Die Ndrangheta fasst in Oberbayern Fuß

Schreckschusswaffen, Handys, Kokain und Geld – ein Blick in die sogenannte Asservatenanlieferung der Polizei.

München - Nach der Großrazzia im Raum München hat sich der Verdacht auf Verbindungen der elf Festgenommenen zum Mafia-Netzwerk Ndrangheta erhärtet.

Aufgrund der persönlichen Bekanntschaften „gehen wir von einer Beziehung zu diesem Clan aus“, sagte Hans-Peter Kammerer vom Polizeipräsidium Oberbayern-Nord.

Es wäre das erste Mal, dass Mitglieder der Ndrangheta in Bayern aufgeflogen wären. Der Verfassungsschutz hatte davon bisher offenbar wenig Kenntnisse – die entsprechende Passage im gestern vorgestellten Verfassungsschutzbericht fällt äußerst dünn aus. Die Ndrangheta operiert von Kalabrien in Süditalien aus, sie hat einige Dörfer regelrecht okkupiert und umfasst angeblich bis zu 7000 Mitglieder. Eines ihrer Mitglieder hatte 2007 auch den sechsfachen Mord an Italienern in Duisburg verübt.

In Oberbayern richtet sich das Interesse der Kriminalpolizei, die dem Verfassungsschutz hier offenbar voraus ist, vornehmlich auf organisierten Kokainschmuggel. Schon länger waren die Ermittler dem Verdacht nachgegangen, dass die Ndrangheta in Bayern aktiv geworden ist und sie hatten Observierungsmaßnahmen getroffen. Konkret besteht Grund zur Annahme, dass Kokain im mindestens zweistelligen Kilogramm-Bereich von Italien nach Deutschland eingeführt worden ist. Überwiegend in Pizzerien soll es dann an die Endkonsumenten verkauft worden sein. Die Schmuggelwege werden noch rekonstruiert, jedoch sollen Kurierfahrten auf den Autobahnen fast gewerbsmäßig eingesetzt worden sein. Die Polizei hatte wie berichtet am Montagmittag 75 Objekte durchsucht und auch 250 bis 300 Gramm der Droge gefunden – die Dealer hatten den Stoff unter anderem in einem Plastikbecher versteckt. Außerdem wurden ein Notebook, Mobiltelefone, zwei Rolex-Uhren, zwei Schreckschusswaffen sowie knapp 60 000 Euro beschlagnahmt. Attraktivstes sichergestelltes Objekt war am Montag aber sicherlich ein Mercedes-Cabrio, das wohl mit Geld aus Drogenverkäufen finanziert worden sein soll. „In Form einer Vermögensabschöpfung fiele der Erlös dann an die Staatskasse“, sagt Kammerer.

Durchsucht worden waren Objekte in München-Schwabing, Germering, Gröbenzell, Haar, Inning, Erding, Freising, Herrsching, Planegg und Garching. Eine Spur führte auch nach Schwabmünchen. Die Polizei filzte Garagen und Kellerräume, die als Lagerräume gedient haben sollen, ebenso wie Pizzerien, Bistros und Cafés „der gehobenen Klasse“ (Kammerer).

dw

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