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Suche nach Heike H.: Polizei hat grausigen Verdacht

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Von: Armin T. Linder, Klaus-Maria Mehr

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Die seit über 30 Jahren vermisste Heike H.. Nach ihren Überresten sucht die Polizei derzeit unter eine Staatsstraße in der Region.
Die seit über 30 Jahren vermisste Heike H.. Nach ihren Überresten sucht die Polizei derzeit unter eine Staatsstraße in der Region. © News5/Privat

Die damals 18-jährige Heike H. verschwand im Jahr 1988 spurlos. Die Polizei riss nun eine Straße auf, weil sie ihre Überreste darunter vermutete - und fand einen mysteriösen Betonblock.

Update, 15. Oktober: Akte soll nicht geschlossen werden

Über dem Schwarz-Weiß-Foto einer jungen Frau im Mantel steht lapidar: „Vermisst“. Sie lächelt nicht, ihre Augen liegen im Schatten. Es ist die Anfang November 1986 gerade 18 Jahre alt gewordene Heike H. aus Naila (Kreis Hof). Jetzt, 32 Jahre später, sucht die Polizei wieder nach ihr - ihre Leiche wird in 2,50 Meter Tiefe unter der Staatsstraße Richtung Marxgrün vermutet. Gefunden wurde ihre Leiche bislang nicht.

„Sie hat am 4. November auf ungewöhnliche Weise ihr Elternhaus verlassen“, teilt die Polizei am 7. Februar 1987 in der lokalen Frankenpost mit. Drei Monate waren da schon vergangen, als sich die Nailaer Polizei zur Öffentlichkeitsfahndung entschloss. Ungewöhnlich am Verschwinden Heikes war offenbar die Uhrzeit - spät am Abend. Ihrem Onkel hatte sie zuvor zudem angekündigt: „Wenn ich 18 werde, bin ich weg!“

Zeugen wollen sie zwei Tage später nochmals in einer Nailaer Disko gesehen haben. Danach verliert sich ihre Spur. In der Familie wurde der Mantel des Schweigens über den seltsamen Fall gebreitet.

Vermisste Heike H. aus Naila: Mord-Ermittlung erst seit 2017

Erst im vergangenen Jahr wurde aus einem Vermisstenfall eine Mord-Ermittlung. Kripobeamten fiel auf, dass Heikes Vater 1986 am Bau der Straße von Naila nach Marxgrün mitarbeitete - und sich dabei auch verdächtig verhielt. Archäologiehund Flintstone aus dem oberbayerischen Otterfing (Kreis Miesbach) schlug auf einer Strecke von 50 Metern dreimal an, ein Bodenradar der TU München offenbarte einen Fremdkörper unterm Asphalt. Eine erste Grabung blieb vor zwei Wochen ergebnislos. Doch nach tz-Informationen soll der hochspezialisierte Hund Ende Oktober erneut zum Einsatz kommen. „Die Ermittlungen gehen weiter“, kündigt die Polizei an.

Auch ein neuerlicher Zeugenaufruf wird von Seiten des Polizeipräsidiums Oberfranken nicht ausgeschlossen. So schnell wie vor 32 Jahren sollen die Aktendeckel in dem mysteriösen Fall Heike jedenfalls nicht wieder geschlossen werden.

Update, Montag, 1. Oktober

Die Staatsstraße 2195 bei Naila ist weiter gesperrt und wird aktuell wieder zugemacht. Die Grabungen endeten am Sonntag ohne eine Spur von Heike H.. Der Betonblock mit seinen sehr eindeutigen Maßen allerdings, der bereits durch den Bodenradar auffiel und mit ein Grund für die Entscheidung zum Aufreißen der Straße war, bleibt rätselhaft. Klar ist, dass er keinerlei baulichen Zweck erfüllte. Wer ihn da unten vergraben hat und warum, ist weiterhin völlig unklar. Die Ermittlungen dauern an.

Update vom 30. September: Grabungen und Suche nach Überresten von Heike H. ohne Ergebnis abgeschlossen

Naila - Die Grabungen sind abgeschlossen. Gefunden wurde nichts. Zumindest nichts von Relevanz aus „kriminalpolizeilicher Sicht“, sagt Anne Höfer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken. 

Warum überhaupt gegraben wurde 

Warum wurde dann überhaupt gegraben? Im Vorfeld ergaben laut Polizei sich Hinweise, dass die junge Frau möglicherweise nicht weit entfernt von ihrem damaligen Wohnort vergraben worden sein könnte. Und eben zu dieser Zeit, Heike H. verschwand am 4. November 1986, wurden dort eine Straße und ein Radweg gebaut.

Untersuchungen vor Ort mit der Hilfe von Wissenschaftlern und einem Bodenradar stellten die Beamten eine Bodenanomalie genau dort unter der Staatsstraße 2195 bei Marxgrün fest.

Hund schlägt an - Objekt unter Straße

Mehr noch: Die Polizei führte zusammen mit den Wissenschaftlern Bohrungen durch. Mit dabei war ein Suchhund, speziell darauf abgerichtet, auf alte Menschenknochen anzuschlagen. Er schlug an.

All diese Indizien führten schließlich zur Entscheidung der Ermittler, die Straße wirklich aufzureißen und die Bodenanomalie zu bergen und abgetragen. 

Betonblock hat interessante Maße

Tatsächlich befand sich unter der aufgebrochenen Straße ein Betonblock in der Erde eingegraben. Seine Maße - 2,30 Meter lang, 60 cm breit und 40 cm tief - waren im Zusammenhang mit der Suche nach den Überresten von Heike H. durchaus spannend für die Polizei. Angestellte einer Baufirma und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks trugen den gesamten Betonblock, der seitlich an ein Abwasserrohr anschloss, Stück für Stück ab.

Doch kein einziger Knochen kam zum Vorschein. „Es wäre sicher spannend gewesen“, sagt Polizei-Sprecherin Höfer am Sonntag, „auch heute den Suchhund nochmal einzusetzen.“ Der war nur leider andernorts gebunden.

Was jetzt passiert

Nun geht es an die Nacharbeit, bei der alle Erkenntnisse und Nicht-Erkenntnisse nochmal mit allen Experten, inklusive Hundeführer des Archäologiehunds betrachtet und besprochen werden. Höfer: „Es ist nicht so, dass wir mit dem uschütten des Lochs auch die Ermittlungsakte wieder schließen.“

Verdacht gegen den Vater

Eine Redaktion stellte während der neu aufgenommenen Ermittlungen die Verbindung zum Vater der vermissten Heike H. her. Er war zum Zeitpunkt ihres Verschwindens Baggerführer an eben jener Straßenbaustelle, wo die Polizei bis zum Sonntag nach H. Leiche suchte. Polizeisprecherin Höfer erklärte: „Wir haben nie einen konkreten Verdacht ausgesprochen.“

Wo ist Heike H.? Die Berichterstattung zur Leichensuche am Samstag

Update vom 29. September, 17.45 Uhr:

Die Grabungen sind für heute laut Polizeisprecherin Anne Höfer so gut wie abgeschlossen. Gefunden wurde aus „kriminalpolizeilicher Sicht“ nichts. Die Grabungen werden am Sonntag fortgesetzt.

Update vom 29. September, 15.49 Uhr:

„Die Grabungen dauern heute noch ein bisschen an“, so Polizeisprecherin Anne Höfer. „Und werden morgen fortgesetzt.“ Aus kriminalpolizeilicher Sicht sei bisher nichts gefunden worden. 

Update vom 29. September, 14.10 Uhr:

Wie Polizeisprecherin Anne Höfer unserer Onlineredaktion mitteilte, laufen die Grabungen noch. „Mit Baggern und Presslufthammer und teilweise auch mit den Händen“, so Höfer. Gefunden habe man noch nichts.

Ein Wissenschaftler der TU München ist auch vor Ort. Bereits vor kurzem hatte ein auf Menschenknochen spezialisierter Hund angeschlagen. Dieser ist an diesem Samstag aber nicht im Einsatz.

Wie lange noch gegraben wird, sei unklar, ergänzt Höfer.

Update vom 29. September, 10.26 Uhr:

Mehr als 30 Jahre nach dem Verschwinden einer damals 18-Jährigen aus Naila (Landkreis Hof) sucht die Polizei nach den sterblichen Überresten der Frau. Einsatzkräfte gruben am Samstag bei Marxgrün eine Straße auf. Dazu wurden der Straßenbelag und mehrere Schichten darunter abgetragen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gemeinsam mitteilten. Neuen Erkenntnissen zufolge könnte die Vermisste möglicherweise nicht weit entfernt von ihrem damaligen Wohnort vergraben worden sein. Die Frau ist seit dem 4. November 1986 verschwunden. Die Ermittler schlossen damals auch ein Verbrechen nicht aus.

Seit dem vergangenen Jahr arbeitet die Kriminalpolizei Hof zusammen mit der Staatsanwaltschaft den Angaben nach erneut intensiv an dem Fall. Zusammen mit Wissenschaftlern der Technischen Universität München und der bayerischen Denkmalschutzbehörde stießen die Ermittler mittels eines Bodenradars auf eine Auffälligkeit unter der Straße bei Marxgrün. Mit Hilfe eines auf den Geruch von Menschenknochen ausgebildeten Hundes grenzten die Beamten die Stelle auf wenige Meter ein. Die Ergebnisse der Grabungen sollten im Laufe des Nachmittags bekanntgegeben werden.

Schauriger Verdacht: Polizei reißt Straße auf - liegt darunter die tote Heike H.? 

Naila - Es war vor etwa 30 Jahren, als Heike H. aus Naila (Kreis Hof) spurlos verschwand. Zwar ermittelte die Polizei, doch es gab keine Anhaltspunkte, was mit der Teenagerin geschehen sein könnte. Vor ein paar Monaten allerdings kam Bewegung in den mysteriösen Vermisstenfall. Die Polizei bekam offenbar Hinweise darauf, dass das Mädchen unter einer viel befahrenen Straße im Frankenwald vergraben sein könnte - vom eigenen Vater. 

Liegt ein Skelett unter der Staatsstraße 2195

Am Samstag wird deshalb die Staatsstraße 2195 zwischen Lichtenberg und Naila gesperrt - und der Asphalt abgetragen. Finden sie heute Heikes sterbliche Überreste? Wird nach drei Jahrzehnten ihr Schicksal endlich geklärt? Seit über einem Jahr bearbeiten Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Hof den Vermisstenfall. Immer wieder wurde ein Radweg gesperrt und mit Sonargeräten untersucht, weil die Ermittler vermuten, dass hier im Zuge des Neubaus der Staatsstraße vor 30 Jahren Heikes Körper verscharrt worden sein könnte.

Ermittlungen bringen Unruhe in die Bevölkerung

Oberstaatsanwalt Reiner Laib aus Hof sagte der Süddeutschen Zeitung, es gebe „Anhaltspunkte“, die eine Untersuchung der Straße auf Höhe des Klärwerks notwendig machten. Die Ermittlungen der Kripo haben Unruhe bei den Bürgern in Naila und Selbitz ausgelöst. Plötzlich erinnerten sich Heikes Schulfreunde und Nachbarn wieder an das Mädchen, das Ende der 1980er Jahre nicht mehr nach Hause kam. Sie sei abgehauen, soll der Vater, ein Bauarbeiter, laut Frankenpost als Erklärung damals gesagt haben. Eine Suche über die Medien gab es nicht, weil Heike schon volljährig war.

Ihr Vater war damals Kanal- und Straßenbauer

Ihre Verwandten glaubten jedoch, Heike sei verschleppt worden. Nachdem der Fall jetzt wieder aufgerollt wurde, überprüften die Ermittler auch die Arbeiten des Vaters, der damals als Kanal- und Straßenbauer tätig war, und wohl auch Bagger fahren konnte. Was er für ein Motiv gehabt haben könnte, seine Tochter zu verscharren, ist bislang unklar. 

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tz

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