Sie hatte hohes Fieber

Nach Afrika-Besuch: Ebola-Verdacht bei Schongauerin

Weilheim-Schongau – Sie kam zurück aus Westafrika, sie litt an hohem Fieber – und hatte Angst, am tödlichen Ebola-Virus erkrankt zu sein, das dort schon tausende Tote gefordert hat. Schreckliche Stunden musste sie auf die Diagnose warten.

Schreckliche Stunden musste eine Frau aus dem Schongauer Land vor rund eineinhalb Wochen durchmachen, ehe die Gefahr gebannt und eine Ebola-Infizierung ausgeschlossen war.

„Die Frau hat absolut richtig reagiert“, sagt Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamts Weilheim-Schongau. Denn sie war so klug, nicht selbst in die Praxis ihres Hausarztes zu gehen und dort Panik auszulösen, sondern anzurufen. Nach den Schilderungen – hohes Fieber und Besuch in Westafrika – alarmierte der Arzt umgehend die Polizei, die wiederum die Unfallklinik in Murnau anfragte. Doch dort winkte man ab – für Ebola-Patienten ist man nicht ausgestattet. „Deshalb wurde die Rettungsleitstelle alarmiert, Mitarbeiter in Schutzanzügen haben die Frau nach München gefahren“, sagt Breu. Im Krankenhaus Schwabing gibt es nämlich die einzige Sonderisolierungsstation in Bayern, dort können Ebola-Patienten behandelt werden. Schon auf dem Weg nach München konnten die Fachleute eine Ebola-Infektion bei der Frau, der es wirklich schlecht ging, ausschließen. „Man hat sie im Krankenhaus schließlich noch auf Meningokokken untersucht, aber auch das war zum Glück negativ“, sagt Breu. Letztlich handelte es sich um einen normalen bakteriellen Infekt.

"Grippe bei uns (in Sachen Sterblichkeit) eine größere Gefahr als Ebola"

Auch wenn dieser Fall einen Sonderstatus hat, ist er kein Einzelfall. Mittlerweile fragen so viele Bürger aus dem Landkreis bei Breu zum Thema Ebola nach, dass er am Dienstag eine Pressemitteilung herausgegeben hat und über die Krankheit, die Übertragungswege und die Gefahr einer Einschleppung nach Deutschland informiert. „Ich habe lange überlegt, aber die Leute sind trotz guter Kenntnisse nicht zu hundert Prozent informiert“, sagt er. „Es sind unter anderem Bürger, die nach Nordafrika in den Urlaub fliegen und sich deshalb Sorgen machen.“

Auch die Politik hat reagiert und mittlerweile Vorkehrungen getroffen. So gibt es seit einigen Tagen eine ständige Rufbereitschaft an den Gesundheitsämtern, um Fachkräfte wie Polizei und Rettungsdienst rund um die Uhr mit Informationen versorgen zu können. Breu selbst ist seit vergangenen Freitag jeden Tag ab 16 Uhr für das komplette Gebiet Oberbayern-Süd zuständig, wie er sagt. Derzeit werden die Rettungsleit- und Polizeidienststellen informiert, wie sie sich bei einem Verdachtsfall verhalten müssen. Außerdem haben alle Ärzte vom Robert-Koch-Institut quasi einen Fragebogen an die Hand bekommen, um möglichst selbstständig eine Ebola-Infektionen ausschließen zu können. „Wir nehmen das sehr ernst, aber die Gefahr einer Erkrankung bei uns ist gering“, sagt Breu. „Selbst bei der Sterblichkeit ist die Grippe bei uns eine größere Gefahr als Ebola.“

Weitere Infos zum Thema Ebola gibt es hier: www.aekv-weilheim-schongau.de

bo

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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