Kinder standen allein an der Straße

Nach dem Bus-Streik: Mutter erhebt schwere Vorwürfe

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Nehmt uns mit! Schulkinder in Böbing bei Peißenberg warten auf den RVO-Schulbus, der an vielen Orten nicht kam.

Peißenberg - Der Bus-Streik am vergangenen Donnerstag wurde sehr knapp angekündigt und hat vor allem die Schulkinder überrumpelt. Sie standen morgens an der Bushaltestelle, aber kein Bus kam. Jetzt erhebt eine Mutter schwere Vorwürfe.

"Der Beruf der Busfahrer ist ehrbar und ihre Forderungen sind zu verstehen", sagt Michaela Buder (38) aus Peißenberg. Mit der Art und Weise, wie der Busstreik am Donnerstag ablief, ist die Selbstständige aber alles andere als einverstanden. Der Grund: Besonders betroffen waren viele Schulkinder, die morgens nicht vom Bus abgeholt wurden. "Ein Unding", sagt Buder, "das ist gefährlich."

Sie findet: Der Tarifkonflikt der Busfahrer wurde auf dem Rücken derer ausgetragen, die sich nicht wehren können - nämlich der Schulkinder. Wie berichtet, hat die Gewerkschaft EVG am Donnerstag zwölf Niederlassungen der Betriebe von Oberstdorf bis Berchtesgaden bestreikt. Der Berufs- und Schülerverkehr in vielen Bahn-fernen ländlichen Regionen Oberbayerns und im Allgäu kam „praktisch zum Erliegen“.

Wer fremde Kinder im Auto mitnimmt, macht sich strafbar

Die Mitteilung über den bevorstehenden Busstreik erreichte Michaela Buder durch Zufall am frühen Mittwochabend. Sie reagierte und fuhr ihren Sohn, einen Drittklässler, am Donnerstag mit dem Auto von Peißenberg nach Weilheim in die Schule. "Am Nachmittag habe ich ihn wieder abgeholt." Andere Eltern dagegen hatten im Vorfeld nichts vom Streik erfahren, sagt Buder. Viele Schulkinder standen daher stundenlang an ihrer Busbucht und warteten vergeblich.

Die betroffene Mutter kritisiert, dass es im Vorfeld keine Streikwarnung gab. Dann hätten sich die Eltern vernetzen können, um zum Beispiel Fahrgemeinschaften zu organisieren, sagt Buder. "An der Bushaltestelle und im Vorfeld per Telefon konnte ich nur einige Eltern und Schüler informieren." In der Kürze der Zeit sei das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Andere Schüler einfach spontan im Auto von Peißenberg aus mit zur Schule zu nehmen, sei aus rechtlicher Sicht nicht zu verantworten, berichtet die Peißenbergerin. Denn: "Das könnte als Entführung gewertet werden."

Die Schule von Buders Sohn hat auf die gemachte Erfahrung reagiert. In einem Elternbrief warnt die Schulleitung vor möglichen neuen Streikmaßnahmen, berichtet die Peißenbergerin. Ausdrücklich wird in dem Schreiben zudem darauf hingewiesen, dass das Kind einer anderen Familie nicht ohne ausdrückliche Genehmigung der Erziehungsberechtigten mitgenommen werden dürfe  - auch wenn das eigentlich nett gemeint sei.

In einem offenen Brief, der unserer Zeitung vorliegt, wendet sich Michaela Buder an den bestreikten Betrieb Regionalverkehr Oberbayern (RVO) und die Gewerkschaft EVG. Laut Buder hat sich EVG-Ansprechpartner Isidoro Peronace bei ihr bereits für die entstandene Situation entschuldigt. Er warb um Verständnis für die Anliegen der EVG. "Dass wir die Kinder stehen ließen, tut uns schrecklich Leid", sagte Peronace auch im Gespräch mit dem Münchner Merkur.

Das Streik habe das Kindeswohl gefährdet

Die Busfahrer, schreibt Buder, bewältigen ihre Aufgabe "bei Wind und Wetter so zuverlässig wie irgend möglich, was durchaus fair honoriert gehört. Diese Honorierung kann gerne durch die zuständigen Stellen eingefordert werden - aber bitte verantwortungsvoll und nicht auf dem Rücken von Schülern, die teilweise die unteren Grundschulklassen besuchen." Die EVG habe durch den kurzfristig kommunizierten Streik "das Wohl von Kindern gefährdet und somit grob fahrlässig gehandelt". Die Busfahrer seien nur der verlängerte Arm.

Wie der Bus-Streik im Verbreitungsgebiet des Münchner Merkur und seiner Heimatzeitungen ablief, können Sie in unserem Streik-Ticker nachlesen.

dor

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