Michaela starb nach Blutvergiftung

Klinik hat unsere Tochter (24) auf dem Gewissen

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Christine und Olaf Hoffmann im Oberlandesgericht. Michaela starb im Alter von 24 Jahren im Klinikum an einer Blutvergifttung.

Ingolstadt - Mit traurigen Augen zeigen Christine und Olaf Hoffmann (66 u. 70) das Bild ihrer Tochter Michaela. Die hübsche junge Frau ist nur 24 Jahre alt geworden.

 „Unsere liebe Michaela könnte heute noch leben, wenn die Ärzte nicht so einen furchtbaren Fehler gemacht hätten“, sagen die trauernden Eltern. „Am Klinikum Ingolstadt wurde ihre lebensgefährliche Blutvergiftung nicht erkannt.“

Der Kampf der Eltern gegen das Klinikum zieht sich schon über viele Jahre hin. Die Medizinstudentin war am 14. Januar 2006 von einem Notarzt in die Ingolstadter Klinik eingeliefert worden. Dieser äußerte bereits einen Verdacht auf eine Sepsis, also Blutvergiftung. Nach Ansicht von Experten kommt es in solchen Notfällen auf jede Stunde an.

Wegen Bettenmangels kam die Patientin aber zunächst in die falsche Abteilung. Dann wurde auch noch ihre Blutprobe mit der einer anderen Patintin gleichen Namens verwechselt! Der Patientin ging es immer schlechter. Michaela musste auf die Intensivstation verlegt werden. „Viel zu spät“, aus Sicht der Eltern, um die gefährliche Sepsis zu behandeln. Dort eritt sie am 22. Januar einen Herzstillstand und konnte nicht mehr gerettet werden.

In der Leichenhalle erlebten die Eltern und die Zwillingsschwester noch einen Schock: Der Körper Michaelas war ohne ihr Einverständnis obduziert worden!

Vor dem Landgericht Ingolstadt erzielten die Kläger einen Teilerfolg. Das Gericht sprach ihnen ein Schmerzensgeld von 10 000 Euro zu.

Am Donnerstag begann der Berufungsprozess beim Oberlandesgericht München. Die Eltern fordern insgesamt 35 000 Euro. Christine Hoffmann zur tz: „Wir wollen, dass in Zukunft mit den Patienten anders umgegangen wird.“

„Wir haben großen Respekt vor diesem Schicksal“, sagt der Vorsitzende Richter Thomas Steiner zu Prozessbeginn. Den Eltern bringt er wohlwollendes Verständnis entgegen – er spürt, wie aufgebracht sie sind. In der Sache gibt sich der Richter aber kritisch. Strittig ist, ob ein Medikament direkt in der Notaufnahme verabreicht worden ist, ein zweites aber erst fünf Stunden später auf Station. Die Klinik hatte die Medikation offenbar nicht entsprechend dokumentiert. Eine ausgebliebene Röntgenaufnahme der Lunge beurteilt der Gutachter als „nicht zwingend notwendig, da es der Patientin besser ging“. Der Zustand der Lunge hatte sich am 20. Januar 2006 zunächst gebessert. Ein tödliches Missverständnis?

Die beklagten Ärzte, die selbst nicht vor Gericht erschienen, weisen jeden Kunstfehler von sich. Und selbst wenn es Fehler gegeben habe, tragen deren Anwälte vor, bestünde kein Zusammenhang mit dem Tod der Patientin, der als „schicksalshaft“ bezeichnet wird.

Ebu./Thi.

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