Gemeinsames Silvester auf Hütte

Retter päppeln Tourengeher mit Schinkennudeln auf

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Ein Hubschrauber der Bundeswehr brachte die Tourengeher und ihre Retter am Donnerstagmorgen zurück ins Tal.

Lenggries - Den Silvester-Abend hatten sie sich sicher anders vorgestellt: Drei Tourengeher, die sich am Schönberg verstiegen hatten, verbrachten den Jahreswechsel mit ihren Rettern auf der Amperthal-Hütte, da der Abstieg zu gefährlich war. Gefeiert wurde trotzdem: mit Tee statt Sekt und Schinkennudeln statt Raclette.

Die Tour war gut geplant und auch die Ausrüstung stimmte. Dennoch verstiegen sich am Mittwoch ein Paar aus München und dessen Bekannte aus Nürnberg (alle 49) am Schönberg. „Ursprünglich wollten die drei zum Seekar“, erzählt Einsatzleiter Christoph Brenninger von der Lenggrieser Bergwacht. „Im Bereich Maria-Eck verloren sie allerdings die Orientierung und folgten einer Skispur nach rechts Richtung Schönberg, statt nach links Richtung Seekar abzubiegen.“

Erschwerend hinzu kam, dass die drei wegen der Schneeverhältnisse ungewöhnlich lange für den Aufstieg gebraucht hatten. „Sie sind gegen 10.30 Uhr in Fleck los und waren erst gegen 14.45 Uhr am Maria-Eck.“ Dass sie die Tour ohne Hilfe nicht würden beenden können, wurde der Gruppe gegen 18 Uhr klar. Zu diesem Zeitpunkt verständigte der Mann mit seinem Handy die Integrierte Leitstelle Oberland in Weilheim, die wiederum die Lenggrieser Bergwacht alarmierte. „Aufgrund der Beschilderung konnte er uns genau sagen, wo er sich befindet“, erzählt Brenninger. „Die GPS-Daten bestätigten, dass sich das Trio bei den Almen im Amperthal aufhielt.“

Rettungshubschrauber kann nicht starten

Obwohl die Bergretter genau wussten, wo sie hin mussten, gestaltete sich der Einsatz schwieriger als gedacht. „Wir haben keine Hubschrauber-Unterstützung bekommen, weil die Maschinen wegen Nebels nicht starten konnten“, sagt Brenninger. Außerdem musste der Voraus-Trupp der Bergwacht wieder umkehren, da auf der favorisierten Aufstiegsroute die Lawinengefahr zu groß war. Fünf Mitglieder der Lenggrieser und zwei der Tölzer Bergwacht folgten schließlich demselben Weg wie die verirrten Tourengeher. „Sie erreichten die Gruppe gegen 23.45 Uhr“, weiß Brenninger.

Retter bringen Schinkennudeln mit

Bis auf eine leichte Unterkühlung waren alle wohlauf, dennoch entschieden sich die Bergretter wegen der Lawinengefahr gegen einen Abstieg. „Sie verbrachten die Nacht auf der Amperthal-Alm, wo sie ein bisschen zusammen Silvester gefeiert haben.“ Bei dieser ungewöhnlichen Silvester-Feier war Michael Landmann mit dabei. „Die Stimmung war gut, auch wenn es sehr kalt war“, schildert das Mitglied der Tölzer Bergwacht. Statt mit Sekt stießen Tourengeher und Bergwachtler mit heißem Tee an. Außerdem hatten die Retter Schinkennudeln mitgebracht, die sich die Gruppe am warmen Ofen schmecken ließ. „So konnten wir die drei schnell wieder aufpäppeln“, erzählt Landmann. Lang gefeiert wurde allerdings nicht: Früh am nächsten Morgen holte ein SAR-Hubschrauber der Bundeswehr die Gruppe ab und brachte sie ins Tal. sis

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