Mysteriöser Briefeschreiber entlarvt!

Lydia Schürmann (l.) starb 1962, Heiderose Berchner 1970.

Er hat sie alle an der Nase herumgeführt: Ein Jahr lang jagten 30 Kriminalbeamte quer durch die Republik den scheinbar ältesten Serienkiller Deutschlands.

Das erste Schreiben des angeblichen Mädchen- und Frauenmörders: "... Ich habe einen Menschen getötet...", gesteht er in krakeliger Handschrift.

In wirren Bekennerbriefen an Polizei und Bundeskriminalamt hatte das Phantom die Morde an der Schülerin Lydia Schürmann (13), 1962 nahe Gütersloh, und an der Hure Heiderose Berchner (29), 1970 in Nürnberg, gestanden. Doch nun steht fest: Der Verfasser hat mit den Taten nichts zu tun, er sehnte sich lediglich nach Aufmerksamkeit.

Anfang der Woche wurde Markus M. (34, Name geändert) in einer psychiatrischen Klinik am Chiemsee als derjenige Briefeschreiber enttarnt, der seit 2005 Polizeidienststellen im ganzen Land genarrt hatte. In die Anstalt hatte sich M. selbst eingewiesen, nachdem die Polizei in der saarländischen Hochwald-Region einen Massengentest unter 5000 Senioren gestartet hatte. Als er eine Postkarte vom Chiemsee an seine in Weiskirchen lebenden Eltern schrieb, erkannte der Postbote die Handschrift des angeblich ältesten Seriernkillers. In seiner Vernehmung gestand Markus M.

Lesen Sie auch:

Führt DJ Ötzi zum Mädchen-Mörder?

Dieser vermeintliche Ermittlungserfolg dürfte zu betretenen Mienen bei den Fahndern gesorgt haben. Denn nach Analyse der insgesamt fünf Briefe hatten die Ermittler keinen Zweifel daran, dass der Verfasser Wissen hatte, das nur der Täter haben konnte! Sie vermuteten, dass er älter als 65 Jahre, schwer krank und äußerst kaltblütig ist. Und seit Juli 2007 meinten sie auch zu wissen, wo sie nach ihm suchen müssen: In der Gemeinde Weiskirchen war ein Drohbrief gegen DJ Ötzi eingegangen: „Wenn der auf die Bühne geht, wird er abgeknallt.“ Am Umschlag fanden sich dieselben DNA-Spuren wie an den anderen Bekennerbriefen.Chef-Ermittler Knut Packmohr gab sich im September optimistisch: „Wir vermuten den Täter in einem der Altenheime oder Sanatorien in der Hochwald-Region. Wir kriegen ihn – und dann stellen wir ihm die Kosten für den Massengentest in Rechnung.“ Doch nach der Entdeckung von Markus M. bleibt der Sonderkommission Brief nur betretenes Schweigen. Schon wegen seines Alters kommt er nämlich für die beiden Morde nicht in Frage – und auch nicht für die anderen 13 Morde, zu denen er sich in seinen Briefen bekannt hatte. Ärzte attestierten dem Mann ein extremes Geltungsbedürfnis. Die Berichterstattung über seine Briefe stachelte ihn zu immer neuen Wortmeldungen an. So beschwerte er sich erst jüngst darüber, dass er als „Deutschlands ältester Serienkiller“ bezeichnet worden war.

Der Drohbrief gegen Sänger DJ Ötzi.

Die Durchsuchung seiner Wohnung brachte Klarheit, woher er sein Wissen bezog: Im Keller fanden die Beamten Zeitungsausschnitte aus den 60-er und 70-er Jahren sowie ein riesiges Archiv – DVDs und Videos – mit aufgezeichneten Aktenzeichen-XY-Sendungen. Zuletzt war auch Markus M. selbst ins Visier der Fernseh-Fahnder geraten!

Nach der überraschenden Wende in dem Fall wurde sofort eine mit riesigem Aufwand gestartete DNA-Untersuchung abgeblasen. Während die Bürger von Weiskirchen aufatmen – sogar der Pastor wurde bestürmt, das Beichtgeheimnis zu brechen – bekommt Markus M. vielleicht noch Ärger: Gegen ihn wird u.a. wegen Bedrohung von DJ Ötzi ermittelt.Wer aber hat Heiderose Berchner und Lydia Schürmann wirklich umgebracht? Die Spur zu deren Mördern ist vorerst erkaltet.

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Jäger machen grausigen Fund im Wald
Jäger machen grausigen Fund im Wald
Überlebenskampf an Bahnstrecke: Frau kriecht drei Stunden am Gleis entlang
Überlebenskampf an Bahnstrecke: Frau kriecht drei Stunden am Gleis entlang
Unbekleidete Frau treibt in Donau - Rettung nimmt skurrile Wendung
Unbekleidete Frau treibt in Donau - Rettung nimmt skurrile Wendung
Bahnverkehr zwischen München und Augsburg normalisiert sich
Bahnverkehr zwischen München und Augsburg normalisiert sich

Kommentare