Er nahm angeblich zu viel Testosteron

Skurrile Ausrede eines Heckenschützen - Darum schoss er auf Autos

Nürnberg - Abenteuerliche Erklärung für seine Schießwut! Der Nürnberger Heckenschütze gibt vor Gericht den Hormonen die Schuld an seinem Verhalten. Auch seiner Frau droht Ärger.

Welches Spiel spielt der Angeklagte? Seit Mittwoch steht Philipp K. vor dem Nürnberger Landgericht, weil er aus seiner Wohnung heraus Autos beschossen haben soll. Der 50-jährige Rechtsanwalt hat die Taten gestanden, aber bislang noch kein Motiv genannt.

Nun lieferte er eine reichlich skurrile Begründung: Das Hormon Testosteron sei schuld. Er habe dies eingenommen und zu viel davon erwischt. So viel, dass er nicht mehr gewusst habe, wohin mit seiner Sexualität. „Ich hatte einfach zu viel Dampf“, zitieren ihn die Nürnberger Nachrichten. Die Strategie ist durchschaubar: Glaubt ihm das Gericht, dann könnte er wegen verminderter Steuerungsfähigkeit mit einer milderen Strafe rechnen. Das weiß der Jurist, der bei einer Versicherung in Nürnberg arbeitete.

Angeklagt ist er wegen dreifachen Mordversuchs. Wird er schuldig gesprochen, könnte dies eine mehrjährige Gefängnisstrafe bedeuten. Zwei der Opfer sagten bislang vor Gericht aus. Beide wurden von den Schüssen vollkommen überrascht. Einer der beiden, ein 60-jähriger Fahrlehrer, sagte, er habe zunächst an einen Steinschlag gedacht. Sein Wagen war im vergangenen November während der Fahrt angeschossen worden. Die Kugel schlug auf der Beifahrerseite ein, wo zu dem Zeitpunkt niemand saß. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der 60-Jährige nur dank seiner Erfahrung in der Lage war, sein Auto unfallfrei zum Stillstand zu bringen.

Projektile erst nach Tagen entdeckt

Das Auto einer Frau war im Herbst unmittelbar nach einem Auffahrunfall beschossen worden. Sie habe in der Dunkelheit zunächst an ein geplatztes Ventil in dem beschädigten Wagen gedacht, sagte die 27-Jährige vor Gericht. Die Spuren von den zwei Projektilen seien erst am nächsten Tag entdeckt worden.

Für seine Testosteron-Geschichte hatte der Angeklagte bislang wenig seriöse Argumente. Auch ein ärztliches Rezept fehlt. Seine Lebensgefährtin, die als Zeugin aussagen sollte, hat er offenbar zu beeinflussen versucht. Es wurden nämlich Notizen gefunden, auf denen er der Frau detailliert schildert, was sie aussagen solle und wie sie sich vor Gericht zu benehmen habe, um seine Aussagen zu untermauern. Sie solle sich als gute Schauspielerin im Zeugenstand präsentieren.

Nun wird gegen die Frau wegen uneidlicher Falschaussage und versuchter Strafvereitelung ermittelt. Das Urteil in dem Prozess gegen Philipp K. soll am kommenden Dienstag gesprochen werden.

vp

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