Friedensprojekt

Abrüstung im Kinderzimmer: Aus Spielzeug-Waffen wird ein Kunstwerk

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Aus Plastikwaffen soll auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg eine Friedensskulptur entstehen.

Kinder aus aller Welt wollen am Freitag in Nürnberg ein Mahnmal errichten. Sie bauen eine Friedensskulptur – aus hunderten Plastikwaffen, die sie dafür gesammelt haben. Einer der Initiatoren ist der Künstler Johannes Volkmann aus Riegsee. Er hat große Pläne für das Friedensprojekt.

Nürnberg/Riegsee – Johannes Volkmann denkt gerne grenzenlos – besonders wenn es um kreative Kunst geht. Zwei Jahre lang hatten der 51-Jährige aus Riegsee (Kreis Garmisch-Partenkirchen) und sein Team des Nürnberger Papiertheaters Kinder aus 30 Ländern zu ihren Visionen, Wünschen und Sorgen befragt. Daraus sind nicht nur 1000 Fragebücher entstanden – sondern auch die Idee für ein neues, noch größeres Projekt.

Kinder und Jugendliche aus zwölf Ländern haben mitgemacht

Kinder und Jugendliche aus zwölf Ländern haben Plastikwaffen und Kriegsspielzeug gesammelt – um abzurüsten. Sie wollen daraus eine große Friedensskulptur bauen. Und zwar an einem sehr symbolträchtigen Ort. „Die Skulptur soll im Innenhof der Kongresshalle auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände entstehen“, berichtet Volkmann. Etwa 300 Spielzeug-Waffen wurden bisher abgegeben, erwartet werden am Freitag Delegationen von überall aus der Welt. Eine Gruppe reist sogar aus Australien an, andere aus Russland, Albanien, Frankreich, Griechenland oder Serbien. Auch etwa 400 Schüler aus dem Nürnberger Raum haben sich angekündigt. „Vom Grundschüler bis zum Gymnasiasten“, sagt Volkmann. Es wird ein kulturelles Rahmenprogramm geben – und gleichzeitig wird den ganzen Tag an der vier Meter hohen Skulptur gebaut. Ein Eisengerüst ist dafür bereits angefertigt. „Wir werden das Eisen mit Heißluft erwärmen und dann die Plastikwaffen daran befestigen“, erklärt Volkmann. Bis ein buntes Plädoyer für den Frieden entstanden ist.

Künstler Johannes Volkmann ist Mitinitiator.

Diese Skulptur soll in den kommenden Monaten durch Bayern reisen, kündigt Volkmann an. „Wir möchten, dass es in Kirchen oder Marktplätzen zu sehen ist.“ Es gebe bereits Gespräche mit dem Heimatmuseum und dem Oberlandesgericht. Auch Brüssel sei bereits als Station im Gespräch, berichtet der 51-Jährige. Überall werde es ein Rahmenprogramm geben. Denn das Kunstwerk soll Diskussionen auslösen – und vor allem Emotionen, wünscht sich Volkmann. „Im besten Fall wird die Skulptur nachdenklich machen.“ Zum Beispiel darüber, warum wir uns alle Frieden wünschen, aber die Welt nicht friedlich gestalten. Oder warum es in Kinderzimmern so viel Kriegsspielzeug gibt. Volkmann ist gespannt, wie sich das Friedensprojekt entwickeln wird.

Natürlich hat er bereits wieder eine Vision im Kopf. „Das Spielzeugmuseum in Nürnberg wird weiterhin Plastikwaffen und Kriegsspielzeug sammeln“, berichtet er. „Wir wollen in den kommenden drei Jahren weiter an diesem Projekt arbeiten.“ Volkmann hofft, dass mindestens drei weitere Friedensskulpturen entstehen werden. Und daraus schließlich ein „Tempel der Entwaffnung“. Das Schulamt Nürnberg hat ihm bereits Unterstützung zugesichert. Der Weltfrieden soll Jahresthema 2020 in allen Schulen werden. Allein deshalb ist Volkmann sicher, dass die Abrüstung in den Kinderzimmern weitergehen wird – und die Aktion am Freitag erst ein Anfang ist.

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