Tiger-Absturz über Linderhof

Wie nötig sind die Übungsflüge im Ammergebirge?

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Die Ursache des Absturzes eines Militärhelikopters vom Typ "Tiger" nahe Schloss Linderhof wird derzeit erforscht. Die Unfallstelle ist gesperrt.

Ettal - Die Ursache des Absturzes eines Militärhelikopters vom Typ "Tiger" nahe Schloss Linderhof wird derzeit erforscht. Derweil ist man froh, dass der Absturz glimpflich ausgegangen ist - und besorgt, weil die Natur massiv geschädigt wurde.

Großeinsatz für die Rettungsorganisationen im Landkreis: Rund 270 Kräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Bergwacht – von Mittenwald bis Murnau – sind am Montagabend nach einem Hubschrauberabsturz im Ammergebirge alarmiert und ins Graswangtal beordert worden. Ein Bundeswehr-Kampfhubschrauber des Typs Tiger (Herstellungskosten: 40 Millionen Euro) war gegen 20 Uhr während eines nächtlichen Gebirgsübungsflugs von Laupheim in Baden-Württemberg aus bisher nicht geklärter Ursache ins Trudeln geraten. Rund 200 Meter oberhalb der Staatsstraße 2060 Linderhof-Reutte stürzte er am Scheinberg, nach dem sogenannten Stockgraben, ab. Die beiden Besatzungsmitglieder konnten sich nach dem Aufprall in dem bewaldeten Steilgelände selbst aus der Maschine befreien, sie erlitten Prellungen und Schürfwunden. Die Soldaten aus dem hessischen Fritzlar hatten nach dem Absturz noch die Leitstelle in Münster alarmieren können. Kurz danach stand ihr Helikopter in Flammen und brannte völlig aus. Die Verletzten wurden rund eine Stunde nach dem Absturz von einem SAR-Hubschrauber aufgenommen und in das Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm geflogen.

Anlass für die Großalarmierung waren nach Aussage von BRK-Rettungsdienstleiter Hans Steinbrecher „die fehlende Kenntnis über die genaue Unfallstelle, den Hubschrauber-Typ und die Zahl der Betroffenen sowie ein möglicher Verdacht, der Hubschrauber könnte Munition an Bord haben“. Letzteres bestätigte sich jedoch nicht. Den Einsatz der Rettungskräfte koordinierten für die Feuerwehren Kreisbrandrat Hannes Eitzenberger sowie für das Rote Kreuz Andreas Geuther.

Zur Klärung der Absturzursache haben am Dienstagmittag Experten der Bundeswehr die Ermittlungen aufgenommen, Feldjäger sperrten das Gelände um das ausgebrannte Wrack, zu dem niemand vorgelassen wurde, weiträumig ab. Nach Abschluss der Untersuchungen will die Bundeswehr den völlig verschmorten Hubschrauber bergen – wann, steht noch nicht fest.

Der Absturz hinterließ nach Informationen unserer Zeitung rund zwei Dutzend verbrannte, abgegipfelte und umgedrückte Bäume, die Trümmer der Maschine verteilten sich auf einer Fläche von einem halben Hektar. Außerdem legte sich eine dicke Ascheschicht aus verbrannten Kohlefasern von Teilen des Helikopters über den schneebedeckten Hang. Da die Wirkung dieses Gefahrenstoffs nach derzeitigem Stand nicht eingeschätzt werden kann, muss nun die Asche Meter für Meter abgetragen werden. Ein weiteres Problem stellen ausgelaufenes Kerosin und Hydrauliköl dar, das aus dem Wrack entwich und in die Linder zu laufen drohte. Die Feuerwehren Oberammergau und Ettal errichteten zu diesem Zweck eine Ölsperre. Außerdem wurden das Wasserwirtschaftsamt und die Untere Naturschutzbehörde eingeschalten.

Trotz der allgemeinen Erleichterung, dass durch den Absturz keine Menschen zu Schaden kamen, lässt das Ereignis vom Montag eine alte Diskussion neu entflammen – nämlich die Notwendigkeit und Häufigkeit solcher militärischer Übungsflüge. Laut Naturschutzverordnung sind derartige Aktivitäten in einem Naturschutzgebiet wie im Ammergebirge nur über 500 Metern Höhe erlaubt, im Hochwinter sowie zur Brut- und Aufzuchtzeit von Tieren verboten. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen jedoch, dass die Bundeswehr und speziell die Alliierten Streitkräfte sich darum oft wenig scheren. „Für Auer- und Birkwild sowie für Schneehühner sind solche Hubschrauberflüge eine Extremsituation“, sagt Richard Baur, Stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Oberammergau. „Wenn sie in ihrer Winterruhe immer wieder aufgeschreckt werden, kann das wegen zu viel verbrauchter Energie schnell zu ihrem Tod führen. Auch die Gamsen werden so oft von einer Bergflanke zur nächsten gejagt.“ Revierförster Hubert Tischer berichtet von einem Runden Tisch vergangene Woche, bei dem vereinbart worden sei, „dass solche Flugbewegungen künftig nur noch von Anfang August bis Mitte November erlaubt werden sollen“.

Bundeswehr-Hubschrauber stürzt bei Schloss Linderhof ab

An der Besprechung nahm auch die Regierung von Oberbayern teil. Deren Pressesprecherin Ines Schantz erklärte dazu am Dienstag lapidar: „Wir wissen um die Problematik. Von einer internen Dienstbesprechung können wir jedoch Ergebnisse nicht über die Medien kommunizieren.“

Matthias Holzapfel

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