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Noch mal Milde für brutale Türkenfamilie

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Traunstein - Sie drohten ihr, sie quälten sie: Nur weil eine 24 Jahre alte behinderte Türkin deutsche Freunde hatte, wurde sie von Eltern und Geschwistern traktiert. Das Gericht urteilt milde.

Das Jugendschöffengericht in Traunstein verurteilte nun die Vier zur Bewährungs- bzw. Geldstrafen. Der Haupttäter – der Vater der 24-Jährigen – schrammte freilich nur ganz knapp am Knast vorbei.

Anfang März kam es in der Wohnung in Trostberg zu einer Art Femegericht. Der Vater (49), die Mutter (44), die zweite Tochter (21) und der Sohn (27) versammelten sich in der Küche um die junge Frau: Zunächst wurde ihr ein Verbot erteilt, weiter Kontakt zu den Deutschen zu halten.

Dann bewarf der Vater die 24-Jährige mit Orangen. Am Boden sitzend, wurde die Tochter mit einem Bettlaken gefesselt, dazu

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geknebelt. Das Opfer weinte. Mutter und Tochter lachten, übten in den Worten des Richters Dr. Michael Weigl „psychische Beihilfe“ aus. Der Vater stülpte der Geschädigten sogar einen Müllsack über den Kopf und schrie, sie in den Alzkanal zu werfen und zu ertränken. Die Mutter empfahl dazu herzlos: „Das werden wir besser in der Türkei tun – um nicht erwischt zu werden.“ Der Bruder drohte, ihr die Füße zu brechen, wenn sie nicht brav sei.

Etwa 20 Minuten dauerte das Martyrium. Dann ließ der Vater von ihr ab. Die Familie leugnete beharrlich. Dazu der Richter: „Man kann spekulieren über Dinge wie Ehrbegriff oder Familienzusammenhalt.“ Das Urteil: Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen erhielt der Vater eine zehnmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Mutter, Sohn und Tochter bekamen Geldstrafen von 360 bis 600 Euro.

Dass der Vater, der zur Tatzeit wegen schwerer Körperverletzung noch eine Bewährung offen hatte, nicht ins Gefängnis kam, verdankt er zwei Punkten: Zum einen drohe keine Wiederholungsgefahr, da die junge Frau nicht mehr in der Familie lebt. Außerdem liege die Vorstrafe Jahre zurück. Fast leid tat dem Gericht die jüngere Schwester. Sie wurde im Prozess sehr nachdenklich und würde ihre Schwester gerne wieder treffen.

KD

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