2001 wurde er im Chiemsee entdeckt

Amerikaner ersteigert mysteriösen Nazi-Goldkessel

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Wertvoller Nazi-Goldkessel: Ein Sammler zahlte dafür fast eine Million Franken.

München - Schatzsucher fischten den Nazi-Goldkessel 2001 aus dem Chiemsee. Jahre später wurde er nun in der Schweiz versteigert. Auch ein deutsches Museum hatte mitgeboten, doch ein Sammler aus den USA riss sich den mysteriösen Kessel unter den Nagel.

Das mannshohe Schließfach im gepanzerten Tresorraum der Zürcher Kantonalbank an der Bahnhofstraße 9 ist leer. Anfang Juli 2014 wurde der sogenannte Chiemsee-Kessel dort abgeholt und ins Ausland transportiert. Käufer und Preis dürfe er nicht nennen, so der zuständige Leiter des Konkursamts in Rapperswil, Heiner Scheuble, auf Anfrage etlicher Medien.

Die Zurückhaltung hat ihren Grund: Verhökert wurde der über zehn Kilo schwere Goldtopf nämlich für sagenhafte 965.000 Schweizer Franken (rund 795.000 Euro)! Diese Summe erfuhr das Schweizer Mysteries-Magazin (www.mysteries-magazin.com) aus gesicherter Quelle.

Auch ein deutsches Museum hätte den Chiemsee-Kessel gern ersteigert

Erworben hat das umstrittene Nazi-Relikt offenbar ein betuchter Zeitgenosse aus den USA, wie ein anfänglicher Mitbieter bestätigt. Weil der Käufer als Privatperson fast das Dreifache des Materialwertes bot, stach er dabei neben weiteren Interessenten auch ein namhaftes deutsches Museum aus, das sich ebenfalls interessiert gezeigt hatte. Die vom verurteilten Schweizer Millionenbetrüger und zwischenzeitlichen Kesselbesitzer Marcel Wunderlin geschädigten Gläubiger können sich damit über ihr Geld plus einer Dividende von satten vier Prozent freuen.

Das innen und außen mit mysteriösen Darstellungen verzierte Prunkstück – vermutlich vom 1932 verstorbenen Münchner Goldschmied Otto Gahr gefertigt – soll für Heinrich Himmlers SS-Stützpunkt in der Wewelsburg (Nordrhein-Westfalen) bestimmt gewesen sein – als neuzeitlicher Gral.

Nazi-Kessel ist gar nicht aus reinem Gold

Entgegen bisheriger Angaben besteht der Kessel nicht aus hundertprozentigem Gold. Ein Schweizer Edelmetallexperte, der anonym bleiben will, sagt: „Gemäß unseren Analysen enthält der aus verschiedenen Teilen zusammengelötete Kessel einen Silberanteil von 18 bis 19 Prozent.“

Bereits 2006 kam die renommierte Schweizerische Materialprüfungsanstalt EMPA zum Schluss, dass „Hitlers Nachttopf“ (wie ihn der Spiegel einst nannte) definitiv nicht aus keltischer Zeit stammen kann, sondern ein „Produkt der Neuzeit“ sei.

2001 fischten Münchner Schatzsucher den Kessel aus dem Chiemsee

Offiziell entdeckt hatten den 28,5 Zentimeter hohen Pott mit über 50 Zentimetern Durchmesser im Jahr 2001 die Münchner Schatzsucher Jens Essig und Stefan Lohmann beim Tauchen im Chiemsee am Isinger Ufer. Zwei Jahre später wurde der Goldkessel vom bayerischen Finanzministerium heimlich für 160.000 Euro verhökert und 2006 von der Schweizer Justiz im Rahmen eines Betrugsverfahrens beschlagnahmt.

Als einziges Journalisten-Team durfte Mysteries das umstrittene Goldobjekt im September 2013 fotografieren. Selbst eine Einschmelzung des Topfes war damals kein Tabu mehr. Erst nach entsprechenden Pressemeldungen überboten sich potenzielle Interessenten aus aller Welt förmlich mit lukrativen Geboten.

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