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Betreiber von Kinder-Skiliften fürchten Pleite

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Das Lifthäusl hat neue Fenster und einen neuen Ofen, aber der blieb bislang kalt. „Schade“, findet Betreiberin Cilli Schmid (71) © Bodmer

Hocheck/Hirschberg - Kein einziger der Kinderskilifte im Münchner Umland hat in diesem Winter bisher den Betrieb aufgenommen. Die Betreiber fürchten die Pleite. Einer hat schon zugemacht.

Regendurchweichte Hänge, schlammige Parkplätze, ein Jammer! Kein einziger der Kinderskilifte im Münchner Umland hat in diesem Winter bisher den Betrieb aufgenommen – während in den Bergen der Schnee meterhoch liegt und die Kinderlifte am Hocheck (Kreis Rosenheim) und Hirschberg (Kreis Miesbach) auf Hochtouren laufen.

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„Wenn der Schnee weiter ausbleibt, ist irgendwann Schluss“, sagt Cilli Schmid (71) vom Kreuzmöslberglift in Berg (Kreis Starnberg). Seit

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mehr als 40 Jahren betreibt die Landwirtin den Lift. Zwei Wochen müsste er pro Winter laufen, „dann bekommen wir die Unkosten rein“. Jedes Jahr rund 600 Euro für die Versicherung, Beiträge an die Berufsgenossenschaft und alle zwei Jahre rund 500 Euro für den TÜV: Dieses Geld geht auf alle Fälle weg – „auch wenn der Lift steht und wir keinen Cent einnehmen.“

Genauso geht es den Kollegen von den anderen sieben Kinderskiliften im Münchner Umland. Überall fehlt der Schnee. „Noch so einen Winter überleben wir nicht“, sagt eine Betreiberin. Es kommen ja auch immer ungeplante Kosten dazu. In Berg zum Beispiel schnitten Vandalen im Jahr 2007 das mehrere tausend Euro teure Liftseil durch. An den Ötzliften bei Kochel fegte ein Sturm Bäume auf die Lifte. „Wir mussten die ganze Elektrik neu machen“, sagt Liftbetreiber Michael Krinner (36). Repariert hat er alles zusammen mit drei Kollegen, nach Feierabend. Tagsüber bewirtschaften sie ihre Bauernhöfe.

Am Skischullift in Beuerberg half noch nicht mal die Schneekanone,

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die Kurse fanden am Brauneck statt. „Auf Dauer können wir uns das aber nicht leisten“, sagt Betreiberin Sabine Vieweg (47). Hoffen auf den Schnee, hoffen aufs Überleben! Cilli Schmid sagt über ihren Lift: „Er ist hier eine Institution, die Leute kommen seit Generationen bis aus München!“ Als sie ihn vor Jahrzehnten abbauen wollten, „da hat der Bürgermeister gesagt, das könnt`s ihr nicht machen, die Leute decken uns sonst das Rathaus ab!“

Immerhin: Der Winter ist ja noch nicht vorbei, fürs Wochenende ist Schnee vorhergesagt. Wer dann offen hat? Einfach die Liste links unten aufheben, darauf finden Sie alle wichtigen Telefonnummern.

Susanne Sasse

Hier haben sie schon zugemacht

„Früher haben wir uns keine Gedanken gemacht, ob es im Winter schneit“, sagt Anneliese Schlederer (72). Heute ist das anders. „Auf Dauer sehe ich schwarz für die kleinen Lifte.“ Weil der Schnee immer häufiger ausbleibt. Oder weil es, wie am Samstag, gleich wieder taut.

Anneliese Schlederer tut das im Herzen weh: „Schon allein wegen der Kinder!“ Schweren Herzens musste sie heuer im Frühjahr ihren Lift in Leutstetten bei Starnberg abbauen. Nach 41 Jahren! Das Gelände wurde verkauft. Dabei hätte Anneliese Schlederer gerne noch ein paar Jahre weitergemacht und jedes Schneeflöckchen ausgenutzt. Auch wenn der Lift wegen Schneemangel oft stillstand und sich finanziell nicht rentierte. „Aber die Leute haben den Lift geliebt.“ Immerhin haben die Schlederers noch den Lift in Landsberied. Aber der steht und steht. „Einen Winter ohne Schnee überleben wir, zwei nicht.“

svs 

Kinderskilifte: Hier gibt’s Informationen

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