Kripo sieht Opfer als Anstifter

Mysteriöser Brand: Beschuldigte unter Schock

Bad Wörishofen - Drei Rocker haben offenbar die Praxis einer Heilerin angezündet, zwei der Männer wurden selbst verletzt. Doch was steckt hinter dem mysteriösen Anschlag? Wer will die Frau schädigen?

Dieser Kriminalfall lässt sich nicht besser erfinden. Drei Rocker aus dem Ruhrgebiet, alles Mitglieder Black Jackets, zünden Ende Mai in Bad Wörishofen (Kreis Unterallgäu) die Praxis einer Heilerin an. Die angemieteten Räume gehen in Flammen auf, doch auch zwei der Brandstifter brennen. Irgendetwas war schief gelaufen, eine Verpuffung, ein Feuerblitz. Der dritte Mann fährt die Verletzten zu einer Tankstelle und legt sie dort ab, mit der Forderung: „Den Rettungsdienst.“ Doch was steckt hinter dem mysteriösen Anschlag? Wer will die Frau schädigen? „Ich bekommen schon länger Drohungen mit der Post“, sagte Waltraud B. (51) im Juli zur tz. Doch nun wird das Ganze noch rätselhafter: Sie, ihr Ehemann Alwin (64) und der 20-jährige Sohn stehen plötzlich selbst im Visier der Staatsanwaltschaft, als Auftraggeber der Brandstiftung. Neue Erkenntnisse der polizeilichen Ermittlungsgruppe Lichtblitz haben zu diesem Vorwurf geführt. Im Fall einer möglichen Verurteilung drohen mindestens fünf Jahre Haft.

Die tz erreichte am Donnerstag den Ehemann der Heilerin. Er stehe wie seine Angehörigen unter Schock wegen des überraschenden Vorwurfs, doch ist auch empört. „Wir können uns das nicht erklären, aber uns wird auch nichts über die Hintergründe gesagt. Wir sind einfach platt.“

Der Ehemann sieht den Ruf seiner Familie völlig ruiniert, seiner Frau gehe es sehr schlecht. Seit dem Anschlag habe sie viel an Gewicht verloren. „Und jetzt kommt diese Anschuldigung dazu!“ Alwin B. berichtet, dass vor dem Brandanschlag die Heilerpraxis gut ausgelastet gewesen sei, und der Terminplan voll. 150 000 Euro an Einnahmen hätten sie so bislang verloren, die Schäden an der Praxis, in die die Familie rund 120 000 Euro investiert hatte, werden auf 200 000 Euro geschätzt. Unklar ist, ob das alles von der Versicherung erstattet wird. Alwin B.: „Uns war es vor der Brandstiftung noch nie so gut gegangen, nun haben wir alles verloren. Weshalb hätten wir das in Auftrag geben sollen?“ Er will, dass die Kripo Beweise präsentiert, ein Anwalt soll sich darum kümmern.

Den Brandstiftern (22 und 36), die sich schwere Verletzungen zugezogen hatten, und dem Fahrer (38) wurden Haftbefehle eröffnet. Zwei sitzen in U-Haft, einer wird noch in einer Klinik behandelt.

Über die Hintergründe, die zum Vorwurf gegen die Familie führten, schweigen die Ermittler. Alwin B, der sich mit seiner Familie zum Zeitpunkt des Anschlags in Rheinland-Pfalz aufgehalten habe, sagt: „Ich weiß nicht einmal, wie man mit Menschen in Kontakt käme, die so etwas machen.

mc

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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