Bewertung von Heim-Qualiät

Neuer Pflege-TÜV soll Transparenz schaffen, wird aber heftig kritisiert

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Wie gut ist die Versorgung im Heim? Der neue Pflege-TÜV soll mehr Klarheit bringen.

Pflegeheime sollen künftig aussagekräftiger bewertet werden. Das viel kritisierte Noten-System wird durch einen neuen Pflege-TÜV ersetzt, der zeigen soll, wie gut die Pflege in den Einrichtungen wirklich ist. Doch schon bevor das neue System gestartet ist, gibt es auch daran Kritik.

München – Der Pflege-TÜV stand jahrelang in der Kritik. Die meisten Heime erhielten Noten von 1,0 bis 1,2. Wer einen Pflegeplatz gesucht hat, bekam durch dieses System keine Hilfestellung. Der neue Pflege-TÜV soll nun deutlich aussagekräftiger werden. Vor allem aber sollen künftig die Bewohner und deren Versorgung im Mittelpunkt stehen, erklärt Johanna Sell, die stellvertretende Geschäftsführerin des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). „Bisher wurden die Heime vor allem nach strukturellen Punkten bewertet, künftig geht es bei 21 der 24 abgefragten Aspekte um die Versorgung.“

Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht

Die Ergebnisse werden wie bisher im Internet veröffentlicht – allerdings deutlich differenzierter. Statt einer Note wird jedes Kriterium in einem Vier-Kästchen-System bewertet. „So ist zum Beispiel ersichtlich, wie gut für die Mobilität der Bewohner gesorgt wird oder wie häufig es zu Druckgeschwüren bei Pflegebedürftigen kommt“, erklärt Sell. Menschen auf der Suche nach einem Pflegeplatz könnten Heime so besser vergleichen und herausfinden, welche Heime für ihre individuellen Bedürfnisse am besten geeignet wären. „Das kostet natürlich etwas Zeit“, räumt Sell ein.

Die Daten für die Bewertung basieren nicht wie bisher auf der Dokumentation in den Heimen. Sie werden von den Einrichtungen zu allen Themenbereichen zweimal jährlich pro Bewohner abgefragt und einer Datenstelle gemeldet. Die Ergebnisse werden auf Plausibilität überprüft und mit bundesweiten Daten verglichen.

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Ergänzt werden sie durch eine zweimal jährliche Prüfung des MDK, die den Heimen am Vortag angekündigt wird. Bisher waren diese Prüfungen unangekündigt. Die Versorgungsqualität sei aber wesentlich schwerer zu manipulieren als die Dokumentation, erklärt Sell. Der MDK befragt und untersucht neun Bewohner, die vorher stichprobenartig ermittelt werden. Die Ergebnisse fließen in die Bewertung mit ein. Auch ein fachlicher Austausch mit den Pflegekräften gehört zu der Beurteilung. „Der MDK will den Pflegeeinrichtungen anders gegenübertreten“, betont Sell. Auf Augenhöhe. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Qualität der Versorgung zu verbessern.“ Die Fachlichkeit des Pflegepersonals werde durch den neuen TÜV gestärkt, erklärt sie. „Die Pflegekräfte müssen sich nun viel mehr Gedanken machen, wie die ideale Versorgung aussieht und wie Defizite ausgeglichen werden können.“

Patientenschutz-Sprecher: Aussagefähige Gesamtnote fehlt

Eugen Brysch, der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, begrüßte, dass der Pflege-TÜV nun übersichtlicher werden soll. Für fraglich hält er aber, ob die neue Darstellung wirklich eine schnelle Einschätzung bei der Pflegeheimsuche bringen wird. Denn ohne eine aussagefähige Gesamtnote sei ein Vergleich kaum möglich.

Der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek hält von dem neuen Pflege-TÜV nicht viel mehr als von dem alten System. Für die Pflegekräfte bedeute die Prüfung vor allem einen riesigen Zeitaufwand, kritisiert er. „Und das in einem Alltag, in dem wegen der Personalnot oft nicht einmal Zeit für ein freundliches Wort an die Bewohner bleibt.“ Der neue TÜV ist für ihn nicht mehr als ein „riesiger Pflegezirkus“, der bei der Heimsuche kaum hilft. „Die besten Häuser haben ohnehin lange Wartelisten“, sagt Fussek. „Und die schlechten Heime werden nicht geschlossen – wir brauchen ja schließlich jedes einzelne“, sagt er.

Wie sich die Bewertungen der Heime durch den neuen Pflege-TÜV ändern, wird sich allerdings erst in etwa einem Jahr herauskristallisieren. Der MDK beginnt im November mit den aufwendigen Prüfungen. Allein in Bayern gibt es rund 1600 Pflegeeinrichtungen.

Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten und ein Beitrag zur Pflege: Pflegeheimbewohner müssen immer mehr dazuzahlen. Bis zu 2400 Euro kostet ein Platz im Pflegeheim pro Monat - Tendenz steigend. Regionale Unterschiede sind aber beträchtlich.

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