Erinnerung an Nazi-Opfer

Nach langem Streit: Erste Stolpersteine in Augsburg verlegt

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Der Künstler Gunter Demnig zeigt die Stolpersteine, die an die NS-Opfer Emma und Eugen Oberdorfer, die Großeltern von Miriam Friedmann (re.), erinnern. In Augsburg wurden erstmals Stolpersteine auf öffentlichem Grund verlegt.

Augsburg – Nach einem Kompromiss zum Gedenken an die Nazi-Opfer hat Aktionskünstler Gunter Demnig am Donnerstag in Augsburg die ersten Stolpersteine auf öffentlichem Grund verlegt.

Zunächst ließ der Künstler drei Pflastersteine in der Fußgängerzone in der Nähe des historischen Rathauses ein, die mit kleinen Messingschildern an die jüdische Familie Oberdorfer erinnern. Die Steine befinden sich direkt vor dem Gebäude mit dem Wahlkreisbüro von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), dort befand sich das 1938 enteignete Schirmgeschäft des Ehepaars Oberdorfer. Die Verlegung sei insbesondere für die Angehörigen der Opfer sehr wichtig, sagte Roth. „Die Familien sind nun wieder eingebürgert worden.“
Anschließend verlegte Demnig im Rahmen seines internationalen Stolperstein-Projektes weitere Gedenksteine in Gehwege in Bayern drittgrößter Stadt.

Bislang gab es in Augsburg nur zwei Stolpersteine auf privatem Grund. Die Stadt hatte der Verlegung jahrelang nicht zugestimmt, weil die Israelitische Kultusgemeinde in Augsburg ähnlich wie in München Vorbehalte gegen die Stolpersteine hat. Vor etwa einem Jahr wurde nach langen Diskussionen ein Kompromiss gefunden, wonach künftig auf verschieden Wegen an die Opfer des Nazi-Terrors erinnert werden darf. Auch die Montage von Tafeln an Laternen oder Gedenkstelen ist demnach möglich, insbesondere soll der Wunsch der Angehörigen gelten.  Kurz vor der Verlegung der Stolpersteine hatte es in Augsburg einen neuen Streit um die Steine gegeben.  Die Stadt hat 8 von 20 Steinen zunächst nicht genehmigt, weil diese Opfer das Jahr 1945 überlebt hatten. Nach einem Stadtratsbeschluss soll an Verfolgte, die erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg gestorben sind, nur in Ausnahmefällen öffentlich erinnert werden.

Im Herbst will Demnig noch einmal zur Verlegung von weiteren Steinen in die schwäbische Stadt kommen. Zunächst hat er nun für die nicht genehmigten Steine einfache Beton-Pflastersteine als Platzhalter verlegt. Damit will der Künstler eine weitere Diskussion über das Gedenken anregen. „So sieht man, dass was fehlt.“

61.000 Miniatur-Denkmäler in 21 Ländern

Mit seinem bekanntesten Projekt will der Aktionskünstler Gunter Demnig die Menschen über den Nazi-Terror in ihrer unmittelbaren Umgebung stolpern lassen. Der 69 Jahre alte Künstler aus Frechen bei Köln fertigt seit einem viertel Jahrhundert etwa zehn mal zehn Zentimeter große Pflastersteine, die an die Opfer der Diktatur erinnern sollen. Diese Stolpersteine werden dafür vor früheren Wohnhäusern oder Geschäften von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen oder Widerstandskämpfern in den Boden eingelassen.

Auf den Steinen sind kleine Messingtafeln mit biografischen Angaben der Ermordeten angebracht. So steht auf einem der am Donnerstag in Augsburg verlegten Schilder: Eugen Oberdorfer, Jg. 1875, deportiert 1943 Theresienstadt, ermordet in Auschwitz.

Bislang gibt es laut Demnig rund 61.000 der Miniatur-Denkmäler in 1100 Orten in 21 Ländern Europas. Der Initiator verlegt die Gedenksteine grundsätzlich selbst. Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Steins übernehmen. Auch in der Stadt Dachau verlegte der Künstler am Donnerstag fünf Stolpersteine. Sie erinnern unter anderem an Opfer der Kinder-Euthanasie.

dpa

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