"Funde von überragender Bedeutung"

Archäologen erforschen Herrschaftssitz unter Acker

Bad Neustadt - Sensationsfund in Franken: Archäologen haben unter einem Acker Teile einer mächtigen Befestigungsanlage ausgegraben. Möglicherweise hielt dort sogar Karl der Große Hof.

Archäologen haben Überreste eines bedeutenden Herrschaftssitzes aus dem frühen Mittelalter im nordbayerischen Bad Neustadt (Kreis Rhön-Grabfeld) ausgegraben. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es die Königspfalz ist, ist sehr hoch“, sagte Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalschutz. Die Befestigungsanlage auf dem Veitsberg war schon länger bekannt, wurde jetzt jedoch erstmals eingehend von Forschern der Universität Jena untersucht. Die Ergebnisse wurden am Montag vorgestellt. Als kleine Sensation bezeichnen die Denkmalschützer den Fund einiger Bruchstücke von Glasfenstern, die damals extrem selten und kostbar waren.

Steinbauten aus dieser Zeit in Deutschland selten

Die Anlage war Teil der königlichen Pfalz von Salz. Pfalzen waren zeitweilige Königssitze - die Herrscher zogen fortwährend durch ihr Reich und hielten an wechselnden Orten Hof. Für die Zeit vom 8. bis 10. Jahrhundert sind für Salz mehr als ein Dutzend Aufenthalte von Königen und Kaisern belegt, auch Karl der Große weilte dort.

Ob die Anlage am Veitsberg wirklich das Zentrum des weit verstreuten Pfalzkomplexes war, sei nicht mit absoluter Sicherheit zu sagen, erläuterte Büttner. Der Fund von importierten Waren aus dem Rheinland, die massiven steinernen Befestigungsanlagen und die Größe der Anlagen deuteten jedoch auf eine privilegierte Stellung hin. „Steinbauten aus dieser Zeit gibt es in Deutschland fast nie“, sagte Büttner.

Befestigungsanlagen schon 1983 entdeckt

Die Forscher legten in den vergangenen Jahren unter anderem die Überreste eines runden Turms von 14 Meter Durchmesser frei. Die Grabungsfunde bestätigten die besondere Rolle des Veitsbergs im frühen Mittelalter, hieß es vom Denkmalamt. Die Befestigungsanlagen waren 1983 auf einem Luftbild entdeckt worden, damals gab es allerdings nur einige kleinere Untersuchungen.

„Die Funde sind von überragender Bedeutung für die Region“, sagte der Geschäftsleiter von Bad Neustadt, Michael Weiß. Die Stadt hat die bisher als Acker genutzten Flächen gekauft. In Zukunft wollen die Beteiligten den Veitsberg der Öffentlichkeit zugänglich machen. Wie die Erkenntnisse präsentiert werden, soll noch erarbeitet werden - die freigelegten Teile der Ruinen selbst werden vor der Witterung geschützt und wieder vergraben.

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dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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