Dank eines Schnitzels ist er gefasst!

Der mysteriöse Hüttenschreck vom Fichtelgebirge

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In den Räumen, die an ein Freibad angrenzen, wurde der Mann beim Auftauen eine Schnitzels gefilmt. Weil er es mit Messer und Gabel aß, gab es DNA-Spuren.

Selb - Man nannte ihn „das Phantom vom Kornberg“ oder auch „Waldläufer“. Aus und vorbei: Nach einer beispiellosen Einbruchserie sitzt der Hüttenschreck aus dem Fichtelgebirge jetzt hinter Schloss und Riegel.

Seit April hatte er oberfränkischen Hüttenbesitzern das Fürchten gelehrt …

Dank DNA-Spuren wusste die Polizei genau, wen sie sucht: Der 61-jährige Tscheche war 2010 bereits in Österreich festgenommen worden, nachdem er dort 70 Mal in Häuser eingebrochen war. Doch nach seiner Haftentlassung machte er sich buchstäblich unsichtbar – und ließ nur das Fahndungsfoto eines vollbärtigen Mannes zurück. Nach einem Intermezzo im Bayerischen Wald verschlug es ihn im April 2014 in die Gegend zwischen Selb und Rehau. Hier legte er richtig los.

An die 100 Mal brach er verlassene Waldhütten auf und allein fünfmal suchte er das Freibad von Großwendern heim. Dort filmte ihn eine Überwachungskamera, wie er sich ein Tiefkühlschnitzel in der Mikrowelle auftaute! Dabei hinterließ er auch sonst einwandfreie Spuren: Denn das Schnitzel vertilgte er ganz manierlich mit Messer und Gabel, sodass die Spurensicherer ihm diesen Einbruch dank DNA zweifelsfrei nachweisen konnten.

Doch was nutzten den Ermittlern die Beweise – wo der Waldläufer doch immer wieder im Dickicht verschwand. „Der Mann lebt im Wald und mit dem Wald“, sagte Kommissar Robert Roth. „Er verhält sich sehr clever, ist scheu wie ein Reh. Wir gehen davon aus, dass er jeglichen Kontakt mit Menschen vermeiden will.“

Evelin Spannruft von der Kornberghüttn war eines der Opfer: „Er hatte es auf Salami, Schinken, Toast abgesehen. Und einen Salzstreuer, den hat er unbedingt gebraucht.“ Der Wert der Beute war wie immer niedriger als der Sachschaden an aufgebrochenen Türen und Schränken. An die 10 000 Euro dürften zusammengekommen sein. Einige Hüttenbesitzer hängten daher flehentliche Bitten an ihre Türen, das Phantom möge sie verschonen – und legten lieber hinter der Hütte Bier und Proviant ab, damit sonst kein Schaden entsteht.

Manchmal frischte der Dieb auch seine Garderobe auf. Im Schützenhaus von Marktleuthen ließ er etwa seine Fischerstiefel zurück, nachdem er bequemere Schuhe entdeckt hatte. Damit entkam er den eigens eingesetzten Fahrradstreifen der Polizei. Bis Freitag – da wurde er in seinem Versteck aufgestöbert. Kost und Logis gehen somit bis auf Weiteres an die Staatskasse.

tz

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