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Gelockerte Corona-Regeln: Kulturschaffende in Nürnberg hadern noch - „2G-Plus kostet uns viele Besucher“

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Die Bayerische Staatsregierung hat die Corona-Regeln für Kulturveranstaltungen gelockert. Die Meinungen bei Betroffenen in Nürnberg fallen durchwachsen aus.

Nürnberg – Am 25. Januar hat die Bayerische Staatsregierung die coronabedingten Einschränkungen für Kulturveranstaltungen gelockert. Bei Veranstaltungen mit weniger als 1000 Zuschauern dürfen nun 50 Prozent der Plätze besetzt werden. Die Maskenpflicht gilt weiterhin, ein Abstand von 1,50 Metern muss jedoch nicht mehr eingehalten werden. Bei Events mit 1000 bis 10.000 Zuschauern ist eine Auslastung von 25 Prozent erlaubt. Für manche Kulturschaffenden ist das eine echte Erleichterung. Andere sind mit den Beschlüssen weniger glücklich. 

Diese Corona-Regeln gelten jetzt in Bayern.*

Nürnberg: Ernüchterung bei den Museen

Mit am größten ist die Ernüchterung wohl bei den Museen. Sie haben nur dann etwas von den erweiterten Auslastungskapazitäten, wenn sie Veranstaltungen durchführen. Das wären etwa Ausstellungseröffnungen oder Seminare. Thomas Eser, Direktor der Museen der Stadt Nürnberg*, ist enttäuscht. Im Museumscafé herrsche zwar nach wie vor die 2G-Regel, für die Ausstellungsräume gelte jedoch 2G plus, erklärt er Nordbayern.de. Das sei schwer nachvollziehbar. „Die Museen fallen wieder einmal hinten runter“, klagt er. „Wir hatten gehofft, dass die 2G plus-Regel für Museen fällt. Denn die Verpflichtung zum geboostert sein oder dem Mitführen eines Tests kostet uns sehr viele Besucher.“ 

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Nürnberg: Symphoniker bleiben optimistisch

Ähnlich sieht es bei den Nürnberger Symphonikern aus. Ihr Chef, Lucius Hemmer, hat deshalb schon radikale Vorschläge parat: „Wenn man weiterhin jeden Restaurant-Besuch besser stellt, bleibt uns nur noch, während der Konzerte auch Schäuferle zu servieren!“ Grundsätzlich würden die Symphoniker die Entscheidung aber begrüßen, betont er gegenüber Nordbayern.de. Sie sei ein längst fälliger Schritt gewesen, den sich Publikum und Veranstalter hart erarbeitet hätten: „Mehr Menschen im Konzert bedeutet auch mehr Freude, miteinander Musik erleben und genießen zu können.“ Zudem steige auch die Spielfreude der Musiker, die nicht mehr vor leeren Rängen auftreten müssten.

Den finanziellen Aspekt stellt Hemmer dabei hinten an: „Nach den vielen entbehrungsreichen Monaten ist jede Öffnung eine Verbesserung.“ Ihm ist klar, dass die Lockerungen nicht automatisch für volle Säle sorgen werden. „Das Publikum muss erst wieder Vertrauen schöpfen, dass es etwas uneingeschränkt Tolles ist, sich auf einen Konzertbesuch freuen zu dürfen“, glaubt er. Die Gesundheit von Musikern und Publikum stehe natürlich weiterhin im Vordergrund.

Nürnberg: Gute Bedingungen im kleinen Kino

Matthias Damm vom Nürnberger Filmkunsttheater Casablanca ist erleichtert: „Schön, dass wir jetzt wieder die Hälfte der Plätze besetzen dürfen und die anderthalb Meter Abstandsregel wegfällt“. Sein Kino gehört zu den eher kleineren. Drei Säle hat es ‒ mit 90, 44 und 26 Plätzen. Da sei die alte 25-Prozent-Marke eine „enorme Einschränkung“ gewesen. Jetzt können wieder in jeder Reihe Zuschauer Platz nehmen. Zwischen den einzelnen Besuchergruppen bleiben jeweils zwei Sitze frei.

Voll besetzte Kinosäle wünsche sich Damm aktuell nicht. Dann würden viele Besucher nicht mehr kommen, befürchtet er. Sein Kino wird von einem Verein finanziert ‒ die 2G Plus-Regel macht ihm daher kaum zu schaffen. „Große Kinos mit mehr jungem Publikum sehen das sicher anders“, meint Damm. Seine Zuschauer seien jedoch meist geboostert. Einen negativen Corona-Test* habe fast niemand dabei.

Nürnberg: Schlechte Stimmung beim Concertbüro Franken

Beim Concertbüro Franken (CBF) ist die Stimmung deutlich schlechter. Es ist der größte Veranstalter von Rock- und Pop-Konzerten in der Region Nürnberg*. Die Änderungen der Corona-Regeln helfen nicht weiter, erklärt CBF-Chef Axel Ballreich. „Im Clubbereich haben wir aktuell kein Programm. Fast alle internationalen Acts haben ihre Tourneen verschoben oder abgesagt“, sagte er auf Nachfrage von Nordbayern.de. Auch an Tanzveranstaltungen sei weiterhin nicht zu denken. Dazu müssten die Abstandsregeln abgeschafft werden: „Für Partys brauchen wir vier Wochen Vorlaufzeit, und ob das dann mit Maske funktioniert, ist fraglich.“

Auch im Hallenbereich bleiben Probleme. Unter den noch nicht abgesagten Konzerten für die Arena Nürnberg sind einige, für die bereits 75 Prozent aller Karten verkauft wurden. Da ist es natürlich schlecht, wenn jetzt nur 50 Prozent der Plätze besetzt werden dürfen. Hoffnung geben die Sommerfestivals, meint Ballreich: „Da glauben die Leute dran, das läuft“. Unter anderem findet im Sommer auch das weltweit bekannte Rock-im-Park-Festival* im Herzen der Stadt statt. „Da setzen wir drauf. Alles davor sehen wir skeptisch, und was den Herbst 2022 angeht ebenfalls.“

Nürnberg: Erleichterung beim Kindertheater

Beim Theater Mummpitz sorgte die erste Mitteilung der Bayerischen Staatsregierung zu den Änderungen zunächst für Verwirrung. Darin stand nämlich noch nicht, dass künftig keine Abstände mehr eingehalten werden müssen. Kindertheater haben meistens keine großen Säle. Für sie wäre eine Erweiterung der Zuschauerkapazitäten ohne Wegfall der Abstandsregeln sinnlos gewesen. Theater-Chefin Andrea Maria Erl ist deshalb erleichtert. 

Am 8. Februar startet das Kindertheater-Festival Panoptikum, für das Erl jetzt guten Gewissens Karten verkaufen kann. „Wir haben alle auf die Entscheidung gewartet“, erklärt sie Nordbayern.de. Es gebe Gäste, die aus ganz Deutschland zum Festival anreisen würden. Für die lohne sich die Anfahrt nur, wenn sie mehrere Vorstellungen besuchen könnten. Einbußen bei den Einnahmen werde es natürlich trotzdem geben. Dass die Zuschauer einen Test oder eine Booster-Impfung nachweisen müssen, sei keine große Hürde: „Sowohl bei den öffentlichen wie auch bei den Schulvorstellungen sind die Besucherinnen und Besucher sehr kooperativ, alle haben die nötigen Papiere dabei.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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