Folter und medizinische Experimente erlebt

Nürnberger Menschenrechtspreis geht an chinesische Whistleblowerin - Berichte über „brutale Unterdrückung“

Die chinesische Whistleblowerin Sayragul Sauytbay erhält den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis. Verwendung nur mit Nennung des Namens der Frau freigegeben.
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Die chinesische Whistleblowerin Sayragul Sauytbay erhält den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis.

Der diesjährige Nürnberger Menschenrechtspreis geht an die Whistleblowerin Sayragul Sauytbay, die sich für unterdrückte Minderheiten in China einsetzt.

Nürnberg - Die chinesische Whistleblowerin Sayragul Sauytbay erhält nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis, der seit 1995 von einer internationalen Jury verliehen wird. Die Aktivistin stehe „exemplarisch für das Schicksal ethnoreligiöser Minderheiten in China“, erklärte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König* (CSU) am Montag.

Dpa-Berichten zufolge wurde die muslimische Kasachin gezwungen, monatelang in einem geheimen Umerziehungslager als Lehrerin zu unterrichten. „Inzwischen lebt die 44-Jährige mit ihrer Familie in Schweden und spricht öffentlich über die brutale Unterdrückung muslimischer Minderheiten in China*.“ König betonte: „Sie berichtet über das streng geheime Innenleben der Lager und Pekings langfristige Pläne zur Unterwanderung und Unterwerfung auch der westlichen Demokratie.“

Nürnberger Menschenrechtspreis: Jury prämiert Sauytbay stellvertretend für unterdrückte Minderheiten in China

Nach Schätzung von Menschenrechtsorganisationen werden derzeit etwa eine Million Menschen der uigurischen, kasachischen und anderen Minderheiten in chinesischen Lagern* festgehalten. Folter und medizinische Experimente sind dort laut Sauytbay an der Tagesordnung. In ihrem Buch „Die Kronzeugin“ berichtet sie über den Alltag im Lager und ihre Flucht. Die Jury hoffe, dass die Öffentlichkeit des Preises Sayragul Sauytbay „den nötigen Schutz bietet, ihre Arbeit in Sicherheit fortzusetzen“, sagte König der dpa. Die Verleihung ist wegen des Coronavirus erst für den 15. Mai 2022 im Nürnberger Opernhaus geplant.

Jurymitglied Hilal Elver sagte der Süddeutschen Zeitung, dass die 44 Jahre alte Ärztin stellvertretend für die vielen bedrohten Minderheiten in China stehe, die um die Rechte dieser Gruppen kämpfen, aber selten im Rampenlicht stehen. Neben diesem Entscheidungskriterium sei ein weiterer Aspekt von zentraler Bedeutung gewesen: „Sayragul Sauytbay, die zusammen mit ihrer Familie Asyl in Schweden genießt, bringe die Annahme des Preises, nicht in unmittelbare Gefahr‘ - ein Kriterium, auf das die neun Jurymitglieder traditionell gesonderten Wert legen müssen“, so die Nachrichtenseite.

Nürnberg: Einsatz für Menschenrechte Symbol für Signale des Friedens und der Völkerverständigung

Sauytbay wurde 1976 in der autonomen Präfektur Ili Kazakh in der chinesischen Provinz Xinjiang geboren. Als die Regierung in Peking* begann, hart gegen uigurische und kasachische Minderheiten vorzugehen, wurde die muslimische Kasachin 2017 nach Angaben der Stadt Nürnberg als Lehrerin in einem sogenannten Umerziehungslager* zwangsrekrutiert und dort festgehalten. 2018 wurde sie unerwartet freigelassen, musste aber kurz darauf zurück ins Lager - diesmal als Gefangene. Zwar gelang ihr die Flucht nach Kasachstan, dort wurde sie aber des illegalen Grenzübertritts beschuldigt. Nach Angaben des Nachrichtenportals Qazaq Times weigerte sich Kasachstan ferner, ihr Asyl zu gewähren. Am 2. Juni 2019 flog sie deshalb nach der Fürsprache der Vereinten Nationen nach Schweden, wo ihr politisches Asyl gewährt wurde. Wenig später wurde Sauytbay nach Angaben des Außenministeriums der Vereinigten Staaten von US-Außenminister Mike Pompeo* als internationale Frau des Mutes gewählt.

Die Stadt Nürnberg vergibt den mit 15.000 Euro dotierten Preis alle zwei Jahre an Personen, die sich zum Teil unter erheblichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Laut Satzung ist der Menschenrechtspreis ein Symbol dafür, dass in der ehemaligen Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage „in Gegenwart und Zukunft nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen“. Im Jahr 2019 ging der Preis an den Chilenen Rodrigo Mundaca - er kämpft seit Jahren für den freien Zugang zu Wasser. Weitere Nachrichten aus Nürnberg und der Region lesen Sie aktuell immer hier. (nap) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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