Texaner glaubte an vorchristliche Herkunft

Nazi-Gral: Jetzt klagt sein neuer Besitzer

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Das letzte Bild vom Chiemsee-Kessel. Es wurde in einem Tresor aufgenommen.

München - 2001 hatte ein Schatzsucher den Chiemsee-Gral aus seinem Versteck geholt. Seither hat das Gold nur den Wenigsten Glück gebracht. Und nun klagt der jetzige Besitzer, im wahrsten Sinne.

Ein abgeschiedener Ort im Großraum Houston, Texas. Hier lagert seit dem Sommer 2014 ein Kessel aus 80 Prozent Gold und einem Silberanteil von 20 Prozent, in einem geheim gehaltenen, sicheren Lager, das hier „Storage“ heißt. Es handelt sich um den Chiemsee-Gral, jenes Nazi-Trumm mit einem halben Meter Durchmesser, das keine 200 Meter vom Arlachinger Ufer entfernt im Schlick gelegen hatte. 2001 hatte es ein Schatzsucher aus seinem Versteck geholt. Seither hat das Gold nur den Wenigsten Glück gebracht. Und nun klagt der jetzige Besitzer, im wahrsten Sinne.

Es geht dabei um den deutschstämmigen Joe H. Der Mann im Rentenalter zieht in Texas gegen den Schatzsucher Jens Essig vor Gericht, weil er sich von ihm übervorteilt sieht. Joe H., Geschäftsmann und Ingenieur, hatte im Sommer vor einem Jahr nämlich den Kessel ersteigert und dabei fast 800.000 Euro auf den Tisch des Konkursamts im Schweizer Rapperswil gelegt – viel mehr als der Materialwert. Alle Mitbieter, auch ein Museum, hielten bei diesem Preis nicht mehr mit.

Der Kessel war damals sozusagen Konkursware gewesen, nach dem Zusammenbruch einer Gesellschaft, die sich mit der Vermarktung des als Heiligen Grals gepriesenen Artefakts Erlöse von 250 Millionen Euro erhoffte. Doch das war leider nur ein späterer Albtraum für zahlreiche internationale Investoren, die sich mit zwei Millionen Euro in der Spitze in den Gral eingekauft hatten. Und nun also Texas …

Schatzsucher weckte das Goldfieber beim Bieter

Joe H., der sich offenbar mit keltischer Kultur auskennt, behauptet, er sei im März 2014, vier Monate vor der Versteigerung, über 15 Mal von Schatzsucher Essig angerufen worden. Mit der Aufforderung: Er solle bei dem Konkursverfahren mitbieten. Essig habe ihm damals erzählt, der Kessel sei ein echtes Stück aus vorchristlicher, keltischer Zeit. Der Wert sei weit höher als der Materialwert. Er habe „eine besondere Bedeutung in der keltischen Kultur“, heißt es in der Klageschrift vom Anwalt von Joe H.

Somit weckte der Kessel das Interesse, vielleicht auch ein wenig das Goldfieber im Texaner. Der bezweifelte nie die Echtheit, obwohl eine läppische Suchanfrage im Internet ihm zig Mal die bittere Wahrheit auch in Englisch geliefert hätte: vermutlich 1932 vom Münchner Goldschmied Otto Gahr gefertigt – für einen Stützpunkt der SS. Oder weniger gestochen: Hitlers Nachttopf. Doch das tat der Interessent nicht – nur warum nicht bei dem Preis? „Kein Kommentar“, sagte gestern Joe H. zur tz.

Über die von Essig abgetretenen Gläubigerrechte habe Joe H. dann in der Auktion mitgeboten. Auch in dem Glauben, er würde der alleinige Besitzer werden. Einzige Einschränkung laut der Klage in dem Deal: Falls der Goldkessel verkauft würde, sollte Essig die Hälfte des Nettogewinns bekommen.

In einer Geheimaktion wurde das Stück in die USA gebracht. Nun aber ist sich der US-Besitzer nicht mehr sicher, ob das Ding wirklich original keltisch ist. Sein Anwalt. „Wir haben über eine Million Dollar dafür bezahlt. Wenn sich herausstellt, dass er das nicht wert ist, dann ist er wohl nur 400.000 Dollar wert.“ Joe H. hat nun Essig auf Schadensersatz u.a. wegen Betrugs verklagt. Der Schatzsucher, der in München lebt, soll sich laut Joe ebenfalls streiten: Es gehe um Eigentumsrechte am Kessel. Diese seien nicht alleine bei Joe H. Der Nazi-Gral, er ist zwar groß und golden, aber er scheint ein dunkles Eigenleben zu besitzen.

mc/ds

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