Namibia bei der Eisstock-WM: "Das Eis bei euch ist großartig!"

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Jessie Mweshipopya (mit Stock) wohnt in Afrika in einer kleinen Hütte

Waldkraiburg - Dass man auch in wärmeren Gefilden gute Eisstockschützen ausbilden kann, beweist derzeit das Team von Namibia bei den Vorbereitungen zur WM in Waldkraiburg. Wir haben die Afrikaner besucht.

Frostig ist es im Waldkrai­burger Eisstadion (Landkreis Mühldorf am Inn), um die null Grad zeigt das Thermometer. Temperaturen, die Jessie Mweshipopya (37) von zu Hause nicht kennt. Er ist die namibische Sonne gewöhnt und bibbert nun in der Halle mitten in Oberbayern. Aber für seinen Lieblingssport nimmt der Owambo vom Stamm der Kwanyama die Kälte gerne in Kauf.

Dick eingepackt in Anorak und Mütze setzt er seinen Eisstock schwungvoll auf, lautlos gleitet dieser übers glitzernde Weiß. Dann sagt Jessie: „Es macht richtig Spaß auf Eis zu spielen, aber es ist echt schwierig.“

Er und neun andere Athleten nehmen für Namibia diese Woche an der Eisstock-Weltmeisterschaft in Waldkraiburg teil. Vor den ersten Wettkämpfen müssen sie noch viel trainieren. Schließlich sind die meisten seit der letzten WM vor vier Jahren nicht mehr auf dem Eis gestanden, die Trainingsmöglichkeiten in ihrer Heimat sind begrenzt. Eine Asphaltbahn? Gar ein Eisstadion? Fehlanzeige! Also was tun? Detlef Pfeifer (54), Präsident der Icestocksport Association of Namibia und Mitarbeiter des Goethe-Instituts in der Hauptstadt Windhoek, hat eine Lösung gefunden: Nun spielt die Mannschaft ein- bis zweimal im Monat auf der Terrasse des Goethe-Instituts. „Das ist natürlich keine Dauerlösung. Wir möchten ja viel öfters trainieren, aber vorerst haben wir wenigstens eine Bahn“, erklärt Pfeifer.

Aber wie kommt man auch in einem Land, in dem das Thermometer selbst im Winter rund 25 Grad anzeigt, zum Eisstockschießen? „Vor einigen Jahren gab es hier Pläne für eine Mehrzweckhalle mit Eis. Ein Hersteller hat uns dann Stöcke geschenkt“, so Pfeifer. Aus der Halle wurde nichts, die Begeisterung für den Eisstocksport ist den Bewohnern der ehemaligen deutschen Kolonie jedoch geblieben. 2004 nahm eine namibische Mannschaft an der WM in Graz teil. „Mehr aus einer Laune heraus“, wie Pfeifer erzählt. Man wollte nur nicht auf dem letzten Platz landen. Das ist gelungen: Die Namibier wurden – Vorletzter.

Schon ein Jahr später bezwangen sie die Rivalen aus Kenia beim ersten Afrika Cup. Jessie Mweshipopya kam 2006 ins Team. Als Pfeifers Gärtner nahm er an einem Spaßturnier teil und war begeistert. Beim letzten Afrika Cup holte er eine Bronzemedaille im Einzel. Sein Start in Waldkraiburg war jedoch ungewiss. Denn die Sportler müssen die Reise größtenteils selbst bezahlen.

Aber Mweshipopya hatte eine ungewöhnliche Finanzierungsidee. Für eine Spende nahm er Gäste in seiner Hütte im Owamboland auf und zeigte ihnen das Dorf. Um die Unterkunft der Sportler in Bayern kümmern sich Johann Patzelt und die Blaskapelle Erhartinger Buam. Sie kennen die Stockschützen von Auftritten in Windhoek und stellen ein leerstehendes Haus zur Verfügung.

Hoffnung auf eine Medaille machen sich die Namibier in Waldkraiburg nicht. „Wir wollen aber besser sein als letztes Mal“, so lautet das Ziel. 2008 landeten sie auf Rang zwölf – beim Mannschaftszielschießen. „Auf jeden Fall wollen wir Kenia schlagen“, ergänzt Mweshipopya blitzschnell. Dann greift er sich wieder einen Stock. „Mann, das Eis bei euch ist wirklich großartig …“

Beate Winterer

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