Noch immer Post für das Mädchen

Peggy soll zur Stadtratswahl

Peggy auf einem der Fotos, mit dem nach ihr gesucht wurde. Seit 13 Jahren fehlt jede Spur von ihr.

München - Während sich nach dem Freispruch für Ulvi K. wieder alle fragen, was mit Peggy wirklich passiert ist, wird ihre Mutter immer wieder an ihre Tochter erinnert: Bis heute erhält sie Post für ihr verschwundene Tochter.

Sie ist zurück in Halle, zurück bei ihren Kindern (17 und fünf Jahre alt). Nach dem kraftraubenden Wiederaufnahme-Verfahren um das Verschwinden ihrer Tochter Peggy atmet Susanne Knobloch (41) zwar durch – und fühlt sich doch innerlich zerrissen: „Nach dem Freispruch habe ich gar nichts mehr“, sagt sie der tz. Sie akzeptiert das Bayreuther Urteil, und will keine Revision einlegen.

Während sich nach dem Freispruch für Ulvi K. wieder alle fragen, was mit Peggy wirklich passiert ist, wird ihre Mutter immer wieder an ihre Tochter erinnert: Bis heute erhält sie Post für ihr verschwundene Tochter, die sie beim Umzug von Lichtenberg nach Halle dort gemeldet hatte. Zuletzt kam ein Brief von der Verwaltung – die Wahlbenachrichtung für „Frau Peggy Knobloch“ für die Stadtratswahl im Rahmen der Europawahl. Peggy wäre heute 22, sie ist im Wählerverzeichnis registriert.

Susanne Knoblochs Händedruck mit dem Angeklagten und nun freigesprochenen Ulvi K. (36) am ersten Prozesstag war ein Versöhnungssignal: „Ich wollte einen fairen Prozess“, sagt die Altenpflegerin, die nach schwerer Krankheit frühverrentet ist. Den Freispruch habe sie von Anfang an erwartet: „Es gab doch so viele offene Fragen, so viele neue Verdächtige – da muss doch schlampig ermittelt worden sein.“ Sie will das erneute Urteil nicht werten. Das sei zu viel verlangt für eine Mutter, die seit 13 Jahren keine Antwort auf die Frage nach dem Schicksal ihrer Tochter hat. „Ich hoffte, dass im neuen Prozess irgendwas rauskommt, was noch nicht bekannt ist.“ Das habe sie die Tage im Schwurgerichtssaal des Bayreuther Landgerichts durchstehen lassen. Dabei war sie nicht nur einmal einem Zusammenbruch nahe: Wie sich der Richter von ihr mit Händedruck verabschiedete, wie sie vor dem Gericht auf eine Wand aus Kameras und Mikrofone traf – erst langsam realisierte sie, was der Freispruch und das Ende des Prozesses für sie bedeutete: „Jetzt weiß ich nicht, wer der Täter ist, weiß nicht, wo meine Peggy ist – ich stehe vor dem Nichts.“

Der Bayreuther Oberstaatsanwalt Herbert Potzel versicherte, die Ermittlungen gegen drei Verdächtige würden weitergeführt. Doch die Chancen, noch die Wahrheit zu finden, seien gering. Susanne Knobloch setzt dennoch darauf: „Ich hoffe, dass weiter ermittelt wird. Dass alles Menschenmögliche getan wird, damit ich meine Tochter wiederkriege.“ Denn die Hoffnung, so klein sie auch sein mag, hat Peggys Mama nie aufgegeben. Genau deshalb hat sie ihr seit dem 7. Mai 2001 spurlos verschwundenes Kind auch mit nach Halle umgemeldet...

tz

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