotwildkalb und eine Gams. Doch wann diese Tiere zu Tode kamen, ist bis heute unklar. Sie könnten auch bei Schneefall gerissen worden sein, und erst durch die Schmelze kamen die Kadaver an den Tag.

Wo ist also der Wolf? Klar, dass seit dem tragischen Fall von Braunbär Bruno hier erst mal in die brutale Richtung gedacht wird – an den Stammtischen im Oberland wird angeblich ja schon seit Langem davon gemunkelt, dass „s’den verrammt ham!“ Dabei fällt auch das Wort „Bleivergiftung“.

Doch was da leicht dahergeredet wird, würde sich kaum einer mit gültigem Jagdschein wirklich trauen: Der Wolf ist durch diverse Artenschutzabkommen strengstens vor einem finalen Schuss gefeit. Die Strafen wären immens: Bei Vorsatz drohen bis zu fünf Jahren Gefängnis, zudem winkt eine Geldbuße in den Zehntausenden und: Die Jagdlizenz dürfte weg sein. Ist es dieses Risiko wert?

Fakt ist allerdings, „dass der Wolf bei uns eigentlich schon lange kein Thema mehr ist“, wie Bürgermeister Limbrunner berichtet. Der stand im Winter noch in der Kritik, weil er nach einigen tot aufgefunden Tieren im Ortsgebiet meinte: „Der Wolf hat bei uns keinen Platz.“

Zeitgleich wollte der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern, dass die bayerischen Alpen als „No-Go-Area“ für Wölfe ausgewiesen werden. Man forderte eine „Entnahme“ des im Mangfallgebirge ansässigen Tiers. Der Disput zwischen Naturschützerin und Almbauern gipfelte im November im BR-Bürgerforum aus Bayrischzell – wo Wildererstimmung aufkam und viele an eine Eskalation dachten. Doch von dieser Atmosphäre ist nichts geblieben: Heute grasen die Schafe unbekümmert und unbewacht auf der von der Sonne verwöhnten Alm …

Auch in seinem Rückzugsgebiet im grenznahen Tirol gibt es seit langer Zeit keine Spur mehr vom Wolf. Der Tiroler Tierschutzombudsmann Martin Janovsky sagte nach den Abschussgerüchten: „Erst wenn das Tier ein bis zwei Jahre nicht mehr aufgetaucht ist, kann man davon sprechen, dass es verschwunden ist.“ Bürgermeister Limbrunner hat indes eine weitaus romantischere Theorie für das Verschwinden: „Ich denke, er sucht sich irgendwo ein Weibchen – Frühlingsgefühle.“

MC

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