"Wir exportieren Bayern in die Welt"

BR Heimat: Chef des neuen Senders im tz-Interview

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Zur Premiere der neuen Welle mit Stefan Frühbeis (3. v. l.) kamen neben Intendant Ulrich Wilhelm (3. v. re.) und Susanne Zimmer (Bayern 1, li.) auch Vertreter des Trachtenverbands.

München - Rund um die Uhr gibt es beim Radio-Sender BR Heimat Volksmusik und Volkskultur satt. Die tz sprach mit Chef Stefan Frühbeis (54).

An Lichtmess war es so weit: BR Heimat ist gestartet, die neue Radiowelle des Bayerischen Rundfunks. Rund um die Uhr gibt es hier Volksmusik und Volkskultur satt. Wie viele Hörer den Sender, der über das digitale ­Antennenradio DAB+, über Kabel, Satellit sowie über das Internet empfangbar ist, einschalten, ist noch nicht ermittelt. Die Resonanz auf den neuen Kanal ist aber einzigartig, wie Heimat-Chef Stefan Frühbeis (54), selbst Bayer aus und mit ganz viel Leidenschaft, im Interview mit der tz stolz erzählt.

Herr Frühbeis, seit Anfang Februar ist BR Heimat auf Sendung. Wie läuft’s? 

Stefan Frühbeis: Es läuft so gut, wie ich es in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet hätte. Die Reaktionen der Hörer sind überwältigend. Ich bin ja ein alter Radiohase, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.

Inwiefern?

Frühbeis: Was mich wirklich verblüfft: Wir kriegen Briefe und Mails aus der ganzen Welt. Ein begeisterter Hörer schrieb uns aus den Rocky Mountains, eine Dame meldete sich aus Wales und bedankte sich für unser Programm. Andere hören uns in Holland.

Sind das alles Bayern, die ausgewandert sind und Heimweh haben, Sehnsucht nach der Heimat?

Frühbeis: Wir haben unter den Hörern drei Gruppen ausgemacht: Zum einen natürlich die Bayern, die im Freistaat leben und uns übrigens gerne im Dialekt schreiben, um ihre Freude über den neuen Sender auszudrücken. Dann gibt es die Ausgewanderten, die ich auch gerne „Sehnsuchtsbayern“ nenne. Denen bringen wir mit der bayerischen Sprache im Programm und den bayerischen Themen ein Stück Heimat zurück. So tun wir der wunden Seele Gutes. Und wir haben schließlich die Wunschbayern, wie ich sie nenne, die in Nordrhein-Westfalen oder wo auch immer in der Welt leben und sich mit dem Freistaat identifizieren, weil sie vielleicht mal Urlaub hier gemacht haben und das Land einfach lieben. Kurzum: Wir exportieren dieses schöne Bayern in die Welt.

Und haben damit ganz offenbar einen Nerv getroffen. Woher kommt dieses starke Bedürfnis nach Heimatthemen?

Frühbeis: Ich denke, je mehr das Pendel in Richtung Internationalität, Digitalisierung und Globalisierung ausschlägt, desto weiter schlägt es auf der anderen Seite auch wieder zurück. Die Menschen sehnen sich in diesen schnellen Zeiten nach dem Gefühl, irgendwo verwurzelt zu sein. Heimat ist ja auch etwas sehr Vielschichtiges, das kann der Wohnort sein, die Familie, die Freunde oder auch die ­Erinnerung an das Essen, das die Oma immer ­gekocht hat. Der Begriff boomt ja regelrecht. Jeder hat doch inzwischen neben dem Laptop eine Kaffeetasse mit einem Hirschen drauf stehen (lacht). Und die tz macht ja auch nicht ohne Grund eine Heimataus­gabe.

Der Schwerpunkt Ihres Programms liegt auf der Volksmusik. Florian Silbereisen und Co. hört man aber nicht. 

Frühbeis: Nein, BR Heimat ist Stadl-frei, wenn ich das so sagen darf. Das ist eine ganz bewusste Entscheidung. Wir bringen einfach die „echte“ Volksmusik.

Wie sieht es mit der jungen neuen bayerischen Volksmusik aus – spielen Sie zum Beispiel Lieder von La BrassBanda?

Frühbeis: Ja, die kommen vor. Ich schätze diese Musik auch persönlich sehr – aber wir mischen die verschiedenen Richtungen nicht im Programm. Und – das möchte ich auch betonen – wir haben auch ganz großartige Wort-Beiträge und Nachrichten im Programm, zu traditionellen, regionalen und aktuellen Themen.

Beim BR ist die Verjüngung des Programms seit geraumer Zeit ein großes Thema. BR Heimat steht dafür nicht unbedingt, oder?

Frühbeis: Das will ich so nicht sagen. Es gibt durchaus ganz viele junge Leute, die mit Volksmusik nicht nur etwas anfangen können, sondern auch selbst ganz großartig musizieren. BR Heimat ist also kein Sender nur für Senioren. Über BR Heimat steht überhaupt keine Alterszahl. Wir wollen einfach Menschen erreichen, die sich für Bayern interessieren und begeistern. Es ist ja auch nirgendwo anders schöner (lacht).

Interview: St. Thyssen

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