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Nürnberger Bratwurst: Branchen-Riesen investieren in die Region – auch Hoeneß mit dabei

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Von: Nikolas Pelke

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Nürnberg Bratwurst
Sommerzeit ist Bratwurstzeit: Seniorchef Reinhard Wolf gönnt sich ein echte Wolf-Wurst zum Richtfest. © Nikolas Pelke

In Nürnberg investieren die großen Bratwurst-Hersteller wie „Wolf“ derzeit Millionen in moderne Fabriken. Ermöglicht hat den Bratwurst-Boom ein Schutzsiegel.

Nürnberg – Sommerzeit ist Grillzeit. Mit dem Start in die kulinarische Freiluftsaison haben die großen Wurst-Hersteller in Nürnberg jetzt noch mehr zu tun. Allein beim bekannten Wurst-Hersteller „Wolf“ im Norden der Frankenmetropole rollen rund 200 Millionen Würstchen pro Jahr vom Band. Insgesamt werden über eine Milliarde von den kleinen „Nürnbergern“ pro Jahr in der Stadt hergestellt.

Bratwurst-Imperium in Nürnberg wächst: 18 Millionen Euro Investition in die Region

Stolze 18 Millionen Euro nimmt derzeit allein das familiengeführte „Wurst-Imperium“ aus Schwandorf in der Oberpfalz in die Hand, um die bestehenden Produktionsanlagen zur Herstellung der genauso berühmten wie wohl lukrativen Spezialität aus Nürnberg auf den neuesten Stand zu bringen.

Nürnberg BRatwurst
Wurst zum Fest und nicht nur als Pose für die Fotografen: Firmenchef Christian Wolf und Bürgermeister Christian Vogel (von links). © Nikolas Pelke

„Das wird ein Meilenstein. Wir hoffen, dass bis zum Ende des Jahres alles fertig ist“, hat sich Firmenchef Christian Wolf kürzlich im Nürnberger Norden beim Richtfest gefreut. Nach der kostspieligen Erweiterung um satte 3600 Quadratmeter sollen demnächst noch mehr Würste in Nürnberg vom Band laufen.

Bratwurst-Industrie ist gut für Nürnberg-Image

Über den Erfolg der kleinen Würstchen freut sich auch die Stadt Nürnberg. „Die Bratwurst ist ein Wirtschaftsfaktor, Exportprodukt und auch – als eines der wichtigsten kulinarischen Produkte unserer Stadt – ein Imagefaktor“, betont Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU). Dass sich mit der kleinen Bratwurst offensichtlich richtig großes Geld verdienen lässt, beweist ein Blick auf die vier Branchenriesen.

Nürnberg BRatwurst
Reinhard und Christian Wolf investieren rund 18 Millionen Euro in den Nürnberger Produktionsstandort. © Nikolas Pelke

Neben Wolf hätten auch die anderen Würstchen-Platzhirsche bereits kräftig investiert, bestätigt Rainer Heimler, Vorsitzender des Verbandes zum Schutz der Nürnberger Wurst. „Ich habe nicht das Gefühl, dass es den Herstellern der Nürnberger Bratwürste schlecht geht.“ Den wirtschaftlichen Erfolg habe die fränkische Mini-Wurst besonders der geschützten Monopol-Stellung zu verdanken. „Wenn der Handel unsere Bratwürste haben will, können die Supermärkte nur in Nürnberg einkaufen“, freut sich Heimler über das europäische Schutzsiegel, das die Bratwurst-Fans in Franken vor fast genau 20 Jahren durchgesetzt haben.

Nürnberger Bratwurst steht seit 2003 unter Schutz

Ohne die Hilfe der Europäischen Union (EU) wäre wohl auch der wirtschaftliche Siegeszug der Nürnberger Wurst-Fabriken kaum denkbar gewesen. Im Sommer 2003 haben die berühmten neun Zentimeter als erste Bratwurst der Welt das begehrte Schutzsiegel erhalten. Seitdem dürfen „originale“ Rostbratwürste aus Nürnberg ausschließlich innerhalb der Stadtgrenzen der Frankenmetropole aus Schweinefleisch, Pfeffer, Salz und vor allem Majoran hergestellt werden.

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Profi-Fußballer wie Uli Hoeneß haben Wurst-Potenzial früh erkannt

Neben Wolf gehören Hersteller-Firmen wie Kupfer und Schlütters zu den Platzhirschen. Bekannt ist auch die Firma „HoWe“, die von Florian Hoeneß, dem Sohn des ehemaligen Fußballers, Managers und Präsidenten vom FC Bayern München, geführt wird. Mit einer imposanten Produktionsleistung von bis zu vier Millionen Nürnberger Würstchen pro Tag gehört „HoWe“ laut dem Nürnberger Bratwurst-Schutzverband zum „führenden Hersteller“ für die geografisch geschützte Nürnberger Bratwurst. Mit rund 300 Mitarbeitern führt die „HoWe“-Wurstfabrik das Quartett der industriellen Wurst-Hersteller in Nürnberg an.

Neben den großen Wurst-Fabriken gibt es in Nürnberg neben mehrerer mittelgroßer Betriebe laut Wirtschaftsreferat auch noch rund 30 Nürnberger Metzgereien, die die kleine aber feine Wurstspezialität unter der geschützten Herkunftsbezeichnung herstellen.

Bratwurst Nürnberg
Unter dem Firmenlogo der Wurst-Fabrik reihen sich zum Richtfest die Luxuskarossen aneinander. © Nikolas Pelke

Bratwurst-Expansion in Nürnberg: Wolf-Seniorchef mit „gutem Riecher“

Der Einsatz für die Nürnberger Wurst hat sich offensichtlich auch wirtschaftlich gelohnt. Allein auf dem Fabrikgelände von Wolf reihen sich zum Richtfest die Luxuskarossen im Schatten des Firmenlogos aneinander. Der Erfolg kommt freilich nicht von ungefähr. Wenige Jahre vor der offiziellen Verleihung des Schutzsiegels hatte mit Reinhard Wolf der Seniorchef offensichtlich „einen guten Riecher“ bewiesen und die bestehende Wurstfabrik beim Flughafen im Nürnberger Norden übernommen. In dem fast 20 Meter hohen Neubau will Wolf nach der Fertigstellung neben den Nürnberger Klassikern übrigens auch vegane und vegetarische Wurstvarianten herstellen.

Seniorchef Reinhard Wolf, der das Familienunternehmen ab 1977 von einem kleinen Handwerksbetrieb zu einem bedeutenden Hersteller für Fleisch- und Wurstspezialitäten entwickelt hat, trägt aktuelle Moden beim Wurstgeschmack übrigens mit Fassung. „Ich bin ein konservativer Metzger und esse lieber das Original“, hat Seniorchef Reinhard Wolf beim Richtfest kürzlich verraten.

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