Roger Moore ist tot: James-Bond-Darsteller an Krebs gestorben 

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Nach Spenden-Flut

Todkranker Nici will seinen Freunden helfen

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Der Zusammenhalt dieser Familie aus Neuhaus am Schliersee berührt ganz Bayern: Mama Solveig und Papa Roberto Kutter mit ihren vier Söhnen (v. li.) Antonio, Nicolas, Emilio und Leonardo.

Schliersee - Nici Kutter kämpft schon zum dritten Mal gegen Krebs. Nun soll ihm eine neue Therapie in den USA helfen. Dank einer Spenden-Flut darf der 15-Jährige endlich wieder hoffen - und schmiedet bereits Pläne für die Zukunft.

Nicis Lebenswille ist unerschütterlich, er hat Bärenkräfte – aber diese Nachricht hätte selbst den tapferen Kämpfer fast von den Socken gehauen. Zum Glück handelt es sich diesmal allerdings um eine wunderschöne Neuigkeit: Nach nur 15 Tagen haben schon so viele Menschen für ihn gespendet, dass seine Leukämie-Behandluung in den USA gesichert ist. „Vielen, vielen Dank! Der letzte Monat hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, die Hoffnung niemals aufzugeben“, sagt Nici überglücklich. Jetzt schaut er wieder voller Zuversicht in die Zukunft: „Amerika, ich komme!“

Nicis Reise der Hoffnung beginnt am Dienstag, 17. Februar. Dann wird er gemeinsam mit seiner Mama Solveig ins Flugzeug nach Seattle steigen. Dort soll Nici in der Kinderklinik Seattle Children’s Hospital mit einer neuen Therapie behandelt werden. Ob der 15-jährige Gymnasiast aus Neuhaus am Schlierseee diese Chance bekommt, stand lange auf des Messers Schneide. Denn in der US-Klinik wird er nur dann aufgenommen, wenn seine Eltern die Behandlungskosten von umgerechnet 185.000 Euro per Vorkasse bezahlen. „Diese Bedingung können wir jetzt Gott sei Dank erfüllen“, sagt sein Papa Roberto Kutter – dank der Hilfe vieler Spender. Riesen-Unterstützung kam er auch von zahlreichen tz-Lesern. „Ihr alle gebt mir die Möglichkeit, ein ganz normales Lebes zu führen!

In Deutschland nicht zugelassenes Medikament rettete Nici das Leben

Diese Chance hat sich Nici wirklich verdient. Zwei Mal hatte er den Blutkrebs bereits besiegt, dabei schlimme Schmerzen und brutale Nebenwirkung durchgestanden. Doch dann kam die Krankheit vor Weihnachten erneut zurück. Der Verlauf war so schwer, dass Nici beinahe starb, doch der Teufelskerl konnte sich wieder ins Leben zurückkämpfen.

Daran haben auch seine Münchner Ärzte im Dr.-von-Haunerschen Kinderspital um Dr. Michael Albert großen Anteil. Sie griffen praktisch nach einem allerletzten Strohhalm, um Nicolas zu retten. Sie behandelten ihn mit einem neuen Medikament aus Amerika, das in Deutschland noch nicht zugelassen ist. Es heißt Blinatumomab und hilft den körpereigenen Abwehrkräften – den sogenannten T-Zellen – dabei, Krebszellen aufzuspüren und zu vernichten.„ Vereinfacht ausgedrückt funktioniert es so: Bestimmte Eiweiße führen die T-Zellen ganz nah an die Krebszellen heran und aktivieren sie dort – wie Zielfahnder“, so Dr. Albert zur tz.

Nici: "Mein Kampf gegen den Krebs geht in die nächste Runde"

Weil das Medikament aber nicht auf Dauer wirkt, haben die Mediziner nach einer Alternative für Nici gesucht. Sie organisierten für den schwerstkranken Buben einen Platz in einer klinischen Studie der Kinderklinik von Seattle – so nennen Mediziner die Erprobung neuer Behandlungsmethoden an Patienten. Diese Therapie wird derzeit nur in den USA angeboten. Dabei werden den Patienten T-Zellen entnommen und in einem Hightech-Labor mit Hilfe hochinnovativer Gentechnik umprogrammiert – praktisch so, dass die T-Zellen die Leukämie-Zellen erkennen und vernichten können.

Die neue Therapie ist äußerst vielversprechend, das hatte sich bereits in einer Studie herauskristallisiert. Damals waren 30 schwerstkranke Patienten behandelt worden, 27 von ihnen ging es hinterher deutlich besser. Auf einen so durchschlagenden Erfolg hofft auf Nici: „Meine Mission Seattle kann beginnen. Mein Kampf gegen den Krebs geht in die nächste Runde.“ Wenn alles gutgeht, dann hat es Nici nach der Behandlung hoffentlich endgültig geschafft. Daran glaubt er fest – aber nicht nur das: Nici denkt schon einen Schritt weiter: „Ich würde gerne meinen Freunden im Haunerschen helfen, die wie ich gegen den Krebs kämpfen.“

Andreas Beez

Knochenmark-Spende: Das Netzwerk der Helfer

Gesunde Menschen müssen nur einen kleinen Pieks über sich ergehen lassen, aber damit können sie Leukämie-Patienten das Leben retten: Für viele ist eine Knochenmarkspende die einzige Chance zu überleben. Genauer gesagt eine Blutstammzellspende – sie wird im Volksmund Knochenmarkspende genannt, weil sich die Blutstammzellen im Knochenmark bilden. In der tz erklärt Verena Spitzer von der Stitftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) mit Sitz in Gauting, wie man sich als Spender registrieren lassen kann.

270.000 Bayern haben es bereits getan, in der ganzen Bundesrepublik sogar fünf Millionen Menschen: Sie sind in einer von 30 miteinander vernetzten deutschen Spenderdateien registriert. „Dazu muss man nur zu einem beliebigen Blutspendetermin des Bayerischen Roten Kreuzes gehen“, erklärt Spitzer. „Man unterschreibt eine Einverständniserklärung, und dann schickt das BRK das Röhrchen mit der Blutprobe direkt an uns.“ Mehr Infos zu den Terminen gibt es im Internet unter blutspendedienst.com. Eine Alternative sind die Aktionstage der AKB. Die Termine werden auf der Internetseite der Stiftung unter www.akb.de veröffentlicht.

„Allein voriges Jahr konnten wir rund 400 Spenden für schwerkranke Patienten organisieren“, berichtet Spitzer. Und die laufen so ab: Wenn jemand als Spender in Frage kommt, wird er per Brief informiert und später im AKB-Hauptquartier an den Asklepios Kliniken in Gauting von speziell geschulten Ärzten gründlich untersucht. „Das Risiko, dass der Spender gesundheitlich Schaden nimmt, ist verschwindend gering“, betont Spitzer. „Wir haben insgesamt bereits 3000 Spendern Blutstammzellen entnommen, es gab keine einzige ernste Komplikation.“ Allerdings dürfe man die Spende auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es gibt zwei Varianten: Entweder wird unter Vollnarkose der Beckenkamm punktiert – also mit einer Nadel Blutstammzellen aus dem Knochenmark gezogen. Oder der Patient wird an einen Zell-Separator angeschlossen. „Dabei wird das Blut des Spenders entnommen, durch eine Hightech-Zentrifuge geleitet und dem Spender dann wieder zugeführt.“

Andreas Beez

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