Großer Zuspruch im Ammergebirge und Steigerwald

Neue Umfragen: Aufwind für die Nationalpark-Freunde

Das Ammergebirge, hier mit Blick auf Krähe, Gabelschrofen, Gumpenkarspitze und Geiselstein.
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Das Ammergebirge, hier mit Blick auf Krähe, Gabelschrofen, Gumpenkarspitze und Geiselstein, ist für viele Naturschützer noch immer ein Gebiet, das eine Ausweisung als Nationalpark verdient hätte.

Zwei neue Umfragen geben den Befürwortern eines dritten Nationalparks in Bayern Rückenwind. Demnach spricht sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung vor Ort für einen Nationalpark im Steigerwald sowie im Ammergebirge aus. Doch die Kritiker sehen ihre Argumente nicht widerlegt.

München – Den passenden Namen hat Hubert Endhardt schon im Kopf. Ein „König Ludwig Nationalpark“ schwebt dem Vorsitzenden des Fördervereins Nationalpark Ammergebirge vor: Mit einem Areal von rund 250 Quadratkilometern, das sich von der Zugspitze bis nach Füssen erstreckt. Der royale Namensgeber kommt nicht von ungefähr: die drei Königsschlösser Linderhof, Schachen und Neuschwanstein liegen in dem Gebiet, das Endhardt gerne als dritten Nationalpark Bayerns sehen würde. Bisher ist er mit seinem Vorstoß nicht durchgedrungen. Weder in der Lokalpolitik noch im Landtag konnte sich die Initiative für einen Nationalpark im Ammergebirge durchsetzen. Doch jetzt spürt Endhardt neuen Rückenwind.

Grund dafür sind zwei repräsentative Umfragen, die die Landtagsgrünen gemeinsam mit dem Förderverein sowie dem Verein Nationalpark Steigerwald in Auftrag gegeben haben. Demnach sprechen sich in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Ostallgäu 81 Prozent aller Befragten für die Einrichtung eines dritten Nationalparks im Ammergebirge aus. Im Steigerwald fällt der Zuspruch bei der zweiten Befragung der örtlichen Bevölkerung mit 75 Prozent ebenfalls hoch aus.

Nationalpark als „Brutkasten für mehr Artenvielfalt“

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann sieht mit diesen beiden Umfragen das politische Argument entkräftet, man wolle keinen dritten Nationalpark, weil die Bevölkerung vor Ort dagegen sei. „Das Bewusstsein, dass wir mehr für die Tier- und Pflanzenwelt tun müssen, ist gestiegen.“ Es sei an der Zeit, in Bayern mit einem dritten Nationalpark einen weiteren „Brutkasten für mehr Artenvielfalt“ zu schaffen.

Einmal mehr flammt damit die Debatte über einen dritten Nationalpark in Bayern neben dem Bayerischen Wald und dem Alpennationalpark Berchtesgaden auf. Von Horst Seehofer als Ministerpräsident ins Spiel gebracht, kassierte Markus Söders schwarz-orange Koalition die Nationalparkpläne nach lautem Widerstand vor Ort und in den Landtagsfraktionen wieder ein – die Buchenwälder im Steigerwald sowie die Bergwälder im Ammergebirge waren da ohnehin schon aus der Vorauswahl gerutscht. Stattdessen setzt die Staatsregierung auf das weniger restriktive Konzept der Naturparks, zudem kündigte Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) an, insgesamt 58 000 Hektar Wald der Staatsforsten in sogenannte Naturwälder auszuweisen und somit aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen.

Kritiker sehen Probleme mit den Weiderechten der Almbauern

Sowohl für Hartmann wie für Endhardt ist das aber nur eine Initialzündung. „Über 8000 Hektar sind in unserem Wunschgebiet schon aus der Nutzung genommen“, sagt Endhardt. Weitere 5000 Hektar rund um die Kreuzspitze sind angekündigt. „Das wäre hochwillkommen für die Kernzone eines Nationalparks.“ Sowohl die Befürworter des Nationalparks im Ammergebirge als auch die Verfechter des Steigerwalds betonen, dass ein jeweiliger Nationalpark ausschließlich aus Flächen der Staatsforsten gestaltet werden sollte.

Doch auch wenn kein Privatwaldbesitzer seine Flächen abgeben muss und die Umfragen eine große Zustimmung signalisieren: Die Nationalparkkritiker gibt es weiterhin. So etwa Josef Glatz, der lange für die CSU im Garmisch-Partenkirchner Kreistag saß. „Ein Nationalpark bringt nur Probleme“, findet er. Etwa für die Almbauern, die ihre Weiderechte im Ammergebirge nicht mehr ausüben könnten. Für die Jagd und die Waldwirtschaft. „Ein Nationalpark ist bei uns einfach nicht abbildbar“, ist er sich auch nach Jahren der Debatte sicher. Ganz ähnlich hatte sich der Garmisch-Partenkirchener Landrat Anton Speer (FW) immer wieder geäußert. Seit 2017 sind die Ammergauer Alpen ein Naturpark, also ein Schutzgebiet, das aber trotzdem land- und forstwirtschaftlich genutzt werden darf. Und diese Lösung, heißt es aus dem Landratsamt, sei auch die beste. Königlicher Kronzeuge hin oder her.

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