Erster digitaler Parteitag

Neuer Vorsitzender der Nürnberger SPD: Seine Pläne und Ideen - „Die Stadt gehört den Menschen“

Die SPD Nürnberg wählt Vorsitz neu. Nasser Ahmed gewinnt.
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Nasser Ahmed konnte die Wahl zum neuen Parteivorsitzenden der SPD in Nürnberg für sich gewinnen.

Die Nürnberger SPD wählte bei einem digitalen Parteitag einen neuen Chef. Gabriela Heinrich und Nasser Ahmed bewarben sich um den Posten. Das Ergebnis war eindeutig.

Update vom 12. April: Bei der Wahl um den SPD-Parteivorsitz konnte sich am Samstag (10. April) in Nürnberg* Nasser Ahmed mit 126 Stimmen gegenüber Gabriela Heinrich mit 52 Stimmen durchsetzen. Dem neuen Parteivorsitzenden Ahmed stehen als neue Stellvertreter Kerstin Gardill und Bernd Hampel zur Seite. „Gemeinsam mit dem neuen Vorstand werde ich einen Erneuerungsprozess der Partei einleiten“, so Ahmed in einer Mitteilung der SPD* Nürnberg. Die SPD habe in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, „doch für mehr soziale Gerechtigkeit gibt es gerade in Zeiten der Krise noch einiges zu tun“.

Nürnberg: Ahmed gewinnt Wahl zum SPD-Parteivorsitzenden - Das sind seine Pläne

In den kommenden beiden Jahren will Nasser Ahmed vor allem die Parteistrukturen erneuern und einen inhaltlichen Neuanfang der Partei einleiten. „Wir brauchen einen Neuanfang, nicht nur im Rathaus, sondern in der Gesamtausrichtung der Partei“, meint Nasser Ahmed. Laut nordbayern.de beklagt er die Schere zwischen Arm und Reich, die viel größer sei als in den 1970er- und 80er-Jahren. Es gäbe eine wachsende Kinder- und Altersarmut und ein Übermaß an prekärer Beschäftigung. Menschen könnten von ihrer Arbeit nicht leben, obwohl die Wirtschaft vor der Corona-Krise lange geboomt habe. „Es ist nicht nur für die Betroffenen, sondern für alle Nürnberger ein Skandal, dass das Stadtbild geprägt ist von Menschen, die Flaschen sammeln. Ich möchte weniger Armut sehen“, so Ahmed.

Schon vor der Wahl zum SPD-Vorsitz kündigte er an: Wenn er Chef der traditionsreichen Nürnberger SPD werden würde, „wäre ich schon jemand, der das nach Berlin trägt“, so nordbayern.de. Im Stadtrat setzt er sich für verkehrs- und sportpolitische Themen ein. „Die Stadt gehört nicht der Wirtschaft und den Autofahrern, sondern den Menschen.“ Deswegen will Ahmed zum Beispiel die Königstraße „noch in diesem Jahr zur Fußgängerzone machen“. Die Genossen müssten zudem sichtbarer, lauter, unbequemer werden, sagt Ahmed. Das könne durchaus dazu führen, dass man im Rahmen der Rathaus-Kooperation mit der CSU* die Beinfreiheit stärker ausnutzten würde als bisher.

Erstmeldung vom 8. April

Nürnberg - Die SPD in Nürnberg wählt am Samstag (10. April) einen neuen Parteichef. Beworben haben sich die Bundestagsabgeordnete Gabriela Heinrich und Stadtrat Nasser Ahmed. Der bisherige Parteivorsitzende, Thorsten Brehm, hatte schon nach seiner Niederlage um den Bürgermeisterposten bekannt gegeben, sich vom Vorsitz zurückzuziehen. Marcus König (CSU) gewann im März 2020 die Wahl gegen ihn und trat nach der langjährigen SPD-Ära von Oberbürgermeister Ulrich Maly an dessen Stelle. Brehm wolle seinen Fokus nun auf die vielfältige Arbeit des Fraktionsvorsitzenden legen, die gerade in der Pandemie vor einigen Herausforderungen stehe, sagte er gegenüber nordbayern.de.

Nürnberg: Wer wird neuer Parteichef der SPD? Gabriela Heinrich oder Nasser Ahmed?

Der digitale Parteitag am Samstag sei mit enormen technischen Aufwand und vielen Vorbereitungen verbunden, erklärt Brehm dem nordbayerischen Portal. Im Karl-Bröger-Zentrum, der SPD-Zentrale in Nürnberg, werde ein Studio aufgebaut, in das aber nur sehr wenige Leute dürfen. Das sind vor allem Brehm selbst und die beiden Kandidaten Heinrich und Ahmed. Vorher werden die Malteser die Beteiligten mit einem Schnelltest auf das Coronavirus* testen.

Beide Kandidaten sind seit 2015 stellvertretende Vorsitzende. Erstmals seit 1997, als sich Günter Gloser gegen den späteren langjährigen Stadtratsfraktionschef Gebhard Schönfelder durchsetzte, kommt es erstmals wieder zu einer Kampfkandidatur um den Vorsitz. Die SPD will am Samstag zwar festlegen, dass künftig der Unterbezirk auch von einer Doppelspitze geführt werden kann, von dieser Möglichkeit wollen Heinrich und Ahmed aber nicht Gebrauch machen, wie nordbayern.de berichtet. Die Partei steht nun vor einer Richtungsentscheidung

Bundestagsabgeordnete Gabriela Heinrich: „Ich bringe viel Erfahrung mit“

Gabriela Heinrich ist 57 Jahre alt und engagiert sich schon seit 1991 in der SPD. Heinrich sagte nordbayern.de, dass sie als Vorsitzende des Unterbezirks Nürnberg den Zusammenhalt innerhalb der Partei stärken möchte: „Wir müssen die Vielfalt, die wir haben, nutzen.“ Es gehe zudem darum, die Ideen und Visionen der Sozialdemokratie in der Stadtgesellschaft sichtbarer zu machen. Seit 2013 gehört Heinrich dem Bundestag an, wo sie die Bürger des Wahlkreises Nürnberg-Nord als Bundestagsabgeordnete* für die SPD vertrete. Sie war schon von 1997 bis 2003 stellvertretende Vorsitzende der Nürnberger SPD. „Ich bringe viel Erfahrung mit“, sagt Heinrich, die die erste Frau als Vorsitzende der Nürnberger SPD wäre.

Gabriela Heinrich wäre die erste Frau als Vorsitzende der Nürnberger SPD, wenn sie am Samstag die Wahl gewinnt.

Stadtrat Nasser Ahmed: „Wir brauchen einen Neuanfang mit klarem Profil“

Nasser Ahmed ist 32 Jahre alt und wurde 2014 das erste Mal in den Stadtrat* gewählt, seit 2015 ist er stellvertretender Vorsitzender der Nürnberger SPD. Seine Schwerpunkte im Stadtrat sind Verkehrspolitik und Sport. In einem Facebook* Video sagt er, er sei überzeugt, die Partei voranbringen zu können. „Gemeinsam schaffen wir es, sie zu gewohnter Stärke zurückzuführen. Denn es gibt noch einiges zu tun.“ Er sei vor zwölf Jahren in die SPD eingetreten. Die SPD habe ihm als Sohn von Bürgerkriegsflüchtlingen und als Arbeiterkind Bildungschancen ermöglicht, wie er nordbayern.de erzählt. Er wisse als Südstädter, dass es vielen Nürnbergern nicht so gut gehe - besonders in der Pandemie. „Wir brauchen einen Neuanfang mit klarem Profil.“

Nasser Ahmed ist seit 2014 im Nürnberger Stadtrat akitv.

Alle Wahlgänge müssten danach noch via Briefwahl bestätigt werden, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. „Dieser Parteitag ist deutlich teurer als eine Präsenzveranstaltung“, sagt Brehm. Man müsse einen fünfstelligen Betrag investieren. Es bleibt abzuwarten, wer am Samstag die Genossen überzeugt und das Rennen für sich gewinnen kann. (tkip) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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