„Wünsche Ihnen die Pleite“

Hass-Attacken auf Nürnberger Wirt: Er hat 2G eingeführt - und will dabei bleiben

Von Dominik Stallein

Geimpft oder genesen: Ein Nürnberger Wirt hat die 2G-Regel eingeführt - er erntet heftige Kritik im Netz (Symbolbild)

Als erster Wirt in Nürnberg hat Ali Akar die 2G-Regel eingeführt. Im Netz wird er heftig angefeindet. Doch der Barbetreiber bleibt bei seinem Entschluss.

Nürnberg - Ali Akar ist in Nürnberg der erste seiner Art. Der Barbetreiber begegnet der Corona-Pandemie mit eigenen Hausregeln. In den meisten Einrichtungen in Bayern gilt seit August die sogenannte 3G-Regelung. Nur noch Geimpfte, Genesene oder Negativ-Getestete dürfen Restaurants besuchen oder Angebote von Reiseveranstaltern wahrnehmen. Akar reicht das nicht - und dafür wird er heftig attackiert.

Nürnberg: Wirt führt 2G-Regel ein und erntet Hass-Attacken im Internet

Der Wirt des „Café Bar Garage“ in Nürnberg hat mit der 3G-Regel schlechte Erfahrungen gemacht. Seit diese Regelung gilt, hätten ihn einige Gäste „mit den Tests verarscht“, erklärte Akar gegenüber Nordbayern.de. Für ihn als Wirt sei die Kontrolle der Getesteten aufwändig. Und um eigene Schnelltests* in seiner Bar anzubieten, fehlen die Kapazitäten, schließlich müsste er alle Kunden, die einen solchen machen wollen, 15 Minuten lang beaufsichtigen.

Akar hat darauf reagiert: Ab 1. Oktober gilt in der „Garage“ in Nürnberg* die 2G-Regel*. Dann erhalten nur noch Geimpfte und Genesene Zugang zu Akars Bar. „Ich will weniger Risiko haben“, sagt er. Die Entscheidung ist für ihn wirtschaftlich nicht ganz einfach. „Natürlich, mit 2G bekomme ich noch weniger Umsatz“, weiß der Wirt, weil ein großer Teil der potenziellen Kunden eben noch nicht geimpft ist oder bereits erkrankt war und als Genesener gilt. Akar sieht es pragmatisch: „Lieber weniger Umsatz als geschlossen.“ Sollte nämlich ein Besucher positiv getestet werden, besteht das Risiko, dass Akar mitsamt seinem Team in Quarantäne geschickt würde. Mit dem Entschluss, den er auf Facebook verkündet hat, machte sich Ali Akar aber keineswegs nur Freunde.

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Vor allem im Internet sind die Reaktionen heftig ausgefallen. Einige haderten aus ethischen Gründen mit der Entscheidung des Wirts. Von „Diskriminierung“ war unter anderem die Rede, oder von einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Das waren noch die freundlicheren Kritiker-Stimmen.

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„Ich wünsche Ihnen die Pleite“, kommentiert ein Facebook-Nutzer. Als „Sch....-Laden“ wurde Akars Bar tituliert. Besonders schockierend für den Wirt: Er selbst wurde mit Adolf Hitler verglichen. Diese heftigen Reaktionen sind keine Seltenheit: Kürzlich wurde ein Reiseveranstalter aus Mittelfranken bedroht. Auch er hatte angekündigt, ab Oktober nur noch Geimpfte und Genesene mitzunehmen.

Geimpft oder genesen: Nürnberger Wirt führt 2G-Regel ein - und erntet Hasskommentare

Der teilweise geschmacklose Gegenwind kann den entschlossenen Gastronomen aber nicht umstimmen. „Es bringt nichts. Ich bleibe dabei“, sagt Akar Nordbayern.de. Sein Entschluss sei nämlich nicht aus einer Laune heraus entstanden. Akar machte sich wochenlang Gedanken, was er tun möchte. Deshalb weiß er auch: Ein Großteil seiner Stammkunden genießt vollen Impfschutz. Die Dartspieler, die regelmäßig in der „Garage“ vorbeikommen, ebenso. Verbieten - da ist sich Akar sicher - könne ihm die Entscheidung sowieso niemand: Er genießt Hausrecht und unternehmerische Freiheit.

Beruhigend für den Wirt ist, dass es für seinen Entschluss auch durchaus Zuspruch auf Facebook gibt. „Super Sache“, schreibt ein Nutzer, „komme gerne vorbei.“ Ein anderer Gast - der die Bar wohl zuletzt mied - meint: „Danke, Ali. Jetzt komme ich wieder gerne zu Fußballübertragungen.“ Und einer wünscht sich: „Ich hoffe, es werden noch viele folgen.“

Sein Wunsch wurde erhört: Inzwischen gibt es Nachahmer von Akars Aktion. In der Nähe seines Lokals bedient nun ein zweites Lokal in Nürnberg nur noch Geimpfte und Genesene. Beim „Bismarck“, einem Café in derselben Straße, wurde die Regel schon in die Tat umgesetzt, die Akar erst am 1. Oktober starten möchte. Der Betreiber des „Bismarck“ ist glücklich mit seiner Entscheidung: „Die Akzeptanz ist sehr gut“, sagt Inhaber Silvan Skok. Die Aufregung um Akars Entscheidung kann der Berufskollege nicht nachvollziehen. Sich nicht impfen zu lassen, sieht Skok als „egoistisches Denken“. Und das hält er für grundfalsch: „Wenn alle solidarisch sind, kann man Corona viel schneller unterbinden.“

Corona in Bayern: 2G wird heftig diskutiert - Impfkampagne stagniert

Im Moment entwickeln sich die Geimpften-Zahlen nur sehr schleppend*. Die Impfkampagne in Bayern und in ganz Deutschland ist ins Stocken geraten. Eine 2G-Regel wird in Bayern kontrovers diskutiert. VIze-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sprach sich kürzlich deutlich gegen eine solche Regel aus - er setzt auf Antikörpertests.(dst) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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