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Mysteriöser Bergunfall: Vermisste Münchnerin (15) schwer verletzt gefunden

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Wer hat dieses Mädchen im Bereich des Schildensteins gesehen? © Polizei

Kreuth - Ein mysteriöser Bergunfall beschäftigt die Polizei in Bad Wiessee: Wanderer haben ein schwer verletztes Mädchen (15) unterhalb des Schildensteingipfels gefunden. Das Mädchen war bereits als vermisst gemeldet worden.

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Zwei Tage nach dem Unfall ist Melanie außer Lebensgefahr.

Mama, ich geh doch nicht ins Kino, geh wandern“ – diese Worte kritzelt Melanie S. (15) am Dienstagmorgen auf einen Zettel. Dann schnürt sie die Wanderstiefel, zieht ihre Sommerjacke über und schnallt sich den blau-roten Rucksack auf den Rücken. Alleine verlässt sie die Wohnung ihrer Eltern in München. Wenige Stunden später melden diese ihre 15 Jahre alte Tochter vermisst.

Melanie und Wandern, das passt nicht zusammen. Da ist was faul, vermuten die besorgten Münchner. Am Donnerstag Mittag wurde die Schülerin von Wanderern im Mangfallgebirge bei Kreuth gefunden, schwer verletzt. Was in der Zwischenzeit passiert ist – die Polizei steht vor einem Rätsel. Bis Dienstagnachmittag ist Melanies Spur nachvollziehbar. In ihrem Rucksack finden die Beamten eine Zugfahrkarte für die Bayerische Oberlandbahn: In München steigt die Schülerin in die Bahn, um 13.38 Uhr kommt sie mit dem Bus in Kreuth an. In der Gegend war sie mit ihrem Vater vor ein paar Jahren mal für einen Tag. Doch was passiert dann?

Wolfgang Strobl, Polizeihauptkommissar in Bad Wiessee, vermutet, dass die 15-Jährige einen der beiden möglichen Wanderwege wählt – den Klettersteig zur Wolfsschlucht oder den Weg von der Gaißalm zur Königsalm. Am Dienstag herrschen rund um den Tegernsee beste Wanderbedingungen, viele Bergfreunde sind unterwegs. Die Nacht verbringt die Schülerin vermutlich am Berg, vielleicht findet sie Unterschlupf in einer Hütte. Die Temperaturen fallen auf etwa elf Grad. In München läuft währenddessen die Suche nach ihr auf Hochtouren, sogar ein Hubschrauber wird eingesetzt. Eine Handy-Ortung scheitert, das Telefon ist ausgeschaltet.

Am nächsten Tag um die Mittagszeit steigen zwei Wanderer aus München auf den Schildenstein. Etwa 150 Meter unterhalb des Gipfels fällt ihnen ein Mädchen auf. Es sitzt am Wegesrand, ist blutverschmiert und hat deutliche Schürfwunden, die weiße Hose ist zerrissen. Das Mädchen ist Melanie S. Die älteren Männer eilen ihr zur Hilfe, sprechen sie an. Die 15-Jährige wirkt verwirrt, winkt ab: „Ich bin nur müde, lassen Sie mich in Ruhe.“ Die Ersthelfer lassen sich aber nicht beirren. Sie fragen Melanie nach ihrem Rucksack. Der liegt am 1614 Meter hohen Gipfel. Dann helfen die beiden Melanie auf und stützen sie. Schritt für Schritt steigen sie ab. Melanie geht es von Minute zu Minute schlechter. Sie klagt über starke Schmerzen, wirkt immer verwirrter.

Zum Glück trifft die Gruppe am Schildensteig-Sattel auf einen weiteren Wanderer. Der hat im Gegensatz zu den Ersthelfern ein Handy dabei, setzt einen Notruf ab. Als der österreichische Rettungshubschrauber Heli 3 gegen 14 Uhr eintrifft, ist Melanie S. nicht mehr ansprechbar. Der Notarzt diagnostiziert: Verdacht auf Schädelhirntrauma, Beckenfraktur und starke Prellungen. Er versetzt sie sofort in ein künstliches Koma. Die Rettungskräfte fliegen die 15-Jährige in die Unfallklinik Murnau, ihr Zustand ist zunächst kritisch. Am frühen Abend ist Melanie außer Lebensgefahr, aussagen kann sie noch nicht.

„Ganz komisch ist das ganze“, sagt Strobl von der Polizei. Auch die Eltern haben keine Erklärung für das Verhalten ihrer Tochter. Die 15-Jährige war eine Musterschülerin – nur eine Prüfung habe sie „versemmelt“, sagt Strobl. Vielleicht brannten Melanies Sicherungen wegen einer schlechten Note durch? Auch fragt sich die Polizei: Wo genau ist das Mädchen gestürzt? Die Inspektion Bad Wiessee bittet unter Tel. 08022 / 98 780 um Hinweise.

Carina Lechner

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