"Josephine war unser Sonnenschein"

Nach Amokfahrt spricht jetzt der Vater des Opfers

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Ungebremst raste der Amokfahrer in Regensburg auf die Treppe zu, auf der Josephine (5) und Leonie (3) saßen.

Regensburg - Seitdem ein Amokfahrer in Regensburg die kleine Josephine (5) totgefahren hat, ist für ihren Vater Michael B. nichts mehr, wie es war.

Das Lachen, es fehlt. Die Umarmungen, die Küsse, das Kinderstrahlen. Seitdem ein Amokfahrer in Regensburg die kleine Josephine (5) totgefahren hat, ist für ihren Vater Michael B. nichts mehr wie es war. Unendlich vermisst er seine fünfjährige Tochter. Gleichzeitig muss er funktionieren. Für Leonie (3) – die Schwester von Josephine hat das Unglück überlebt, liegt noch immer auf der Intensivstation. „Ich weiß, was noch vor mir liegt“, sagt der junge Familienvater gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung.

Der immense Verlust, die Trauer und die vielen Verpflichtungen: Michael B. hat es den Boden unter den Füßen weggezogen. „Josephine war unser Sonnenschein“, sagt der Burglengenfelder. Beide Kinder leben bei ihm. Am verhängsnisvollen Tag vor gut einer Woche besuchen sie ihre Mutter Andrea B, als ein psychisch kranker Mann plötzlich wie von Sinnen durch die Innenstadt rast. Zur der Zeit sitzen Josephine, Leonie und ihr Stiefpapa auf einer Treppe. Plötzlich biegt der Amokfahrer um die Ecke, rast direkt auf die Treppe zu. Alles geht viel zu schnell. Binnen Sekunden sind die Kinder unter dem Auto begraben. Leonie überlebt schwer verletzt. Für Josephine kommt jede Hilfe zu spät. Vater Michael B. erfährt in der Arbeit von dem Unglück, eilt sofort zur Unfallstelle. Sein Mädchen kann er noch mal in den Arm nehmen. „Das Unglück, das war Schicksal, so etwas ist vorbestimmt“, glaubt der Vater.

Die Mutter, die alles mitansehen musste, ist noch immer schwer traumatisiert. Die Familie ringt jetzt gemeinsam um einen würdvollen Abschied von Josephine. Allerdings haben die Eltern kaum Geld. Ein Spendenaufruf der Mittelbayerischen Zeitung soll helfen, die Kosten für die Bestattung der Kleinen zusammenzubekommen. Falls gar noch etwas übrig bleibt, soll es auf einem Treuhandkonto für die Ausbildung von Leonie gespart werden. Dem Vater fällt es nicht leicht, um Hilfe zu bitten. Doch er und seine Familie tun es für Josephine. „Es ist das letzte Geschenk.“

Dramatische Verfolgungsjagd in Regensburg

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Die dreijährige Leonie erholt sich langsam von dem Unglück. „Auch ihre Seele wird Narben davontragen.“ Dass ihre Schwester nicht mehr lebt, weiß die Kleine noch nicht. Ihr Vater hat es noch nicht übers Herz gebracht, es ihr zu sagen. „Sie ist noch zu schwer traumatisiert“, sagt Michael B.

Dankbar ist der Vater vor allem den Rettungskräften, dem Kriseninterventionsteam und der Polizei. Auch nimmt er die Beamten nach vielen Anfeindungen in Schutz: „Die Polizei hat während der Amokfahrt nichts falsch gemacht. Sie konnten nicht anders handeln.“ Jetzt hofft er, Josephine einen schönen Abschied bereiten zu können. Passend für seinen „Sonnenschein“.

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