20-Jähriger von Bahn überrollt

Zug-Schießerei: Warum rastete Viktor P. aus?

Viktor P. kam beim Sprung aus dem Zug ums Leben.

Kempten - Warum sind die beiden Männer bei der Polizeikontrolle derart ausgerastet? Immer mehr Details zu dem Vorfall im Allgäu werden bekannt.

Der Bahnhof Kempten.

Warum rasten zwei Männer (20 und 44) bei einer Polizeikontrolle in einem Regionalzug dermaßen aus, dass wenig später Schüsse fallen? Einem Polizisten wird dabei der Oberschenkel durchschossen, wenig später springen die zwei Gangster gar aus dem fahrenden Zug. Der eine verliert dabei sein Leben. Die wilde Schießerei im Allgäu-Express vom Freitag wirft noch viele Fragen auf. Am Sonntag konnten einige beantwortet werden: Nach tz-Informationen war es Viktor P., der den Sprung aus dem Waggon nicht überlebte!

Das Motiv: Der 20-Jährige war zur Fahndung ausgeschrieben, wurde per Haftbefehl gesucht. Wegen räuberischen Diebstahls war Viktor P. zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der gebürtige Russe lebte bis Januar in einer Einrichtung für Suchtkranke in Grafrath und war die letzten Wochen untergetaucht.

Die Wahnsinnstat nimmt um 14.26 Uhr ihren Lauf. Im Allgäu-Express von München nach Lindau sitzen rund 300 Pendler. In einem Abteil auch Viktor P. mit einem 44-jährigen Freund aus Augsburg. Dieser stammt ursprünglich aus Kasachstan. Die Männer sind alleine in dem Abteil. Dann öffnen zwei Bundespolizisten (45 und 57) die Tür: „Personenkontrolle!“ Eigentlich Routine, wie Bundespolizeisprecher Klaus Papenfuß berichtet. Aber als die Beamten den 20-Jährigen überprüfen, merken sie, dass nach ihm gesucht wird. Der Zug befindet sich gerade zwischen Kaufbeuren und Kempten. Als die Beamten Viktor P. festnehmen wollen, eskaliert die Situation: „Einer der Männer hat unter einer Jacke auf seinen Knien eine Waffe hervorgezogen und sofort geschossen“, sagt Richard Thiess, Vizechef der Münchner Mordkommission. Dass es nur eine Schreckschusswaffe ist, kann in diesem Moment niemand wissen.

Fotos: Schießerei im Zug nach Kempten - Täter tot

Fotos: Schießerei im Zug nach Kempten - Täter tot

Nun überschlagen sich die Ereignisse. Die Münchner Ermittler, die den Fall auf Weisung des Innenministeriums untersuchen, haben folgenden Ablauf rekonstruiert: Die Polizeihauptmeister weichen nach den Schüssen aus dem Abteil zurück, die Täter setzen ihnen sofort nach. Einer schlägt den 57-jährigen Beamten mit der Waffe nieder. Als der Polizist mit drei Kopfplatzwunden blutüberströmt zu Boden geht, entreißt ihm der Täter die Dienstwaffe und schießt damit auf den zweiten Polizisten, der wenige Meter weiter mit dem anderen Täter ringt. Ein Projektil bohrt sich in Höhe der Leber in die Schutzweste, ein zweites trifft den Oberschenkel. Die Schüsse versetzen etliche Fahrgäste in Panik.

Ein Zugbegleiter behält jedoch kühlen Kopf: Er weiß, dass ein LKA-Beamter (36) immer im mittleren Zugteil mitfährt, um nach Hause zu kommen. Sofort alarmiert er ihn. Der Beamte, laut Thiess „ein sehr erfahrener Mann, der mit actionreichen Geschehnissen vertraut ist“, zieht seine Waffe und stürmt zusammen mit dem 57-jährigen Bundespolizisten nach vorn. Gleichzeitig weisen sie die Fahrgäste an, in den hinteren Teil des Zuges zu laufen.

Dann kommt der Moment der Entscheidung: Zwischen zwei Waggons stellt der LKA- Beamte die Täter. Er ruft den Männern zu, sie sollen die Waffen fallen lassen. Die Gangster reagieren nicht – im Gegenteil: Einer zielt plötzlich auf den Beamten. Der feuert daraufhin und trifft den Kasachen in die Arme und Beine. Die zwei Gangster öffnen die rechte und linke Tür des Zuges – und springen aus dem 100 Stundenkilometer schnellen Zug. Für Viktor P. bedeutet dies das Todesurteil. Er wird überrollt. Er ist sofort tot. Sein Spezl wird wenig später von der Polizei schwer verletzt neben den Gleisen gefunden. Er liegt derzeit in einem Krankenhaus im Koma.

Die gute Nachricht: Der Polizist mit der Beinverletzung ist auf dem Weg der Besserung. Sein Kollege mit den Kopfplatzwunde durfte bereits nach Hause.

age/jam

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