15-jähriger Schütze vor Gericht

Amoklauf: Schüler schoss über 70 Mal

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Unter anderem wird dem 15-Jährigen zwölffacher versuchter Totschlag vorgeworfen.

Memmingen - Auf den Tag genau acht Monate nach den Ereignissen muss sich der 15-jährige Schütze von Memmingen ab Dienstag vor Gericht verantworten.

Der Vorfall hielt die Menschen in Memmingen einen Tag lang in Atem: Am 22. Mai 2012 gab ein Achtklässler in der Lindenschule einen Schuss ab und löste einen Amokalarm aus. Später schoss er mit den scharfen Waffen seines Vaters auf einem Sportplatz mehrmals um sich. Auf den Tag genau acht Monate nach den Ereignissen muss sich der 15-Jährige ab Dienstag vor dem Landgericht Memmingen verantworten.

Dem Bub werden unter anderem zwölffacher versuchter Totschlag, unerlaubter Waffenbesitz und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Zwar wurde durch seine Taten niemand verletzt. Als Polizisten ihn am Sportplatz festnehmen wollten, soll er aber gezielte Schüsse in ihre Richtung abgegeben haben. Mehr als 70 Patronenhülsen waren sichergestellt worden. Mehrere Polizeiautos wurden von Kugeln getroffen.

Die entscheidende Frage ist: Wie gezielt schoss der Schüler auf die Beamten? „Der versuchte Totschlag ist der schwerste Vorwurf“, so Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner. Neben einem ballistischen Gutachten sollen Zeugenaussagen darüber Aufschluss geben.

Der Amoklauf: Kurz nach Mittag betrat der damals 14-Jährige mit scharfen Waffen die Mensa der Mittelschule, bedrohte mehrere Menschen und gab einen Schuss ab. Die etwa 280 Schüler verschanzten sich mit den Lehrern in ihren Klassenzimmern. Ein Spezialeinsatzkommando durchsuchte die Schule mehrmals. Doch der Schütze war da bereits geflüchtet. Ein Großaufgebot von Polizisten mit Hunden und Hubschraubern entdeckte ihn auf einem Sportplatz. Trotz der ausweglosen Lage gab der Bub nicht auf. Er verschanzte sich in einer Hütte und hielt die Polizei mit Schüssen auf Dis­tanz. Erst nach mehrstündigen Verhandlungen konnten ihn Spezialkräfte zur Aufgabe bewegen.

Der Schüler wurde zunächst in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Seit Herbst befindet er sich in U-Haft. Ein Gutachter hat ihn für voll schuldfähig erklärt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Jugendstrafe. Angeblich soll er aus Liebeskummer durchgedreht sein – seine Freundin hatte mit ihm Schluss gemacht. Und die scharfen Waffen? Die hatte der Jugendliche aus dem Sicherheitsschrank (in dem 37 Schusswaffen lagerten) seines Vaters geklaut – per Schlüssel, den er zuvor mitgehen ließ.

tz

Amok-Schütze: Waffen im Haus der Familie sichergestellt

Zahlreiche Waffen wurden im Haus der Familie des Memminger Amok-Schützen sichergestellt. © dapd
Zahlreiche Waffen wurden im Haus der Familie des Memminger Amok-Schützen sichergestellt. © dapd
Zahlreiche Waffen wurden im Haus der Familie des Memminger Amok-Schützen sichergestellt. © dapd
Zahlreiche Waffen wurden im Haus der Familie des Memminger Amok-Schützen sichergestellt. © dapd
Zahlreiche Waffen wurden im Haus der Familie des Memminger Amok-Schützen sichergestellt. © dapd
Zahlreiche Waffen wurden im Haus der Familie des Memminger Amok-Schützen sichergestellt. © dapd

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