Sie sollte nur auf die Katze aufpassen

Nachbarin klaut jungem Paar das Hochzeitsgeld

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Eine böse Überraschung erlebte ein frisch vermähltes Paar im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Während der Hochzeit eines jungen Paars soll eine Rentnerin zu Hause auf die Katze aufpassen. Stattdessen öffnet sie die Glückwunschkarten.

Die Jungvermählten machten lange Gesichter, als sie am Tag nach ihrer Hochzeit die Glückwunschbriefe öffneten. In einigen Umschlägen steckten zwar Grußkarten - aber nicht das Geld, das sie darin vermuteten. Insgesamt 900 Euro waren verschwunden, wie Rückfragen bei den Verwandten ergaben. Die Geschenkumschläge hatten die frisch Vermählten aus einer Gemeinde im südlichen Landkreis im Schlafzimmer abgelegt, bevor sie in der Früh zur Hochzeit nach Österreich gefahren waren.

Der Verdacht fiel schnell auf eine Nachbarin, die sich in der fraglichen Zeit um die Katze des Brautpaars gekümmert hatte. Die Rentnerin (59) musste sich nun wegen Diebstahls vor Gericht verantworten. Sie habe kein Geld entwendet, ließ die Angeklagte durch ihre Anwältin mitteilen. Ansonsten habe sie ihrer Aussage, die sie bei der Polizei gemacht hatte, nichts hinzuzufügen.

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Dort hatte sie erklärt, sie habe in der Nacht bemerkt, dass vor dem Haus Licht brannte. Deshalb sei sie ins Haus gegangen um nachzuschauen, ob alles in Ordnung sei. Dabei will sie die im Schlafzimmer auf dem Fußboden herumliegenden Briefumschläge aufgehoben und aufs Bett gelegt haben. „Sie reagierte etwas theatralisch, als ich ihr von dem Diebstahl erzählte“, so die geschädigte Ehefrau (35). „Sie sagte: Oh Gott, ich muss mich erst mal setzen, mir wird ganz schlecht.“ Schließlich habe sie berichtet, dass „in der Nacht ganz schön was losgewesen sei bei uns“.

Davon, dass sie im Haus war und herumliegende Briefe eingesammelt hatte, erzählte die Nachbarin hingegen nichts. Diese Angaben machte die Beschuldigte erst einige Zeit später bei der Polizei. Was ihr vor Gericht keine Pluspunkte verschaffte. Während die Verteidigung auf Freispruch plädierte, weil „an den Schlüssel jeder rankonnte, im Ort bekannt war, dass das Paar im Ausland feierte und außerdem vor deren Abreise reichlich Leute im Haus waren, die die Möglichkeit zum Diebstahl hatten“, sah das Gericht die Schuld der Rentnerin als erwiesen an. „An den großen Unbekannten glaube ich nicht“, machte Richter Helmut Berger deutlich. Er hielt sogar die vom Staatsanwalt beantragte Strafe von 55 Tagessätzen für „deutlich zu niedrig“ und verurteilte die 59-Jährige zu 75 Tagessätzen zu je 35 Euro (2625 Euro).

Rudi Stallein

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