Große Nachfrage für Imkerkurse

Die neue Bienen-Begeisterung

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Andrang am Lehrbienenstand: Frank Meinert erklärt den Kursteilnehmern die Kunst des Imkerns.

In immer mehr bayerischen Gärten summt es wieder. Die Zahl der Hobby-Imker nimmt stark zu. Nicht erst seit dem Volksbegehren Artenschutz haben die Imkervereine lange Wartelisten für ihre Anfängerkurse. Das freut sie natürlich – doch ganz unbesorgt sind sie über die neue Bienen-Begeisterung nicht.

München – Erst neulich hat sich Frank Meinert mal wieder gewünscht, dass der Lehrbienenstand seines Vereins doppelt so groß wäre. 40 Bienen-Begeisterte drängten sich in seinem Anfängerkurs davor – und eigentlich wären es noch mehr gewesen. „Über 20 Interessenten mussten wir absagen“, berichtet der Vorsitzende des Imkervereins in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Für ihn ist es nichts Neues, dass es auf einmal lange Wartelisten für die Imkerkurse gibt. „Die Nachfrage ist groß – und das nicht erst seit dem Volksbegehren“, sagt er. Schon seit einigen Jahren beobachtet er, dass die Begeisterung für die Bienen und für die Natur insgesamt wieder zunimmt. „Das freut uns Imker natürlich“, sagt er. „Unsere Landschaft könnte noch deutlich mehr Bienen vertragen.“

Zahl der Imker steigt seit Jahren kontinuierlich

Nicht nur in Geretsried und Umgebung summt und brummt es wieder deutlich mehr. Sowohl die Zahl der Bienenvölker, als auch die Zahl der Imker steigt seit elf Jahren wieder kontinuierlich, berichtet Stefan Spiegl, der Präsident des Landesverbands Bayerischer Imker. „2008 waren wir wirklich am Boden, doch seitdem geht es aufwärts. Inzwischen haben wir eine Zuwachsrate von etwa 6,5 Prozent pro Jahr“, sagt er. Die Menschen seien wieder naturbewusster, das Imkern gelte heute wieder als entspannendes Hobby. Und das nicht mehr nur bei Senioren. Das bestätigt auch Frank Meinert. „Der typische Imker ist nicht mehr der Rentner mit Hut“, sagt er und schmunzelt. Die meisten Neumitglieder seien im Alter zwischen 30 und 45 Jahren. „Da sie berufstätig sind, betreuen sie aber oft weniger Völker.“

Ein wenig besorgt, dass Anfänger die Arbeit unterschätzen könnten, sind Bayerns Profi-Imker schon. Denn es sei bei Weitem nicht damit getan, sich einen Bienenstock in den Garten zu stellen, betont Meinert. Das kann er auch in seinen Kursen nicht oft genug sagen. „Die Bienen brauchen Betreuung. Wenn man imkern will, muss man sich auch kümmern – und fachlich fit machen.“ Auch andere Faktoren sollten bedacht werden, bevor man Imker wird, rät er. Die Arbeit ist teilweise körperlich anstrengend. Außerdem sollte man wissen, ob man allergisch auf Bienenstiche reagiert. Sein Verein betreut Neu-Imker nach dem Grundlagenkurs mit monatlichen Treffen und Vorträgen. „Es gibt bei uns auch Paten, die Einsteigern helfen. Der Anfängerkurs ist wirklich nur ein Fundament.“

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Meinert genießt es, diese Kurse zu geben. „Es ist wirklich schön, dabei zu zusehen, wie die Begeisterung für Biene und Natur entfacht wird“, sagt er. Um der großen Nachfrage und dem wachsenden Interesse an Bienen gerecht zu werden, sammelt sein Verein gerade Spenden, um den Lehrbienenstand auszubauen und zu modernisieren.

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Auch der Landesverband beobachtet die neue Bienen-Begeisterung hoffnungsvoll. „Wenn wir Glück haben und es so weitergeht, könnten wir bis 2021 wieder die Imker-Zahlen von 1990 erreicht haben“, sagt Verbandschef Spiegl. „Aber an die herausragenden 60er Jahre werden wir garantiert nie wieder herankommen.“

Die Imkerei allein werde die Natur nicht retten, betont Stefan Spiegl. „Die Honigbiene ist zwar das drittwichtigste Nutztier weltweit – aber nur eine von hunderten Bienenarten in Deutschland“, sagt er und fügt hinzu: „60 Prozent der Wildbienen-Arten sind bereits verschwunden.“

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