Spur führt nach Mittenwald

Nazi-Gold: Holländer will Geheimcode geknackt haben

Ein Leben für die Musik: Geigenbauer Cyril Whistler aus Arnheim will den Code der mysteriösen Partitur von „Marsch Impromptu“ geknackt haben.

Mittenwald - Eineinhalb Jahre nach der erfolglosen Suche von Leon Giesen nach dem Nazi-Gold in Mittenwald glaubt nun Cyril Whistler, das Versteck zu kennen.

Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner erhielt vor wenigen Tagen Besuch. Cyril Whistler (46) aus dem niederländischen Arnheim wartete in seinem Amtszimmer mit einer unglaublichen Entdeckung auf: Er habe den Geheimcode der mysteriösen Partitur von „Marsch Impromtu“ entschlüsselt. Mit anderen Worten: Whistler weiß, wo der ominöse Nazi-Schatz in Mittenwald versteckt ist. „Ich finde auf den Zentimeter genau dort hin“, versichert der Geigenbauer und Musiker.

Das kommt dem einen oder anderen irgendwie bekannt vor. Schnell schießt einem in diesem Zusammenhang der Name Leon Giesen durch den Kopf. Auch Whistlers niederländischer Landsmann glaubte felsenfest, den Standort des Nazi-Golds zu kennen. Deshalb holt er sich im Herbst 2013 die Genehmigung zum Graben. Was er an diesem 13. Oktober unterhalb der Wörnerstraße in dem zwei Meter langen und 2,60 Meter tiefen ausgebaggerten Schacht findet: Nichts - außer zerfressene Eisenstücke und einen Draht. Giesen nimmt’s sportlich: „Ich hatte gehofft, dass es zumindest ein Motorblock oder sowas ist.“

Nun also ist ein weiterer Niederländer in Mittenwald auf den Plan getreten. „Die Partitur leitet einen in den Nordosten von Mittenwald.“ Mehr will Whistler nicht verraten. „Da müssen sie schon mein Buch kaufen.“ Dieses heißt „Tears of the Wolf“ - „ein Kunstwerk“, wie sein Schöpfer findet. Nur soviel gibt der Mann mit der langen Mähne preis: Das Nazi-Gold, sofern es nicht schon ausgegraben worden ist, schlummert nahe der Kasernen. Deshalb hat bereits Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Post von Whistler erhalten.

Seit jeher ranken sich Mythen um sagenhafte Goldschätze, die die Nazis kurz vor dem Kriegsende 1945 in die Alpenfestung schafften. Auch bei Whistlers Entdeckung beginnt es mit einer Legende und Schatzkarte. Hitlers Privatsekretär Martin Bormann soll einen verschlüsselten Code für das Versteck auf ein Notenblatt zum „Marsch Impromptu“ von Gottfried Federlein gekritzelt haben: einige Textzeilen, ein paar Zahlen und Runen-Zeichen. Jahrzehnte später kam ein niederländischer Journalist an das Blatt und plagte sich sieben Jahre damit herum, den Code zu knacken. Als er erfolglos blieb, publizierte er die Geschichte samt Notenblatt in einer Zeitung.

Auch Whistler, der in Mittenwald Holz für seine Geigen kauft und dort 2010 sogar geheiratet hat, machte sich ans Werk. „Es war eine schwierige Arbeit.“ Schließlich will er die geheimnisvollen Runen dechiffriert haben.

Mit seiner Geschichte sorgte der Niederländer im vermeintlichen Nazi-Gold-Ort nicht gerade für Begeisterungsstürme. „Herr Whistler ist Künstler und hat sich einen Lebenstraum erfüllt“, berichtet Ordnungsamtschef Hermann Baier. „Er erwartet nichts von der Gemeinde.“

Und wird auch nichts bekommen. Das lehrt Giesens Aktion 2013. Doch an eine Grabung denkt Opernschreiber Whistler sowieso nicht: „Ich bin Musiker und kein Schatzsucher.“

csc

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